TEASER - Tommy Bolin
Erstaunen triff Abwechslung und wird zur tollen Erinnerung
Die Geschichte des Albums beginnt in den ersten Monaten des Jahres 1975. Tommy wollte seine erste eigene Scheibe heraus bringen.

So fand man sich zum Beginn des Jahres in den Phill Holly Studios in Los Angeles ein. Mit dabei waren Stanley Sheldon am Bass und Bobby Berge an den Drums. Man kannte sich von Tommy’s ersten Versuch mit Energie und von Zephyr. Auch andere Musiker gaben später an mit zugegen gewesen zu sein. Nun gut, wer will das heute noch überprüfen. Man spiele sich ein und die Jam-Session wurde mitgeschnitten. Später konnte das dann der geneigte Fan auch auf THE GLEN HOLLY JAMS miterleben. Die hier zu hörenden Stücke sind zwar nur unvollständig, doch lassen sie großes vermuten.
Auch andere Session fanden selbstverständlich statt. So in den Brothers Studio in Santa Monica. Auch hier wieder gespickt mit großen Namen. Zwischendurch gab es noch Probleme mit dem Label und mit den Producer. Im April 1975 wurde schließlich der Vertrag bei der Konkurrenz fürs neue Album unterzeichnet.
Danach kam es zur Session mit Deep Purple. Tommy wurde dann der offizielle Gitarrist der Band. Auch hier sollte ein neues Album entstehen.
Im Juli 1975 begannen die Aufnahmen für Tommys Solo-Album. Man traf sich im The Record Plant Tonstudio in Los Angeles. Mit dabei waren wieder Stanley Sheldon und Bobby Berge. Auch viele andere gute Musiker beteiligten sich daran. Alle Namen zu nennen führt ganz sicher zu weit, doch Jan Hammer darf nicht unterschlagen werden. So hat auch ein gewisser Phil Collins mitgetrommelt.
Noch im August standen die Aufnahmen zu Come Taste the Band auf dem Aufgabenzettel. Also ging es nach München in die Musikland-Studios. Nachdem die Aufnahmen mit Deep Purple fertig waren trieb es Tommy nach New York. In den Electric Lady Studios wurde weiter an dem eigenen Material gearbeitet.
Im Oktober 75 stand dann das Feintuning des Live-Programms von Deep Purple auf dem Plan. Hier traf man sich in den Pirate Sound Studios in Los Angeles. Auch bei dieser Gelegenheit bastelte Tommy weiter am Solo-Projekt. In den Trident Studios wurden die letzten Sachen in London abgemischt.
Tommy Bolin war zu jener Zeit umtriebig und vermutlich mehr in der Luft als am Boden. Seine viele Arbeit und die ständige Veränderung schärften vermutlich seine ohnehin schon vielschichtige Betrachtung auf die Musik noch mehr. Im November des Jahres 1975 (fast gleichzeitig mit dem Deep Purple Album) erschien TEASER.
Es startet mit "The Grind". Man hört Funk und spürt die Spielfreude in jeder Ecke. Der Hörer wird sofort mitgerissen. Tommy spielt hier wirklich gute Passagen.
Mit "Homeward Strut" hören wir einen alten Bekannten. Schon bei verschiedenen Sessions davor entwickelte Tommy das Teil hin zu diesem kurzweiligen und überhaupt nicht langweiligen Instrumental. Leider mit vier Minuten zu kurz. Hübsch geht das Teil mit Bongas dem Ende entgegen.
Lyrisch und verträumt kommt "Dreamer" daher. Zart mit Gesang und Piano steigert sich der Song. Es gipfelt am Ende in einem wunderschönen Solo. Zeitlos schön und betörend bis zu seinem Schluss nach gut fünf Minuten. Tommy konnte echt gut singen.
Jazziger wird es dann mit "Savannah Woman". Leicht und beschwingt steigt man ein in eine Soundmalerei aller erster Klasse. Allein die lockeren Drums sind famos. Immer wieder gesellt sich die coole Jazz-Gitarre hinzu. Es hat fast einen Touch Latin-Rock in sich. Schnell das schwarze Teil drehen.
Mit "Teaser" hört man am Beginn der zweiten Seite den Titelsong des Albums. Was für ein Gebilde das ist erfährt man erst beim mehrmaligen Hören. Eine Rock-Nummer mit einem gehörigen Bolin-Schlag; wenn man so will. Wieder leider zu kurz.
Das leichte Reggae-Stück "People, People" folgt diesem Kracher. Was für ein Bass neben dem Drum-Paket und dann die Bläser! Alles passt und wurde ersonnen vom selben Mann. Kaum zu glauben, hat man noch den Titelsong im Gehörgang.
Wieder anders ist das zweite Instrumental. "Marching Powder" beginnt mit einem druckvollen Gitarrenbeitrag. Im weitern Verlauf wird es deutlich jazzlastiger. Gitarre und Drums überschlagen sich. Stark vorangetrieben durch den starken Bass.
Von den Live-Interpretationen bei Deep Purple bekannt, hört man nun "Wild Dogs". Im Grunde feiner und einfühlsamer als bei den Auftritten mit der großen Band, wird man hier in eine Power-Ballade hineingezogen. Schön und durchaus verrucht wirkt dieser Song ehrlich. Besonders die letzte 1,5 Minuten sind voll der Hammer. Alles verschwindet dann in den Reglern. Viel zu kurz.
Zum Ende wird es nochmals besinnlich. "Lotus" startet zart wird zwischendurch jedoch wieder knochenhart um dann wieder in Zärtlichkeit zu zerfließen. Dann wieder harte Riffe gefolgt vom fast-Zerfall. Und wieder wird Schwung genommen. Einfach spitze das ganze und ganz gewiss nichts fürs einmalige Lauschen.
Als TAESER erschien war Tommy Mitglied einer der größten Rock-Bands seiner Zeit. Die Promotion war ein Albtraum. Sticker auf das Album zu kleben auf welchem der Welt erklärt wurde, dass der Gitarrist hier bei Deep Purple arbeitet, hat ganz sicher nicht gut genug als Kaufanreiz getaugt. Das Album verschwand schließlich in den Regalen. Zu Auftritten mit eigener Band kam er erst im Frühjahr 1976. Der Markt ist schnelllebig.
So beachteten damals vergleichsweise wenige Personen diese außergewöhnliche Musik. Erst später - vor allem nach dem tragischen Tod von Tommy - fand es wieder Anklang. Heute ist es immer noch ein Mahnmal für diesen einfach tollen Gitarristen. Seine Vielseitigkeit und der daraus sich ergebende musikalische Kontext sind bis heute einmalig.
2012 nun folgte die 3-CD-Ausgabe The Ultimate Teaser. Hier findet der geneigte Fan die endgültige und vollständige Aufarbeitung des Albums. Auf diesem sind die verschiedensten Versionen von auf dem Album enthaltenen Songs. Hier sei vor allem die 13 Minuten Fassung "Wild Dogs". Man muss das Teil unbedingt mal gehört haben. Cooles Live-Feeling im Studio. Einfach voll der Hammer und eine schöne Entschädigung für die zu kurze Version auf dem Album.
Es finden sich jedoch auch Stücke, welche in keiner Version auf das Album gelangten. Hier gilt es vor allem die beide Varianten vom Song "Fandango" angemerkt. Ein Stück - zwei Spielweisen. Oder das ebenfalls famose "Flying Fingers"! Ein Power-Stück über 16 lange Minuten. Alles fantastische Musik von Könnern intoniert fürs erwartungsvoll ausharrende Volk.
Ein Album ohne Tiefen und mit massenweisen Höhen. Wie grandios diese Musik ist lässt sich auch damit erklären, dass selbst die Outtakes noch meisterlich sind. Tommy hat sich mit diesem Werk ein Denkmal geschaffen. Eine fortwährende Bewunderung seiner Fähigkeiten sollte die Grundlage dieser ständigen Erinnerung bilden. Eine tiefe Bewunderung verbunden mit dem Schmerz, dass dieser Mensch so früh aus dem Leben gerissen wurde.


