top of page

THIS TIME AROUND LIVE IN TOKYO - Deep Purple

Ein Mitschnitt welchen es so nicht hätte geben sollen

War das Studio-Album voller Überraschungen, so überraschte die Live-Tour zum Album nicht nur das Publikum, sondern vor allem die Mitglieder der Band. Deep Purple standen da schon längst nicht mehr auf den Brettern die die Welt bedeuten. Was dort versuchte den Eindruck von Einheit und Geschlossenheit zu erwecken, war längst zum Kampf der Urgewalten verkommen.

image.png

Hier meine ich nicht so sehr die musikalischen Qualitäten, vor allem aber auch die menschlichen Befindlichkeiten. Es ging vornehmlich darum neben dem Genuss von Drogen Geld zu verdienen. Ein im Anspruch sehr gutes Studioalbum verkam zur Perversion des Ganzen. Nicht genug damit, so verschandelte man auch noch alte Klassiker der Band, welche einst mal Deep Purple ausmachten. Eine Tragödie höchstem Ausmaßes. Es gibt Fotos von einem erschöpften Jon Lord. Verzweifelt über das was er auf der Bühne erlebte beugt er sich vorn über.

​

Drei Mitglieder der Band steckten den Kopf ins berauschende Pulver. So litt die Musik und einer blieb dabei auf der Strecke. Hier rede ich vom bedauernswerten Tommy Bolin. Ihm war es nicht möglich ordentlich Gitarre zu spielen, weil ein Drogenschuss in seinem linken Arm quasi lahm legte. Eine Schande für diesen Virtuosen. Hinzu kam, dass ihm die Rolle des aushelfenden Gitarristen nicht lag. Tommy wollte nicht einfach die Hits der Band nachspielen. Ihm waren Songs vom Album COME TAST THE BAND schlechtweg lieber. Die Band huldigte ihrem neuen Gitarristen sogar mit einer Interpretation seiner Eigenkonstruktion “Wild Dogs“. All das war eigentlich für die berühmte Katz.

 

Schon beim Start des Abends war er bei "Burn" nur schwerlich zu verstehen. Im Grunde hielt Jon den Rhythmus. Tommy ist im Mitschnitt nur spontan zu hören. Bei "Lady Luck" ist es ähnlich. Seine Beträge sind spärlich vorhanden. Selbst die Versuche seine Solos im Song zu bringen misslingen. Nach drei Minuten ist der Song zu ende.

 

Als Nächstes gibt die Band "Love Child" zum Besten. Jon gibt sich mühe, rettet den Song so. 

 

"Gettin' Tighter" lebt ein wenig vom Gesang. Wieder rettet Jon Lord das Unterfangen famos. Tommy strengt sich an. Er schafft auch kleine Melodien. 

 

 Auch bei "Smoke On The Water fallen Tommy's Beiträge äußerst gering aus. Ein wenig mehr wie das Grund-Riff ist nicht drin. John ist zur Stelle und hilft aus. 

 

Die einzige Eigenkonstruktion von Tommy Bolin wird auch von ihm gesungen. "Wild Dogs" ist durchaus zu erkennen und der Gitarrist gibt sich durchaus Mühe. Aber auch in dieser Fassung macht er nicht gerade positive Werbung für sein gerade frisch erschienenes Solo-Album TEASER. 

 

Auch "I Need Love" lebt hauptsächlich vom Gesang und geht am Ende mit Jon's Orgel in "Soldiers Of Fortune" über. Dieser Titel führt dann in das unvermeidliche und unverzichtbare Solo des Ausnahmekünstlers. Wunderschön gespielt und gute neun Minuten darf man dem Meistre zuhören.  

 

"Lazy" ist nicht wirklich eine Erwähnung wert. Allerdings erwacht hier Tommy aus seinem Koma. Man merkt jedoch wie er durch den beschädigten Arm behindert wird. Es geht richtig viel schief bis er durch das anständige Drum-Solo erlöst wird. 

 

Das Drama wird kurz unterbrochen von dem mit der Orgel und leichter Gitarre unterlegten "This Time Around". Wunderschöner Gesang geht in "Owed To G" über. 

 

So richtig gut war Tommy zu keiner der auf der Aufnahme enthaltenen Minuten. Der Gipfel des drogenverseuchten Unglücks spiegelte sich also in dem geradezu lausigen Gitarrensolo wieder. Hier gelang ihm fast nichts. Gezwungen von seiner Unpässlichkeit zog er die Töne seiner Gitarre nur mittels elektrischer Hilfsmittel auseinander. Dann setzt er diese neu zusammen und legte neue einfache nach. So etwas hatte er nicht nötig. Wirklich schlimm war dieser Umstand auch, weil er schon bewiesen hatte, was er wirklich hätte leisten können.

 

"Drifter" hingegen klingt ganz gut. Tommy's Unvermögen kommt hier nicht so stark zu tragen. Auch "You Keep On Mouving" verpufft.

 

Um dem Grausen letztendlich ein Ende zu bereiten höre man sich nur mal die beiden letzten Stücke des Auftrittes an. “Strombringer“ geht ja noch; und trotzdem ist von dem Stück selbst nicht mehr viel zu hören. Es lebt im allgemeinen von der Gitarre. Diese schrammelt jedoch nur vor sich hin. Es klimpert und grummelt, aber richtig los will es nicht gehen. Einzig der Herr Lord befleißigt sich. Bei “Highway Star“ ist es genauso.

 

Einzig die Leistungen des Herrn Lord und die vom Superdrummer Ian Paice sind im Grunde hervorzuheben. Ohne die Beiden wäre das Versagen des geschwächten Bolin noch prägnanter ausgefallen. Gerade Jon Lord rettete mit klassischen Passagen im Solo das Niveau der Veranstaltung. Auch der gute Ian tat sein Möglichstes indem er ein souveränes Solo trommelte.

 

Dann noch das haltlose Geschrei der beiden Frontprotagonisten. Ich werde es nie ertragen wie sich damals immer wieder Glenn Hughes darüber beschwerte, dass man Coverdale den Part des Sänger gegeben hatte. Mit der immer wieder im Hintergrund geschrieenen Zweitstimme wurden die Titel nicht besser, sondern verloren eher deutlich. Dann dieses sinnlose Zertrennen von “Smoke On The Water“. Eine wahrhaftige Sünde im Sinne des Herrn. Was sollte das? Ging es wieder einmal darum das temporäre Unvermögen des Gitarristen zu umgehen? Wir werden es nicht mehr erfahren.

 

Am Ende bleibt vom Abend des 15. Dezembers 1975 nur die Gewissheit, dass so auch das Projekt Bolin/Coverdale/Hughes nicht funktioniert. Als Deep Purple konnte man das nicht bezeichnen. Später geben ja auch alle Beteiligten zu, dass das was dort auf der Bühne stand dem großen Namen längst nicht mehr gewachsen war.

 

Dieses Konzert ist das zeitlich längste vollständig erhaltene Konzert in dieser guten Qualität und der beschriebenen Besetzung. Im Geiste alter romantisch verklärter Geschichtsschreibung war es ja nun wieder auch nicht so schlecht. Für jeden Purple-Fan eine Bereicherung - das ist es ganz sicher.

Bildschirmfoto 2026-02-16 um 11.18_edite
Bildschirmfoto 2026-02-16 um 11.18_edite
bottom of page