DEEP PURPLE - Deep Purple
Die letzte und vielleicht auch beste LP der ersten Besetzung
Vom Januar bis März 1969 entstanden die Aufnahmen zum dritten und letzten Deep Purple-Album der ersten Besetzung. Die Band entwickelte sich weg vom Stile von Vanille Fuge und hin in Richtung Hardrock. Live waren sie gereift und gingen auch schon entsprechend hard vor. Unter der Aufsicht von Derek Lawrence (Ton-Ingenieur Barry Ainsworth) mietete man sich wieder ins De Lane Lea Studio in London ein.
Gleich mit "Chasing Shadows" geht es voll zur Sache. Allein der Einstieg der Drums ist spektakulär. Ritchie beginnt den Song genauso dynamisch. Ein Titel mit einem enormen Drive. Der stampfende Rhythmus passt gut zur Zuwendung zur härteren Gangart. Hier deutete sich schon an wohin die Reise zukünftig gehen sollte. Das Stück endet wie es begann mit einem echt guten Schlagwerk.
Betrachtet man die nächste Eigenkomposition "Blind" so singt Rod richtig gut. Jedoch hört er sich nicht flüssig an. Hinzu kommt noch die fast schon barocke Bauart des Titel selbst. Irgendwie hat man den Eindruck der Song geht im Tempo manches mal durch. Es wirkt ein wenig gebremst bis im Mittelteil die Gitarre beginnt. Man hat den Eindruck die Band bremst sich aus um Rod zu helfen.

Bis auf einem Titel waren auf dem Album nur Eigenkompositionen zu hören. Lediglich der Song "Lalena" stammt aus der Feder von Donovan. Er wurde auch ziemlich nah am Original wiedergegeben, jedoch nicht ganz so schnulzig. Jon Lord spielt hier den Titel gut an und Rod singt ihn echt fantastisch. Für solche Sachen war Rod echt gut. Dieses Stoff konnte er echt singen. Hört man hier zu denkt man nicht eine Sekunde darüber nach ob dieser Song zu lang wäre. Alles passt.
Rockiger geht es dann wieder im mittleren Bereich des Albums zu. Beginnend mit dem kurzen "Fault Line". Dieses kleine Intro leitet dann in "The Painter" über. Eine hübsche und attraktive Rocknummer. Schick und schlüssig bis zum Ende. Ritchie gibt hier unterstützt von Jon eine echt gute Leistung ab. Alles wird durch muntere Drums begleitet. Einfach stark gespielt und im gewissen Sinne auch schon ein Fingerzeig in die neue Richtung.
Bei "Why Didn’t Rosemary?" Hört man schon fast die Band der bald neuen Besetzung. Im Rhythmus drängend schafft der Titel Raum in den Gehörgängen. Eine hübsche Blues-Spur durchzieht das Teil. Es macht Spaß dem Zaubergitarristen Zeit und Raum zu geben. Der Mann in Schwarz drängt sich mehr und mehr in den Vordergrund. Die Orgeldominanz der Alben davor war beendet.
"Bird Has Flown" gibt sich nochmals richtig Mühe zu gefallen. Hier jedoch zündet das Unterfangen nicht. Ich weiß nicht woran das liegt. Ansich ein cooles Stück. Jedoch nachdem der letzte Ton des dringlichen Grundmotivs verklungen ist, vermisst man den Song eigentlich nicht mehr wirklich. Vielleicht liegt es am darauf folgenden Teil.
Der Überhammer und damit ein für alle Zeiten prägendes Stück befindet sich am Ende des Albums. "April" ist der Einstieg in die ersthafte Musik und geht den Weg von "The Shield" konsequent voran. Der Song ist ein Meisterwerk und stellt in der Art der Interpretation einen neuen Schritt dar. Jon Lord gibt hier eindeutig den Ton an und ordnet hier die Band und die orchestralen Bestandteile der klassischen Dreiteilung von Sinfonien unter. Die Melodien ergänzen sich und gehen in einander über. Im Schlusssatz wiederum beteiligt sich die Band auch mit Gesang zum poetischen Ende. Dieses Stück ist der Startschuss zum klassischen Schaffen des Herrn Lord. Die Band begleitet ihn dann auch noch ein gutes Stück mit.
Das Album hier ist das Letzte mit Rod Evens und Nick Simpel. Am 10.07.1969 standen schon Ian Gillan und Roger Glover neben den Herren Lord, Paice und Blackmore. Diese dritte Veröffentlichung hier stellt einen Übergang dar. Dieser wurde von der Presse so nicht wahr genommen. Die Band kannten in Europe bestenfalls nur eingeweihte und am anderen Ende der Welt (USA) hingen die Wolken tiefer. Tetragrammation Records war pleite und keiner wußte wie es weiter gehen sollte.
Die Titel auf der Remastered-Edition von 2000 stellen einen kurzen Abriss der musikalische Qualitäten der Bandmitglieder dar. Sie sind alle von sehr guter Qualität und zeigen wie hart die Songs schon interpretiert wurden. Hier hört man schon die späteren Purple aufspielen. Der Song "Emmaretta" ist hier dem Sammler vorbehalten und im Grunde nicht erwähnenswert weil einfach zu normal (belanglos?).Die Band verschaffte sich noch mediale Aufmerksamkeit durch das Concerto for Group and Orchestra. Eine große Erfolgsgeschichte schien in weiter Ferne. Aber die Band erfand sich neu und mit Deep Purple In Rock zeigte man der Welt wo der Hammer liegt.


