COPENHAGEN 1972 - Deep Purple
Eine Band in Höchstform
Im Grunde befand sich die Band noch auf der Tour zum Album Fireball. Jedoch stand Machine Head schon im Startblock. Das Album war fertig und wurde am 25. März 72 veröffentlicht.

Die Band bekam vermutlich auch durch die denkwürdigen Aufnahmesituation in Montreux deutlich Aufschwung. Anfang März des Jahres spielte die Band drei Konzerte in Dänemark. Mit einem Tag Pause standen sie so unentwegt jeden Abend auf der Bühne.
Am 01. März 72 nun betrat die Band im Kjøbenhavns Boldklub (KB) in Copenhagen die Bühne. Schon als erstes Stück des Abend wurde "Highway Star" angestimmt. Dieser Song war seit Februar der Einsteiger bei Konzerten und auch vom bald erscheinenden neuen Album. Gleich hier spielt Ritchie richtig gut und gibt dem Song im Mittelteil einen aggressiven Druck. Einfach Klasse das Teil.
"Strange Kind of Woman" wurde ein Single-Hit der Band von FIREBALL. Wie gut der Song hier wirklich war hört man hier. Ian Gillan und Ritchie spielen hier das Duett, welches später auch auf Live in Japan zu hören gab. Hier ist das Spiel noch nicht so zündend wie später in Japan, jedoch gibt auch hier Ian sein Bestes. Alles einfach nur gut und für immer ein Erlebnis.
Was "Child In Time" angeht so muss man bedenken, dass die Band diesen Song seit 1969 spielt und ständig weiter entwickelt hat. Was für ein großartiges Stück Musik dieser Titel ist hört man mit jeder Note. In dieser Version hier hört man die wohl längste Variante bis dort hin. Ansonsten findet man diesen Song live gespielt nur in einer ungefähren Länge von gut 12 Minuten. Die fünf Minuten mehr machen sich hier positiv bemerkbar. Gerade das spitzenmäßig gespielte Schlagzeug von Ian Paice unterstützt die Orgel und später das Spiel der Gitarre. Jon Lord und Ritchie Blackmore machen dieses Teil zu einem wahren Feuerwerk. Und zu guter Letzt setzt Ian Gillan mit einem coolen Finale dem ganzen die Krone auf. Einfach Augen zu und genießen. Es gibt keine lange Weile.
"The Mule" stammt von Fireball und ist als Opener fürs Drum-Solo wie gemacht. Sehr komplex stampft der Song im Rhythmus daher. Unglaublich wie gut sich das Teil anhört. Ian findet an den richtigen Stellen die Felle und alles ist einfach nur stark. Erstaunlich wie druckvoll das alles klingt. Mit Roger Glover kommen dann die anderen Instrumente zurück.
Mit einem furiosen "Lazy" geht das Unterfangen weiter. Dieser Song vom bald erscheinenden Album Machine Head ist in seinem Charakter und in der Struktur einfach nicht tot zu kriegen. Immer wieder ist dieses Stück ein absolutes Meisterstück. Ich finde dieser Song ist ein gespielter Meilenstein der Band in jeder Zusammensetzung. Eingeleitet durch Jon bluest er konsequent nach vorn. Ritchie lässt sich Zeit und improvisiert fleißig.
Der nächste Höhepunkt rast auf das Auditorium zu. Bei "Space Truckin‘" jammt es an jeder erdenklichen Stelle. So ist das der geneigte Purpler gewohnt. Jon und Ritchie wechseln sich ab, duellieren sich und solieren ausgiebig. Getragen vom Rhythmus strebt man den Sternen entgegen. Nach der knalligen Landung ist man erstaunt. War das das Ende oder geht es nochmals los?
Weiter geht es mit der wohl einzig erhaltenen Live-Version von "Fireball" aus dieser Zeit. Danach folgt "Lucille". Diese Cover-Version (Little Richard) findet sich öfters auf den alten Live-Aufzeichnungen von damals. Am Ende dient "Black Night" als Rausschmeißer.
Was die Band auch in diesen drei Titeln anbietet kann sich zum Besten der Zeit zählen lassen. Alles ist meisterlich geschlossen und wird famos vorgetragen. Keiner der Beteiligten zeigt Schwächen.
Der Auftritt wird von Kameras begleitet. In Schwarz-Weis sieht man Ritchie mit seiner Gitarre am Verstärker schrammen. Jon wackelt mit seiner Orgel; er schiebt sie fast über die Bühne. Zu allem bewegt sich Roger entspannt auf der kleinen Bühne. Am Ende von "Space Truckin‘" liegt das Schlagzeug umgestoßen auf der Bühne. Für die Zugabe wird alles wieder gerichtet.
Später erschien das Konzert noch mehrer Male mit unterschiedlichen Bezeichnungen auf DVD und auf allen anderen denkbaren Medienträgern. Ist die Soundqualität auch nicht in jeder Aufzeichnung immer richtig gut, so hört man hier jedoch eine hervorragend aufgestellte Band. Sie präsentiert sich in einer überragenden Form. Man wundert sich nicht, warum das im August des Jahres mitgeschnittene Live-Material aus Japan dann dermassen gut wurde. Doch diese Geschichte ereignete sich später.
Als Zugaben zur Veröffentlichung gibt es noch drei Aufnahme von New York. Am 30. Mai 1973 spielte die Band im Feld Forum. Drei der Titel wurden festgehalten und sind zu hören. "Strange Kind Of Woman", "Smoke On The Water" und "Space Truckin‘" gilt es durch die Gehörgänge zu jagen. Alle samt sind nicht die besten Live-Aufnahmen. Die Besetzung war zu diesem Zeitpunkt schon dem Verfall preisgegeben. Man war zerstritten und Ende Juni ’73 war dann letztendlich auch Schluss mit den Live-Auftritten dieser Besetzung. Ian und Roger mussten gehen.


