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PRIVATE EYES - Tommy Bolin

Tommy for ever

Seit dem Frühjahr 1976 war das Experiment mit Deep Purple zu Ende. Tommy konnte sich auf seine Solo-Kariere konzentrieren

Sein musikalisches Potential hatte er bis zu diesem Lebensabschnitt mehr als einmal bewiesen. Das Erste Solo-Projekt erfuhr durch das Engagement beim Bolin/Coverdale/Hughes - Projekt kaum Anerkennung.

Nach TEASER musste jedoch ein Nachfolger in die Läden. Tommy war gerade durch seine Mitarbeit bei der lautesten Band der Welt auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit. Er gründete im März seine Tommy-Bolin-Band. Live zog man durch Clubs und spielte Material von ihm, vom Tastenmann Mark Stein und dem Drummer Michael Walden. 

 

Wieder mit neuem Label (jetzt bei Columbia Records) wollte Tommy eine neue Solo-Scheibe nachlegen. Er unterbreitete Dennis MacKay seine Song-Ideen. MacKay half ihm ein Jahr zuvor in London bei TEASER. 

 

Am 08. Juni 1976 enterte man das Cherokee Studios in Hollywood. Bis zum 16. Juni war das Album im Kasten. Unglaublich wenn man den Umstand betrachtet, wie wenig Zeit die Band hatte. Einzig Michael Walden wurde ersetzt durch Bobby Berge. Tommy und er kannten sich schon lang und er bot sich als Ersatz quasi an. 

 

Mit "Bustin' Out For Rosey" startet das Album in gewohnter Bolin-Manier. Der Hörer hört eine bunte Mischung aus Funk und Rock. Seine Gitarre lugt immer wieder unterstützt von Bläsern und Gesang aus dem Hintergrund. Mit viel Gefühl fügt sie sich schön in den Song. 

 

"Sweet Burgundy" gleitet die Gehörgänge hinunter. Wieder hört man einen schönen Gitarrenlauf. Vielleicht könnte man den Song als etwas flach bezeichnen, wären da nicht die wundervollen Bläsereinlagen. Sie peppen den Titel deutlich auf und schaffen einen tollen Kontrast.

 

Bei "Post Toastee" nimmt das Album deutlich Geschwindigkeit auf. Mit seinen neun Minuten ist dieses Stück ein echtes Bolin-Stück. Ein frecher Bass trifft eine pulsierende Orgel. Obendrauf jammt Tommy‘s Gitarre. Schön das der Song nicht nach gut fünf Minuten in den Reglern verschwindet. Die Band darf zeigen was sie kann. Alles pulsiert und ist in Bewegung. Fantastische Musik und ein wirklich toller Abschluss der ersten Seite. 

 

Nachdem man sich davon überzeugt hat, dass der letzte Ton verklungen ist, dreht man den schwarzen Diskus herum. Die zweite Seite beginnt dann mit "Shake The Devil". An diesen Song arbeitete Berge einst schon mal mit Tommy bei der Arbeit zu TEASER unter einem anderen Titel. Cooler Jazz-Rock mit irre guter Gitarrenarbeit. 

 

"Gypsy Soul" hingegen ist das krasse Gegenteil zum Song zuvor. Fast schon verspielt gleitet hier eine schicke Jazz-Nummer durch die Rillen. Total leicht mit einem leichten Touch von spanischem Gitarrenspiel. Dann dieses Saxophon-Solo! Luftig und offen bis der Song in den Reglern verschwunden ist.

 

Verspielt und locker wirkt auch "Someday We'll Bring Our Love Home". Allerdings wirkt es deutlich rockiger und vielleicht ein wenig zu flach. Hier wurde wohl zu schnell gearbeitet?

 

"Hello, Again" ist mit reichlich Streichern schon ein wenig schnulzig. Allein die spärliche Instrumentalisierung rettet den Song und gibt ihm ein zerbrechliches Antlitz.

 

Bei "You Told Me That You Loved Me" langt die Band nochmals kräftig zu. Tempowechsel sorgen für Abwechslung. Druckvoll driftet die Band durch den Song. Der Titel verliert sich nicht durch die Rhythmen sondern gewinnt auf eine echt tolle Weise an Substanz. Alles klingt echt spitze und man wünscht sich mehr Zeit. Nach guten fünf Minuten verschwindet das Teil im Mischpult und das Album ist zu Ende. 

 

Man ist sich nach dem Hören der LP einfach sicher etwas tolles gehört zu haben. Die Band spielt fantastisch, agiert kompakt und alle Musiker geben sich Raum zum Spielen. Bedenkt am den engen Zeitrahmen von nur acht Studio-Tagen, dann ist die Qualität der Mitschnitte ein echtes Wunder. 

 

Im Gegensatz zum Vorgänger spielt hier eine echte Band. Trafen sich bei TEASER noch die verschiedensten Musiker, so hört man hier eine Gemeinschaft. Das wirklich besondere ist die Gestaltungskraft dieser Formation, welche die Entwürfe von Tommy in diesem so kurzen Zeitrahmen so meisterlich ausgestaltete.

 

Für mich persönlich jedoch erreicht dieses Album nicht ganz die Höhen der Einspielung vom Sommer des Jahres zuvor. Im September 1976 erschien das Werk. Noch während der Pomo-Tour verabschiedeten sich der Drummer und der Bass-Mann. Die Bassgitarre übernahm Jimmy Haslip und an den Drums fand sich Tommy‘s Bruder - Johnnie Bolin - wieder. 

 

Leider verstarb Tommy am 4. Dezember 1976. Sein plötzlicher Drogentod entsetzte nicht nur seinen Bruder, sondern auch viele seiner Anhänger. So wurde leider nie geklärt was aus dieser Arbeit noch hätte entstehen können. Seine Familie sorgt noch heute immer wieder dafür, dass sein musikalisches Erbe nicht in Vergessenheit gerät. 

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