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COME TASTE THE BAND - Deep Purple

Bolin/Coverdale/Hughes Projekt

Aus Fehlern wird man klug. So sollte es eigentlich sein. Von Marketingstrategen als Deep Purple verkauft, wurde hier etwas mit dem falschen Etikett versehen, was nicht schlecht war, sondern nur irgendwie nicht Purple.

Tommy Bolin war der neue Gitarrenhexer in einem Bandgefüge, was nicht mehr so recht das war, was es einst mal darstellte. Er sollte neues Blut einbringen, sollte Deep Purple auf eine neue Ebene heben. Hier jedoch hob er leider nur das Pensum an Nasenpulver und anderen belebenden Substanzen.

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Eines allerdings war er mit Sicherheit; ein wahnsinnig guter Instrumentalist, ein Virtuose, ein vielseitiger Musiker. Mit Sicherheit auch eine Bereicherung für alle in der Band - wenn man das so nennen konnte. Ja sie wollten weitermachen, aber ohne Ritchie entglitten die Züge nun endgültig. Es groovte an jeder Ecke. Funk war angesagt. Hughes hatte gewonnen und Bolin konnte alles. Als Jazzer war er schon mit vielen Lorbeeren ausgestattet. So zog man also los und fing an zu spielen.

 

Was rauskam wurde schlicht und einfach falsch betitelt. Richtig gute Musik allerdings mit der falschen Kappe versehen. Ein jeder erwartete Hardrock vom feinsten, jedoch war etwas anderes zwischen den Rillen verborgen. Eine Melange zwischen dem was aus Purple zurück blieb und dem was die Musiker jetzt so wollten. Das war kein Hardrock.

 

"Comin‘ Home" war eine bekennende Einladung sich ins das neue Soundgebäude zu begeben. Ein vitaler Song mit einem richtig tollem Grundrhythmus. Alles pulsiert und vibriert, ist in Bewegung. Schon die ersten guten Solos. 

 

Mit "Lady Luck" geht es in Richtung Funk. Schwerfällig jedoch beschwingt greift hier die Band zu den Instrumenten. David hört sich einfach nur gut an. 

 

Ähnlich verhält es sich mit "Gettin‘ Tighter". Wieder hört man einen eher gebremste Band. Im Mittelteil findet sich jedoch ein schöner kurzer Jam-Abschnitt. Alles ist schick auf die Ohren der Zuhörer zugeschnitten und nicht im geringsten langweilig. 

 

"Dealer" könnte man als gute Rocknummer bezeichnen. Sicher findet sich eine Prise Soul, jedoch passt es sehr schön ins Gesamtkonzept des Albums. Man kann sich sehr am harten Beitrag von Tommy erfreuen. Der Typ hatte es voll drauf. Auch Ian verdrosch im Hintergrund gewaltig seine Felle. 

 

Mit "I Need Love" nun kehrt der Funk zurück. Ist es schlimm? Ich denke nicht. Als Abschluss der ersten Albumseite geht der Song voll in Ordnung. Erstaunlich ist wie locker und leicht sich alles anhört. Geradezu spielerisch kommt das rüber. Gute-Laune-Musik wenn man so will. 

 

Hat man die Nadel auf der Rückseite positioniert hört man "Drifter". Im Grunde eine Rocknummer mit durchaus bühnenfähigen Steigungspotential. Die Veränderungen im Tempo geben hier genug Freiheiten. 

 

"Love Child" ist als Power-Ballade irgendwie nicht tauglich. John gibt sich reichlich Mühe und stattet das Stück mit wirklich tollen Orgelparts aus. Schade, denn ist das Stück vorbei, bleibt leider nichts mehr im Kopf hängen. 

 

Mit schöner Piano-Begleitung startet dann Glenn in "This Time Around". Er singt hier echt gut und das zuhören macht Spaß. Dann beginnt im Anschluss das Instrumental "Owid To ‘G". Behutsam greift es das Motto vom Titel davor auf und schmückt es aus. Wirklich gut und nicht überzogen. 

 

Das Album beschließt "You Keep On Moving". Wenn man so will einen Klassiker der Besetzung. Mir gefällt die Botschaft und vor allem der schleppende Rhythmus. Keine schlechte Nummer. Die ruhige Entfaltung des Songs ist wirklich schön. Man lässt sich Zeit und es schadet dem Stück nicht im geringsten. 

 

Hört man die remasterte Variante, so erkennt man anhand der neuen Abstimmung, welche Substanz hier vorhanden ist. Eine Vereinigung von erstklassigen Musikern. Einfach gute Musik ohne dem Druck von irgendwelchen Schubladendenkern. Wurde auch die Reihenfolge der einzelnen Stücke verändert, so offenbart sich jedoch die Schönheit des Albums zur Gänze.

 

Es empfiehlt sich trotz allem hier genau hinzuhören. Einfach die Augen schließen und dem Lauschen was sich die Herrn Lord, Bolin, Hughes, Coverdale und Paice so aus den Fingern spielen. Super Wohlfühl-Musik, perfekt zum entspannen, zum abgleiten in eine andere Welt. Klasse gespielt und fantastisch abgemischt. Der vielen negativen Kritiken überdrüssig flehe ich all jene an, sich hier ohne Vorurteile mal anzuhören, was hier so in die Mischpulte hineingepresst wurde.

 

Kein Purple-Stoff sondern einfach richtig gute Musik, abseits aller eingetretenen Wege. Wie auch immer man zu Deep Purple steht, für eines waren sie immer bekannt; sie erfanden sich immer wieder neu. Hier war es nicht anders. Schade ist aber, dass dieses nicht entscheidend gewürdigt wurde und immer noch nicht wird.

 

Auch ist der frühe Tod des Herrn Bolin ein großer Verlust für die Musikwelt. Die Drogen waren damals eine Art Katalysator für die Kreativität der Zeit. Nur sind sie auch schädlich für die Personen, welche sie konsumieren. Die Live-Aufnahmen der Pseudo-Purple sind ein noch heute zu kontrollierendes Indiz dafür.

 

Über alles stehen die beiden Zugaben der 35th Anniversary Edition. "Same In LA" und vor allem der "Bolin-Paice-Jam" sind bekennende Beispiele für die Qualität der Musiker. Für immer ist hier festgehalten was hier eingespielt wurde; Qualität pur - nur nicht mehr 100 Prozent Deep Purple.

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