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PERFECT STRANGERS LIVE - Deep Purple

Ein starkes Stück Geschichte - ohne Zweifel eines der besten Live-Alben dieser Zeit

Deep Purple sind besser als vorher. So ungefähr beschrieb es Roger Glover in einem kurzen Interviewausschnitt am Anfang. Sie haben jetzt mehr Spass bei allem. Ja so in etwa fasst man das zusammen, was zu sehen und zu hören ist.

 

Im Jahr des erneuten Urknalls selbst war es, als sich die auserlesene Herrenrunde zum munteren aufspielen im fernen Kontinent trafen. Kein Neid sollte sich in die Hirne fressen, kein Kummer die Seele belasten. Es galt zu leben, es galt zu spielen, es galt zu feiern.

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Deep Purple waren zurück. Wie ein Gewitter schlug die zum Mensch gewordenen Urgewalt der Hardrocks ein. Das neue Album Perfect Strangers ist gerade frisch auf dem Markt und das Eisen glüht. Eine Band war wieder aus dem Boden der Nie-Vergessenheit hinaufgestiegen und enterte die Bühnen auf der ganzen Welt.

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Mit "Highway Star" startet die Band auch Live die neue Phase. Sie sind wider da. Lange gab es dieses Stück nicht mehr live zu hören. Ohne Pause schließt sich "Nobody Is Home" an. Auch hier gibt jede Menge Druck. 

 

Bei "Strange Kind Of Woman" werden alte Erinnerungen gleich wieder geweckt. Verhaspelt sich Ian Gillan im ersten Teil ein wenig, so macht er es wieder vollends gut. Er singt traumhaft. Dann das tolle Ende; Blackmore zusammen mit Gillan. Ritchie jammt und Ian gib im Kehlkopf-Gesang den Gitarren-Imitator. Bis zum finalen Schrei ein tolles Erlebnis.

 

Wie gut der nächste Song im Grunde ist hört man auf der Studioaufnahme nicht unbedingt. Live hingegen ist "A Gypsy‘s Kiss" der Hammer. Ein absolutes Power-Stück. Hier brennt die Bühne. Leider zu wenig live gespielt.

 

Mit "Perfekt Strangers" geht es weiter. Der Fan hat diesen Klassiker wohl schon tausend Mal gehört. Seit der Réunion fehlt er fast bei keinem Live-Event. Live merkt man erst so richtig wieviel Kraft im Song steckt. 

Auch "Under The Gun" macht in Sachen Power keine Ausnahme. Ritchie probt hier den Ernstfall. Man hat fest den Eindruck er ist dabei einen seiner vielgesehenen Gitarrenmorde zu begehen. 

 

Diesem Höhepunkt folgt das ebenfalls nie in Vergessenheit geratenen "Knocking At Your Back Door". Wie oft wurde dieser Titel schon live wiedergegeben? Das prägnante Riff knallt jedes Mal durch die Halle als gäbe es kein Morgen. Roger Glover schmeißt den Bass an. Dann geht die Post ab. 

 

Ist der letzte Ton verklungen beginnt Ritchie "Lazy". Wie hab ich mich immer gefreut. Für mich einer der ganz großen Songs der Band. Kann man Blues härter spielen? Wie sich alles aufbaut und letztlich im Schlagzeug-Solo endet ist schon richtig groß.

 

Über "Child In Time" etwas besonderes zu Papier zu bringen, dass ist fast nicht möglich. Eine Superlative gerade in dieser Besetzung. Gillan ist stimmlich wirklich richtig toll drauf und im schnellen Teil überschlagen sich die Geschehnisse. Mit diesem Song in "Difficult To Cure" überzuleiten ist einfach genial. Beide Stücke sind wahre Improvisations-Wunder. Ritchie lässt erst seine Finger über die Gitarre streichen, lässt dann aber den Herrn Beethoven aufleben. Im Anschluss greift Jon spitzenmäßig in die Tasten. Die Orgel dröhnt und wechselt mit zarten Tönen. Über 22 Minuten einfach tolle Musik. Ein absoluter Höhepunkt nicht nur bei diesem Konzert. Hier jedoch wird alles mit einer meisterlichen Spielfreude dargeboten. 

 

Das Standard-Programm geht mit "Space Truckin‘" in die letzte Runde. Schon Jon‘s  Einstieg nach dem Rhythmuswechsel ist voll cool. Roger grätscht danach brutal dazwischen. Nach gut acht Minuten wird die Bühne dem Man in Black überlassen. Wie immer fabriziert er irre Töne. Er zieht am Vibrato-Hebel seiner Gitarre, ringt am Hals und wirkt fast völlig von Sinnen. Jedoch muss dieses Mal das Instrument nicht den Heldentod erleiden. Ohne das Bild vom TV hört es sich noch spektakulärer an. Ist dann Inferno zu Ende geht es dem Ende entgegen. 

 

Die Halle bebt, der Applaus wird nicht aufhören. Die Zugabe ist fällig. Der alte Gassenhauer "Black Night" wird nun ins Auditorium geschleudert. Der Song wirkt in dieser Fassung ein wenig anders. Gillan verpasst den Einstieg, der Übergang zwischen Gitarre und Orgel hakt ein wenig. Aber Freunde so ist Livemusik eben.

 

Nach der Bandvorstellung geht temporeich mit "Speed King" weiter. Auch hier fliegt buchstäblich die Kuh. Wieder wird das Teil anders wiedergegeben. Ritchie und Jon geben gegenseitig Einsteiger. Ein Motto wird auf die Bühne geworfen und der jeweils andere gibt es wieder bzw. setzt es fort.

 

Mit "Smoke On The Water" nimmt die Band Abschied. Wenn dann endlich das Riff durch die Boxen schallt, dann brennt die Luft. Was für ein Stück. Gillan bedankt sich artig und das Publikum darf mit singen. 

Sie wirkten reifer und auch ausgeglichener. Sogar ein Richie Blackmore steckte da noch den Kopf mit dem des Sängers zusammen. Später waren die Fans schon froh wenn sich beide auf der Bühne nur Verbal verachteten. Da waren sie noch eine Einheit. Da schlugen sie sich die Noten nur so um die Ohren. Welche Freude das zu hören und zu sehen. Die Bildqualität ist beachtenswerter Weise sehr gut, noch besser ist der Ton.

 

Die beiden Egotiere Blackmore und Gillan ließen sich und der Band genug Zeit sich einzuspielen und ihre Schokoladenseite zu zeigen. Sie alle waren inzwischen älter und auch besser. Immer wieder blitzt bei Blackmore ein kleines Lächeln und Gillan nickt dazu. Echt schick und schade, dass alles dann doch nicht hielt.

 

Was die anderen Musiker angeht, so ist wie immer die gewohnte Qualität zu sehen und zu hören. Über Jon Lord wurden schon tausende Loblieder gesungen (gerade von mir). Hier nur der Verweis auf eine außergewöhnliche Leistung und wieder mal tolle Parts im Bandgefüge. 

 

Gleiches gilt auch für die anderen zwei der Rhythmusgruppe. Roger Glover bass unauffällig und konstant dahin, dass er einem manchmal fast schon selbstverständlich vorkommt. Auch der Drummer, Ian Paice, hat das Drumkit nicht verlernt. Alles gut und die Band gesund.

 

Von hier aus ging die Siegestour auch live weiter. Sie ist auch auf Absence Of Pink am 22.06.1985 in England bei strömenden Regen noch zu hören, bevor es dem guten Gillan jedoch die Stimme verschlug. Im Palais Omnisport in Paris am 09.07.1985 versuchte Blackmore noch Gillan zu helfen seine Stimme zu verstecken, später dann war er weniger feinfühlig. Nun gut das ist eine andere Geschichte. Eine Geschichte von übler Nachrede, Unmut und oftmals auch von Bockmist und Kinderkram, vorgetragen auf einer öffentlichen Bühne. Da gehörte das so nicht hin.

 

Aber damals im Melbourne Stadium am 18.12.1984 war alles noch weit entfernt. Ritchie sprach von jedem Gitarristen, mit dem er es aufnehmen könnte. Ian schwärmte vom neuem Verständnis in der Truppe. Roger hatte einfach Spass. Jon war wie immer zu Stelle und breitete das Soundpflaster für den gepflegten Bühnengang. Und Paicy trommelte als wäre jeder Schlag ein Cent in der Kasse der Band. Wie geil waren doch die alten Zeiten und sie kommen nie mehr wieder.

 

In diesem Sinne kann ich nur jedem wärmstens empfehlen; holt euch dieses Stück in Plast (oder auch Vinyl bzw. als Audio-CD) eingefangene Vergangenheit. Gleich danach noch In The Absence of Pink. Wenn dann noch Platz im Geldbeutel ist noch die Aufnahme von Paris. Alles durch weg Mahnmale einer Vergangenheit, die so nicht wieder kommt.

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