LIVE IN LONDON - Deep Purple
Rick Emerson präsentiert die Band
Im Jahr 1974 war der Blackmore-Motor voll am Laufen. Die Band tourte mit ihrem Album Burn durch die Welt. 22 Auftritte nach dem Bühnenbrand in Ontario wurde hier die Band für ein Radiokonzert der BBC mitgeschnitten. Ausgestrahlt wurde das Konzert in Quadrophonie am 06. Juni 1974.

Die Band selbst präsentiert sich in guter Verfassung. Auch die Klangqualität ist dank der tollen Produktion sehr gut. Zu anfangs hört man noch den Einheizer.
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Unmittelbar danach setzt die Band mit dem seit "Speed King" bekannten Krach-Intro ein. Es hört sich gewaltig an und ist schnell wieder vorbei. Ritchie leitet in "Burn" ein. Der Titelsong passt zum Intro hervorragend und wird gewohnt gekonnt abgehandelt. Hier singt David Coverdale noch und geht nicht im Geschrei von Glenn unter. Der zweistimmige Gesang klingt richtig gut.
"Might Just Take Your Life" gibt es gleich den nächsten Song des Albums. Auch er wird passend zum Album wiedergegeben. Jon leitet dann noch "Lay Down, Stay Down" ein. Das macht er wie immer sehr feinfühlig. Der Song bricht los und endet dann später. Einer meiner Lieblinge war er eh nie. Allerdings muss man es Ritchie anerkennen. Sein Gitarrenspiel in der Mitte des Songs ist wirklich gut.
Stimmig wird es dann jedoch erst bei "Mistreated". Diesen Meilenstein live zu hören ist ein Erlebnis. Allein das Start-Riff ist bekannt wie kein anderes. Wenn der Meister sich dann durch Anfang gespielt hat wippt der Fuß mit. David Coverdale schmachtet und in keiner Minute wird es langweilig. Anschließend wird die Band präsentiert. 'Rick Emerson' (gemeint ist eine Mischung aus Rick Wakeman und Keith Emerson) stellt die Musiker vor. Jon Lord war gut drauf und geneigt zu scherzen!
Nun folgt mit kurzem Lazy-Intro "Smoke On The Water". Die Version dieser Besetzung finde ich nicht gelungen. David kann singen; darüber braucht man sich nicht streiten. Diesen Bruch zum Ende hin hat der Song jedoch nicht verdient.
Mit "You Fool No One" startet der Solo-Teil des Abends. Es beginnt Jon Lord. Der Song stammt ebenfalls vom promoten Album. Ritchie soliert hier im Mittelteil ordentlich und übergibt die Handlung kurzerhand an den Herrn Paice. Wie immer trifft Ian die Felle da wo er sie treffen sollte. Alles gut gespielt und in dieser Qualität unschlagbar. Nach guten 20 Minuten ist das Zauberwerk vorbei.
"Space Truckin‘" beginnt und innerhalb der nächsten halben Stunde hört man das Jam-Wunder der Band. Ausgiebig wird hier der Musik gefrönt und sich hingegeben. Was für Klänge hier den Gehörgang hinuntersausen! Jon zwingt seiner Hammond Töne ab, welche man aus einem Tasteninstrument nicht vermutet. Zum Ende zerschellt die Gitarre und die Aufnahme endet. Ritchie ist an diesem Abend gnädig und beschert dem armen Instrument erst in der letzten Minute den schnellen Gnadentod.
Entgegen dem Auftritt von Ontario stand hier die Bühne noch und es gab zwei Zugaben. "Going Down" und "Highway Star" als Rausschmeißer. Mir ist keine Aufnahme der beiden Songs von diesem Auftritt bekannt. Denkbar wäre, dass diese nicht mitgeschnitten wurden. Auf den mir bekannten Veröffentlichungen sind sie nicht enthalten.
Trotz dieses kleinen Mankos kann man jedoch von einem gelungenen Abend reden. Die wirklich gute Produktion der Aufnahmen schafft so eine gute Abbildung der Band in der Blütezeit dieser Besetzung. Das Bandleben funktioniert und die Band erfreut sich bester Gesundheit. Vom August an ging es wieder ins Studio. Ein neues Album sollte produziert werden. Während dieser Zeit dann änderte sich wieder alles. Doch das gehört zu einer späteren Story.


