LIVE IN PARIS 1975 - Deep Purple
Furioses Dokument - Deep Purple so gut wie selten
Das Zentrum der Band war Ritchie Blackmore gerade in der MK 3. Dieses zeigt auch dieses Konzert. Nur wenige Tage nach Graz erkennt man was mal war und nie wieder sein sollte.

Eine Band verabschiedete sich hier in einer Art und Weise, wie es sich für das Flaggschiff der Szene gehört. Sie war laut, improvisatorisch und spielte mit Herzblut und Laune. Wäre die Ankündigung des immer Mürrischen nicht im Backstage; man würde sich noch viele solcher Konzerte wünschen. Ritchie for ever!
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Schon beim Start brennt “Burn “die Bühne nieder. Alles ist gelöst und locker. Schon das Krach-Intro klingt aggressiv. Man glaubt es kaum - hier hört sich der zweistimmige Gesang der beiden Drogenkönige Coverdale und Huhges richtig an. Der Song wird brachial intoniert. Ritchie schießt seine Salven druckvoll in die Boxen. Power gibt es an jeder Ecke bis das Teil dann stöhnend mit viel dem Druck untergeht.
Genauso druckvoll geht es in die zweite Runde. "Stormbringer" bricht ebenso brachial los wie der Vorgänger. Er besitzt mehr Drive als die Version vom Album. Wieder hören wir eine Band, welche den großen Namen gerecht wird. Jon’s Orgel ist dominant und passt hervorragend zur Gitarre. Keine Sekunde gönnt man dem Publikum etwas Ruhe. Es passiert einfach immer was. Nicht zu unterschlagen wäre hier der Klasse Basslauf. Das fällt auch bei anderen Stücken auf.
Mit "The Gypsy" wird es ein wenig entspannter auf der Bühne. Die beiden Schneenasen sind gut bei der Sache. Sie klingen echt ganz gut und man kann das Ergebnis der beiden am Gesang Beteiligen als sehr gut bezeichnen. Wieder greift Ritchie in die Saiten und dominiert die Bühnenpräsens.
"Lady Double Dealer" ist das einzige Stück unter fünf Minuten. Wieder fegt die Band eventuelle Kritiker von der Bühne. Auf der Bühne ist die Hölle los. Augen zu und einfach genießen.
Es folgt mit Sicherheit ein Klassiker - in dieser Version erst recht. "Mistreated". Allein die einleitende Improvisation vom schwarzen Hexer ist der Hammer. So kennen und lieben wir Ritchie. Das passt bis zum Start des ersten Riffes. David singt hier wie ein junger Gott. Schwermut wandelt sich in Anmut.
Wie soll man das beschreiben? Ritchie hält in seinen Händen die Schönheit der Welt - wenn er will! Und hier wollte er - soviel steht fest. Zwischendurch klingt "Fools" noch kurz durch bist alles durchstartet.
"Smoke On The Water" ist sogar auch wieder zu erahnen, wenn es auch am Anfang schon etwas vom Mann in Black zerrissen wird. Hier herrscht Spielfreude pur. Nach "Lazy"-Anspiel knallt das Riff auf die Bretter die die Welt bedeuten. Hier zeigt sich die Einstellung des Gitarristen; ich will weg und ich bin froh darüber. Hier gibt es wieder den Hit zu hören und nicht etwas unwirkliches, einfach nicht wahres. Einzig das ständige Ausbrechen aus dem Song in einem neuen ist eher nicht so schön. Jedoch wie David durch Jon begleitet wird, das Freunde ist hohe Kunst!
So opulent wie der Super-Hit daher kommt folgt "You Fool No One". Wir kennen den Song von anderen Live-Events. Hier geben alle auf der Bühne Gas und lassen sich Raum. Allein die Einleitung von Jon ist klasse. Gespickt mit einigen Überraschungen und auch klassischen Einspritzern ist es einer der zahlreichen Höhepunkte der Show. Dann rückt Ritchie wieder in den Fokus. Er lässt es fließen und die Hammondorgel drückt knallig dagegen. Auch der gute Ian Paice hat hier unheimlich Druck auf den Trommelfellen. Er ist immer präsent und trommelt im Hintergrund echt stark. Später bedient er sein Instrument im Solo meisterlich. Nicht zu glauben wie gut das alles klingt.
"Space Truckin’" erwacht aus dem Dämmerschlaf und wird nicht wie in Graz dem Auditorium zum Frass vorgeworfen. Der Schreigesang ist es noch vorhanden, jedoch nicht so störend wie damals. Hier fügt er sich ein. Schafft eine neue Realität, eine neue Interpretation.
Alle Bandmitglieder sind im Soundbild vorhanden. Ritchie gibt sich mit Jon die so beliebten Duelle. David und Glenn fügen sich immer wieder ein und liefern Beiträge ab. Auch "Child In Time" kommt kurz zu Ehren. Alles spitzt sich zu, zielstrebig dem großen Finale entgegen. Wieder einmal hören wir einen famosen Jon.
Das Konzert ist zu Ende. In diesem Mitschnitt hört man noch die beiden Zugaben. Wieder wird improvisiert. So startete man dann "Going Down". Ritchie langt tüchtig hin und der Song startet voll durch. Man wird mit Druck überschüttet. Nichts davon wirkt überdosiert.
Der frühere Startsong ist nun der Rausschmeißer. Mit "Highway Star" verabschiedet sich die Band von den Fans. Noch einmal rauscht der Song über die Köpfe der Versammelten. Ein Gewitter quasi mit tüchtig Speed und der Allgewalt der Instrumente. Zum Ende hin quält Ritchie seine Gitarre und richtet dann ein Schlachtfeld auf der Bühne an. Wie vom Wahnsinn gejagt brodelt es bedrohlich. Das Inferno bricht sich von der Bühne aus mit gruselig schönen Tönen seinen Raum. Gespannt verfolgen die Zuschauer das Szenario. Benommen gehen die Fans nach Hause und freuen sich über die Anwesenheit bei diesem Ereignis.
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Alle Titel sind länger und hören sich druckvoller an als einige Tage zuvor in Graz. Ein Zeichen für das was hätte noch kommen können, wenn - ja wenn - der gute Ritchie nicht sein eigenes Ding machen wollte. Die Band musste ihn ziehen lassen und fiel durch den Test der nächsten Studioscheibe (zumindest, da man sich dort auch Deep Purple nannte).
In Paris allerdings waren sie wieder das was der Fan von ihnen erwartete. Eine hart rockende Band, die Vorbild und Ansporn künftiger Musiker waren und ganz sicher noch heute sind.
Hier auf dieser Aufnahme sind alle Akteure im Geiste verbunden und leisten sich keine Schwachpunkte. Ritchie und Jon sind wie ein Paar mit einander verbunden. Sie ergänzen sich und haben Spaß an dem was sie machen. Hier fließen Melodien. Sie kommen hier vom Gitarristen selbst und der Mann an der Orgel hält dagegen.
Was den Gesang angeht, so scheint sich der Herr Hughes an diesem Abend mehr auf das zu konzentrieren, was er soll; höllisch am Bass ziehen. Nicht dass er nicht singen könnte. The Voice of Rock himself beweist es später noch zu genüge.
David Coverdale kann hier singen und schreit nicht. Das wiederum überrascht nicht sonderlich. Schließlich wurde er genau deswegen in die Band geholt. Keine Frage hier ist alles besser als vor einigen Tagen noch.
In einem Ranking aller Livemitschnitte dieser Band, liegt dieser hier sehr weit oben. Intro für Intro ein Erlebnis, egal vor welchem Song es sich ereignet. Rund herum komplett das Beste Konzert der späten MK 3-Besetzung. Schade dass sich der gute Ritchie danach entfernte. Aber schließlich hatte er ja ein Date mit Ronnie James Dio. Wir wissen alle was daraus wurde. Und Deep Purple hörte auf zu existieren. Halt nicht ganz, jedoch ganz anders, wohl eher als Bolin/Coverdale/Hughes Projekt.


