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MADE IN JAPAN - Deep Purple

Ein Referenz-Werk für die Ewigkeit

Im Grunde waren sich alle Bandmitglieder in dieser Frage einig. Sie wollten keine Liveaufzeichnung ihrer Auftritte. Irgendwie sahen sie in dieser Maßnahme keinen kommerziellen Erfolg. Schließlich und wirklich waren Deep Purple nur Live - quasi Auge in Auge mit den Fans - in ihrem Metier. Das musste man persönlich erleben! Die Band trat ausgesprochen häufig auf und hatte sich einen hervorragenden Ruf erarbeitet.

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Seit März 1972 stand MACHINE HEAD in den Plattenläden. Es verkaufte sich prächtig. Die Geschichte des Albums an sich und der damit fest verbundene Superhit "Smoke On The Water" sorgten erneut für weltweite Aufmerksamkeit.

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Am 17.03.1972 wurde das Album das erste Mal offiziell live promotet. Wie immer folgte ein Auftritt nach dem anderen. Mitte August ´72 tourte die Band durch Japan. Warner Bros Japan bestand auf ein Live-Album für den japanischen Markt. Die Band stimmte widerwillig zu unter der Auflage, dass Martin Birch die Musik aufzeichnete und masterte. An zwei Abenden in Osaka [15. und 16. August] und einem in Tokyo [17. August] trat die Band auf und wurde mitgeschnitten auf Acht-Spur-Bändern. 

 

Die Band war zweifellos auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Ich bin felsenfest der Meinung, dass sie so nie wieder auf einem Medium festgehalten wurde. Der Start mit "Highway Star" ist furios gelungen. Jon‘s Orgel startet genauso durch wie die grollende Blackmore-Gitarre. Alles reißt von der ersten Minute mit. 

 

Über "Child In Time" noch Worte zu verlieren ist fast schon eine Sünde. Die Zerbrechlichkeit zu Beginn des Songs kommt in dieser Aufnahme sehr deutlich zu spüren. Und dann explodiert die Bühne bei Ian‘s Kehlkopfgesang. Es wird schneller und schneller. Ritchie ringt ordentlich am Griffbrett seines Instruments. Ist dieser Mitschnitt auch um einige Minuten kürzer als jener in Copenhagen (Februar des Jahres), so ist er an Dynamik nicht zu toppen. 

 

Auch den nächsten Titel kennt jeder - nicht nur der geneigte Purpler. "Smoke On The Water" beginnt mit dem wohl bekannten Riff. Später dann wird dieses schöne Stück immer wieder verfremdet. Mittendrin beginnen andere Songs und enden dann im Abschlussgewitter. Oder der Song wird wie mit Joe Lynn Turner am Anfang gruselig zerhackt. Die spätere Verwendung als Teppich für eine Dankesrede ist ja noch passabel. Hier auf diesem Album jedoch hört man noch eine aufgepäppte Studioversion. So wie man sich das wünscht. Alles wirklich gut bis zum Ende.

 

"The Mule" stammt von FIREBALL und ist wie geschaffen für ein Drum-Solo. Der vertrackte Rhythmus mit dem beeindruckenden Drum-Spiel geht hier in ein wirklich guten Solobetrag des Herrn Paice über. In dieser Version kommt der besondere Beitrag des Schlagzeugers voll zu tragen. Einfach Lauschen und wundern. Gut fünf Minuten Drums pur. Als ich das zum ersten Mal hörte war ich nicht mehr erreichbar. Wehe mich hätte einer gestört beim Lauschen; den hätte ich töten können. 

 

"Strange Kind Of Woman" was für ein Song. Als Single fürs Album FIREBALL gestartet erlebt das Teil hier eine Offenbarung. Gab es so etwas früher bei einer anderen Band? Ich weiß es nicht. Noch immer bekomme ich Gänsehaut höre ich den Herrn Gillan stimmlich mit der Gitarre vom Herrn Blackmore wettstreiten. Was für eine Konserve, was für ein Glück für den Musikenthusiasten! Hier rockt es nach Art des Hauses. Ein Hammer und immer wieder einzigartig. Eine Aufzeichnung mit einer weitreichenden Bedeutung. Ganz im Geiste ringt man hier noch mit der Band. Sie kämpfen hier nicht wie später üblich im internen Ungeist von Kleinmut und Überheblichkeiten. 

 

Mit "Lazy" und Jon geht es in die nächste Runde. Im kleinen Soloteil drückt der Herr Lord gewaltig seine Tasten. Die Orgel dröhnt bis sich die Startmelodie ins Freie kämpft. Gefühlvoll geht es los und die Band zündet durch. Gerade dieser Song ist über die Jahre mein absoluter Lieblingstitel geworden. Einfach in der Botschaft und genial in der Umsetzung. Von der Kritik als einfallslos zerrissen ist es für mich das Vorzeigestück der Band. Vom langsamen Beginn hin zum abwechslungsreichen Mittelteil bis hin zum schön gestalteten Finale. 

 

Der letzte Song im Set ist das schon oft auch länger gespielte "Space Truckin‘". Was soll man noch festhalten; hier gibt es Druck an jeder Ecke. Hier wird fast 20 Minuten lang improvisiert. Alles begleitet von Drums und Bass. Orgel und Gitarre geben es sich mächtig. Jon schiebt sein Instrument über die Bühne, wackelt und schupst es umher. Die Töne wirken fremd und aggressiv. Man meint das Teil wird zerstört. Ritchie verbiegt seine Strat wo immer es geht. Er gibt "Fools" kurz Raum. Am Ende geht sein Instrument kaputt. Ritchie schmeißt Teile der Gitarre in die Massen und die Ordner am Rand in der Bühne rennen ins Publikum. Sie bringen die Bruchstücke wieder zurück und legen sie vorm Herrn Blackmore auf die Bühne. Was für ein Szenario!

 

Konzerte wie diese dürfen nicht enden. An den drei Abenden werden Zugaben gegeben. Die vier Seiten der originalen Doppel-LP waren gefüllt. Also fielen sie erstmal hinten runter. Später jedoch wurden auch "Black Night", "Speed King" und "Lucille" veröffentlicht. Nicht an jeden der Nächte kamen alle Titel zur Darbietung. Hier jedoch schoss man diese drei Titel dem Hörer zu. Auch hier brilliert alles und die Musik ist einfach genial eingefangen. 

 

Die kleine Mini-Tour begann mit einer freundlichen Begrüßung der Band. Im Auditorium saßen reihenweise japanische Jugendliche artig auf ihren Stühlen. Sie applaudierten am Ende der Songs anständig. Sie kannten jedoch die Texte der Songs und gaben sich der Band mit Haut und Haaren hin. Ein totaler Erfolg für die Band. 

 

Später nahm man die Aufnahmen aus Japan mit. Zurück in England wurden sie abgemischt. Hierbei wurden keinerlei Overdubs hinzugefügt. Alles was man hört hat sich so ereignet. Nichts wurde verändert. Lediglich vertauschte man auf dem Doppel-Album "Child In Time" mit "Smoke On The Water" in der Reihenfolge. Bei den Auftritten kam der Sachstandsbericht aus Montreux vor der Geschichte des resignierten Kugelausweichers. 

 

Am Ende kümmerten sich nur Roger Glover und Ian Paice um das Album. Der Rest der Band war nicht sonderlich interessiert. Im Dezember 1972 erschien es zum Sonderpreis einer Single-LP in England und vier Monate später in den USA. Das Album ging weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. 

 

Bis heute stellt es eine Referenz für andere Live-Alben dar. Es bleibt für immer im Gedächtnis der Welt und wurde mehrfach in die vordersten Reihen vergleichbarer Werke gestellt. Die bis dahin gerüchteweise erzählten Geschichten vom Ruhm einer Band als Live-Spektakel wurde hier quasi in Reinform ins Vinyl gepresst. In dieser Art der Darbietung hört man die Band wie sie damals wirklich waren. Man fing sozusagen die musikalische DNA von Deep Purple auf und hielt diese für immer fest. 

 

Die Plattenfirma hob die Originalbänder gut auf. Bis heute gibt es unzählige Ausgaben und Neuveröffentlichungen. Alle drei Konzerte sind ebenfalls als Alben zu erwerben. Man kann sie in Ruhe durchhören und die wirklich gute Klangqualität genießen. Mit allen zu den jeweiligen Abenden gehörigen Zugaben sind diese in den verschiedensten Medien verfügbar. 

 

Mittlerweile gibt es wohl kein anderes Konzert-Event aus jener Zeit welches dermaßen gut komplett erhalten ist. Unglaublich und für immer ein beeindruckendes Gesamtwerk einer tollen und progressiven Band auf dem Gipfel ihre Kunst. Das Album wurde in Japan mit einem Bühnenbild von oben veröffentlicht. Die in Gold gefasste Fassung für den Rest der Welt jedoch würdigt das Geschehene zur Gänze. Im Land der aufgehenden Sonne setzte sich die Band ein immerwährendes Denkmal. 

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