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MIAMI - James Gang

Ziellos und verloren

Ein neues Album der James Gang stand Anfang 1974 auf dem Programm. Roy Kenner jedoch geriet in eine Drogenkriese. Seine finanziellen Mittel verbrauchten sich zunehmend. Er hatte juristische Probleme. Man suchte schon einen geeigneten Ersatz. Doch trotz der widrigen Umstände kam es Anfang 1974 zu Aufnahmen der Band in den Criteria Recording Studios Miami. An den Keyboards half Tom Dowd. Beim letzten Titel war es dann ein Albhy Galuten.

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Das Album jedoch ist im Grunde schwach. "Cruisin' Down The Highway" macht als Opener erst mal Geschmack auf mehr. Rhythmisch sind in dieser Rock-Nummer einige coole Wechsel vorhanden. Leider wird die wieder gute Gitarre von Tommy zu früh abgeregelt. Sie verschwindet und weicht dem soft gespielten "Do It". Auch hier weiß der Herr Bolin durchaus zu überzeugen, vor allem im schnelleren Teil am Ende.

Mit "Wildfire" wird es dann flach. Gedacht als langsamer Blues langweilt das Teil doch. Die Luft scheint raus. Wie der Song davor ist auch "Sleepwalker" eher nicht geglückt. Im Grunde hat man echt das Gefühl einzuschlafen. Das Unterfangen rettet auch nicht der recht gute Gesang. Den gescheiterten Gesamteindruck hebt ein wenig das kleine und recht fein gespielten Instrumental für Gitarre und Bass. Nach "Miami Two-Step" ist dann das Ende der Rille erreicht und so dreht man das schwarze flache Ding.

 

Die zweite Seite des Albums beginnt wiederum mit einem Instrumental. "Praylude" ist eine echt schöne Improvisation von Orgel und Gitarre. Das hört sich schön an und man schließt die Augen. Unmittelbar danach folgt dann "Red Skies". Ein echt druckvoll gespielter Blues mit einem toll klingenden Sänger. Beide Titel werden bei späteren Veröffentlichungen auch als ein Song angegeben. Das stimmt da "Praylude" als Intro schlüssig scheint. Aber auch im Abschluss lässt "Red Skies" deutlich Federn. 

 

Die zwei Stücke danach sind Füllstoff. "Spanish Lover" wirkt einfallslos und ereignisarm. Irgendwie springt der Funke nicht über. Auch "Summer Breezes" wirkt kraftlos. Hoffnung schöpft man noch in den ersten Takten, dann passiert nicht mehr viel. 

Heute gibt es wesentlich mehr solcher Nummern; abgeflacht und einen allzu bekannten Hitwunsch im Radio geopfert. Schließlich ist der Hörer nach guten zwei Minuten erlöst.

 

Mit dem letzten Song der zweiten Scheibe nun kann man seinen Frieden machen. "Head Above The Water" startet sentimental und steigert sich dann. Ein schönes Beispiel für eine halbwegs gelungene Ballade. Immer wieder im Stück schafft es Bolin den Song gewissermaßen zu retten. Er gibt den im Grunde ziellosen Unterfangen eine plausible Richtung. Am Ende verliert sich das Stück in den Rillen. 

 

Ziellos und verloren steht diese Scheibe im Portfolio der Band und an sich auch in der Vita von Tommy Bolin. Er hebt diese Aufnahme deutlich und verschafft ihr einen matten Glanz. Mit Miami verbinde ich mit Lebensfreude, Sonne und glücklichen Begebenheiten. Hier jedoch geht genau das unter. Ein oder auch zwei gute Stücke sind für eine Band wie der James Gang einfach zu wenig.

 

Tommy ging nach der Fertigstellung des Albums desillusioniert und verließ die Band. Er arbeitet mit Dr. John und wurde schließlich für ein Album von Alphonse Mouson engagiert. Doch das kam später und hatte so rein gar nichts mit der James Gang zu tun. 

 

Die James Gang jedoch zerlegte sich danach Stück für Stück. Roy Kenner ging für immer. Bis 1976 kamen noch zwei Alben und dann war Schluss. Fox verblieb als einziges Rumpfmitglied bis zum Ende. 

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