Vorstellung des Autors
Am 07.08.1965 kam ich in der Kreisstadt Sangerhausen als Kind einer Arbeiterfamilie zur Welt. Ich genoss ein tolles Elternhaus auf der Ostseite der Mauer. Mein erstes Radio war ein altes Röhrenradio aus sozialistischer Produktion. Es war riesig, hatte jedoch einen tollen Klang. Meine Mutter war bei der Deutschen Post. Mein Vater arbeitete bei der Polizei. Ich wuchs mit zwei Schwestern in einer Vier-Raum-Wohnung auf.

Natürlich sah und hörte ich West-Medien. Mehr heimlich, da es meinem Vater verboten war auf dem bösen Westen zu hören. Jedoch nur wenige hielten sich an dieses unsinnige und schlicht alles überlagernde Gejammer vom bösen Klassenfeind.
Als schließlich "Highway Star" aus dem großen Lautsprecher meiner Radiokiste den Weg zu meinen Ohren fand, war ich gebrettert. So etwas gab es? Schier unglaublich erschien mir dieser Gedanke.
Mit 14 Jahren bekam ich meinen ersten Stern-Rekorder. Ein klobiger Kasten mit einem Gehäuse aus Holz. Das Teil war mit einem Kassetten-Laufwerk zum Aufnehmen ausgestattet. Ich kaufte alles was mir an Kassetten in die Hände fiel. Arbeitete neben der Schule in den Ferien um neben meinem Taschengeld mehr Kohle dafür zu haben. Bald brauchte ich einen Recorder in Stereo und auch ein Buch um mit den Kassetten und den Musiktiteln klar zu kommen.
Meine zweite Schwester (die erste war bereits ausgezogen) machte es mit einem Spulen-Tonband ähnlich. Wie auch unser Vati nahm sie Musik auf. Beide hörten wir unterschiedlichste Genres in der üblichen Lautstärke. Zusammen mit den Schlagern vom Vater frage ich mich noch heute wie meine Mutter diese Zeit bewältigen konnte ohne den Verstand zu verlieren.
Über die Jahre wurde meine Affinität zur Musik immer größer. Der Rest meiner Bezugsmenschen konnte mit diesem Wahnsinn nicht mehr Schritt halten. Nach der Lehre und der Armee ging ich wie mein Vater zur Polizei.
Die Wende spülte auch bei mir mächtig durch. Neben den politischen Wirren erhielt ich nun auch Einblick in die bunte Welt des Westens. Endlich kam ich an alle Alben, welche ich immer haben wollte. Eine Zeit lang musste der arme Postbote mit einer Sackkarre die Plattenlieferungen in meine Jungesellenbude anliefern. Es wurde immer mehr.
Bald benötigte ich Literatur über die Alben selbst. Ein Rock-Tilch mit allen Ausgaben war bald mein Eigen. Ich verbrachte manche Abende und bald Tage mit dem Studium der Unterlagen. Der Anspruch alles zu besitzen wurde immer totalitärer. Meine persönlichen Befindlichkeiten traten in den Hintergrund, mein Verlangen wurde immer größer.
Von einem blattgebundenen Verzeichnis ging ich zu Computer-Programmen über. Diese Vielzahl von Alben und CD‘s brauchte ein Verwaltungs-Medium. Heute besitze ich gut 1400 Alben der verschiedensten Künstler als LP, als CD oder auch als Download. Noch gefühlt 200 Bootlegs schlummern auf meiner Festplatte und warten auf eine Audio-Bearbeitung.
Seit gut 25 Jahren bin ich erfolgreich im Fachgebiet der Kriminaltechnik tätig. Neben den tatsächlich handwerklichen Arbeiten an Tatorten und an Brandorten gehören auch administrative Aufgaben zum Job. Ich schreibe Abhandlungen zu den Ereignisorten und muss einige davon gerichtlich vertreten.
Auch während meines sehr bewegten partnerschaftlichen Leben schuf ich mir selbst Kenntnisse in der Gestaltung von Texten. Neben dieser Arbeit hier verfüge ich noch über einen größeren Fundus von selbst geschriebenen Gedichten.
