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STORMBRINGER

Nicht das Beste im Purple-Katalog, aber beachtenswert

In den Musicland-Studios (München im August `74) wurde der Nachfolger von Burn eingespielt. Im November desselben Jahres lag es in den Auslagen der Geschäfte.

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Als konsequente Fortführung des letzten Albums der Band erwarteten die Fans ein wieder rockigeres Album. Hier jedoch waren schon Ansätze von Veränderungen zu hören, die nicht nur dem Herrn Blackmore im Nachhinein missfielen. Neben Funk und Soul kam interne Konflikte hinzu. Immer mehr drängte sich Glenn Hughes in den Vordergrund. Herr Coverdale war nicht mehr der alleinige Herrscher über das Mikrofon.

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Gleich beim ersten Song des Albums handelt es sich um den Titelsong. "Stormbringer" ist ein echter Purple-Song. Das Stück rockt fleißig vor sich hin. Nicht sonderlich schnell, jedoch mit einem schönen Gitarrenlauf versehen, vergeht die Zeit. 

 

Der nächste Titel deutet schon in die neue Richtung. "Love Don't Mean a Thing" groovt gewaltig. Das Unterfangen ist sicher nicht schlecht intoniert. Allerdings fragt man sich unweigerlich ist das noch Purple?

 

Bei "Holy Man" singt Glenn Hughes die Lead-Stimme. David hört man bestenfalls im Hintergrund. Was das sollte wussten vielleicht nicht mal die Mitglieder der Band. Der Song selbst ist keine Ruhmestat.

 

Erst beim coolen "Hold On" wird man wieder an die Rockband erinnert. David singt fantastisch und der gesamte Song vibriert und pulsiert. Beide Vokalisten sind voll bei der Sache. Ein wirklich starkes Stück und für mich wohl eines der tollsten Stücke des ganzen Albums. 

 

Hat man die Scheibe gedreht beginnt die Rückseite gleich mit "Lady Double Dealer". Wieder ein wirklich toller Song. Hier beteiligt sich Ritchie und ist von Anfang an im Soundgefüge vertreten. Ebenfalls immer eine Hörempfehlung wert und ganz sicher ein würdiger Bandtitel. 

 

"You Can't Do It Right (With the One You Love)" ist im Grunde kein schlechter Song. Er groovt an jedem Ende. Das schadet dem Gesamtwerk jedoch nicht wirklich. Der wirklich starke Rhythmus ist vom Beginn bis zum Ende treibend und mitreißend. 

 

Mit "High Ball Shooter" hören wir wieder eine richtig tolle Rocknummer. Nach dem Song davor eine echt tolle Ergänzung. Die viereinhalb Minuten sind nicht eine Sekunde langweilig. Eine wirklich coole Shuffle-Nummer mit klassischen Purple-Passagen an der Orgel und der Gitarre. 

 

"The Gypsy" ist seicht und nicht unbedingt gelungen. In der Grundmelodie zu einfach gestrickt greift das Teil emotional überhaupt nicht. Der Hörer hat bisweilen den Eindruck, dass sich das ganze ewig hin zieht, sich zäh gestaltet. Auch wenn die Bass-Line gut ist enttäuscht das Lied.

 

Hatte Glenn seinen Solo-Gesang so brauchte David natürlich auch seine Solovariante mit dem Titel "Soldier Of Fortune". Als Abschluss des Albums verabschiedet sich die Band mit einer kleinen Ballade im typischen Blackmore-Gewandt. Wunderschön gesungen.

 

Wozu diese Teilung beim Gesang letztendlich gut war, wissen nur die Beteiligten. Sicher ging es hier nur darum den Herrn Hughes das zu geben, was er wollte; die erste Stimme der Band zu sein. David wurde seit seinem Beitritt zur Band zum Alfa-Mann hochgeschossen und der eigentlich als Bassist angestellte Glenn sah sich unterfordert und zu Unrecht in die zweite Reihe an den Bass abgestellt. Einigkeit sieht anders aus.

 

Ritchie konnte das ganze Unterfangen nicht aufhalten und steuern erst recht nicht mehr. Der Zug fuhr ohne die Kontrolle des Mannes in Schwarz in eine Richtung, die ihm so nicht geneigt war. Die Beteiligungen des Herrn Blackmore am Album sind entsprechend rar gesetzt. Das Feuer und die Begeisterung vom Vorgängeralbum waren bei ihm verschwunden.

 

Auch den Erfolg von vor einem Jahr konnte die Band mit diesem Album nicht toppen. Live ging es bald nicht mehr. Der Drogenkonsum von Herrn Coverdale und Hughes nahm gigantische Ausmaße an und der gute Ritchie zog sich in seine Ecke der Bühne zurück. Lediglich "Stormbringer", "Lady Double Dealer" und auch "The Gypsy" fanden Anschluss ans Live-Set. 

 

Ca. ein halbes Jahr nach Erscheinen des Albums war Ritchie weg und die Band startete nochmals durch mit Tommy Bolin. David Coverdale spielte sein "Soldier Of Fortune" noch ewig im Live-Programm seiner Nachfolgeband Whitesnake und bedient sich heute wieder bei dem Material der beiden Alben dieser Besetzung und dem Album der nächsten Bandbesetzung. 

 

Der Herr Blackmore kann sich bestimmt, in seiner unnachahmlichen Art, schon nicht mehr daran erinnern, überhaupt dabei gewesen zu sein bei den Aufnahmen zu STORMBRINGER. Viele der auf dem Album enthaltenen Songs werden noch heute oft vom Herrn Hughes zum Besten gegeben.

 

Für Purpler der ersten Stunde quasi gibt es eine Empfehlung. Ist es auch nicht gerade der absolute Dauerbrenner im Portfolio der Band, so ist dieses Album trotz allem schön zu hören und die Melodien gehen einem ins Herz. 

 

Was die Bonustitel der 2009 erschienenen 35th Anniversary Edition angeht, so gilt auch hier das gleiche wie schon bei Burn. Alles hört sich breiter und moderner an. Wird es dadurch besser, ich glaube nicht.

 

Einzig die Quadro-Abmischung (in 5.1) auf dem zweiten Rohling sind eine  Bemerkung wert. Diese Musikstücke hören sich echt cool an und sind in den unterschiedlichen Kanälen gut aufgeteilt.

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