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BURN - Deep Purple

Der Durchstarter mit neuer Besetzung

Der Gillan/Blackmore-Konkurrenz-Motor war ausgebrannt und zerstört. Richie entsorgte Ian und auch Roger Glover (dezent wie immer übers Management). Mit mehr oder weniger Unterstützung der anderen drei Bandmitglieder wurden David Coverdale und Glenn Hughes rekrutiert. Es sollte fortan zweistimmig bei Deep Purple gesungen werden. David sollte die erste Stimme singen und Glenn, neben dem Bassspiel, die Zweite.

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BURN war die erste Platte der neuen MK III Besetzung und sollte der Neustart einer Legende werden. Ritchie explodiert förmlich auf dem Album und Jon Lord begleitet. In Montreux (Schweiz) im November `73 aufgenommen wurde das Album im Februar `74 veröffentlicht.

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Mit dem Titelsong war gleich der Startsong ein Meilenstein der Band. Von der ersten Minute reißt einem das Teil brutal mit. Ohne Kompromisse gibt die Band hier Gas. Ritchie spielt hier wahnsinnig gut. Zusammen mit Jon‘s Orgel ein Oberhammer und als Live-Einstieg prädestiniert. 

 

Auch das nächst Stück fügt sich nahtlos an. “Might Just Take Your Life“ setzt mit seiner Orgelprägung das Gesamtbild der Band in Tradition fort. Etwas schwerfällig zwar, jedoch in der Umsetzung - gerade beim Gesang - ein toller Song. 

 

Als nächstes reißt "Lay Down, Stay Down" sofort mit. Hier kommt der zweistimmige Gesang echt gut rüber. Die Nummer lässt dem Hörer kaum Zeit alles zu erfassen. Über der Piano-Passage hören sich die Gesangspassagen echt cool an. Total frisch und unverbraucht. Ein wirklich hübscher Song.

 

Mit "Sail Away" geht die erste Seite recht funky zu Ende. Hier hört man den Einfluss der Herren Coverdale und Huhges deutlich heraus. Würde man das Teil auch nicht als Purple-Standard bezeichnen wollen, so ist doch druckvoll vorgetragen und dem gehoben Anspruch der Band an sich und den Fans angemessen. 

 

 

Ein weiterer Klassiker gelang mitten im Album nochmals mit “You Fool No One“. Mit diesem Song startet die zweite Albumseite. Der Titel ist im Rhythmus unverwechselbar und besitzt mit Sicherheit eine Band-DNA. Herr Paice legt hier den Grundstein für spätere Drum-Action auf der Bühne. Schon im Studio hört man die schiere Power des Teils. Neben "Burn" blieb auch dieser Song bis zum Split der Band im Live-Set.

 

"What's Goin' On Here" ist da schon wieder anders. Im Rhythmus deutlich alltagstauglicher hört man jedoch ein wirklich schicken kleinen Rocktitel. Überhaupt nicht fade und bis zum Ende mit einer einprägsamen Melodie versehen. Keine Minute zu lang und immer spritzig. 

 

Der absolute Oberknaller aber war das Meisterstück "Mistreated". Hier ist etwas richtig Großes zwischen den schwarzen Rillen gefangen. Hier rollt der Blues in voller Härte bis ein wahrer Orkan aus den Fingern des Meisters ausbricht. Über sieben Minuten, angefüllt mit wahnsinnig viel Gefühl und Power. David Coverdale schmachtet gottgleich, man hört ihn leiden - einfach einsame Spitze. Über allem erhebt sich die Gitarre vom vornehmlich schwarz gekleideten Hexer. 

 

Was für ein Monument. Es überdauert scheinbar alle Zeiten. Von diesem Song gab es sehr viele Versionen (mit Deep Purple, Rainbow, Dio oder bei Whitesnake) aber diese hier ist die wohl am besten gelungenste überhaupt. Live mit Blackmore war es aber immer eine Offenbarung, egal mit welchen Musikern er zusammenspielte.

 

Ein fast schon harmloses Instrumental schließt dann das Album. Fast schon zu zahm erlaubt "A" 200" dem Hörer Abschied zu nehmen. Filigran entlässt uns die Band und die Nadel des Plattenspielers knackt leise in der Auffangrille. 

 

Immer wieder beeindruckt noch heute das Zusammenspiel der Band. Die hier noch kleine Priese Funk war gerade noch Purple-tauglich und durchaus noch im vertretbarem Rahmen. Sie schuf Abwechslung in einem sehr guten Album.

 

Was bleibt ist die Tatsache, dass David Coverdale’s Stimme hier richtig gut klang und auch der Gesang von Hughes ergänzend hervorragend dazu passte. Das Album wurde auch weltweit erfolgreich und erreichte mehrere Nr. 1 Platzierungen. Ritchie war zufrieden und spielte mit der Band noch mehrere sehr gute Konzerte. Der Man in Black war seinen Widersacher Gillan endlich los und sah in eine Zukunft ohne Kampf und Zank. 

 

Leider kam neuer bandinterner Ärger hinzu. Vor allem David und Glenn orientierten sich immer mehr hin zum Funk und schnieften tonnenweise Drogen. Alkohol war als ‘konstruktive’ Inspirationsquelle ganz sicher in der Band präsent, jedoch mit harten Drogen fehlten gänzlich die Erfahrungen. Schon ein Jahr später war Ritchie nicht mehr ganz so begeistert. Aber das geht schon in Richtung des nächsten Albums.

Was die Bonustracks der CD-Version zum Jubiläum (30th Anniversary Edition) angeht, so kann man hier deutlich einen Kehraus-Effekt erkennen. Die Musik klingt breiter und moderner. Braucht man es unbedingt - ich denke nicht. Allein die damalige B-Seite (zur Singe "Might Just Take Your Life") "Coronarias Redig" ist eine Erwähnung wert.

Bildschirmfoto 2026-02-13 um 14.01_edite
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