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ON THE WINGS OF A RUSSIAN FOXBAT - Deep Purple

Das Projekt war gescheitert

Die Band war nach dem Drogen-Desaster aus Japan zurück und tourte seit dem 14. Januar 1976 durch die USA. So trat die Band am 26.01. in Springfield, Massachusetts, auf. Dieses Konzert wurde mitgeschnitten um dann in einer Radio-Sendung übertragen zu werden.

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Während der Arbeiten für die King Biscuit Flower Hour jedoch stellte es sich heraus, dass ein Störton auf den Verstärker von Tommy lag. Aus diesem Grunde wurde eine zweite Aufnahme angestrebt. Diese fand dann am 27.02.1976 in der Nähe von Los Angeles statt. Hier spielte die Band in der Long Beach Arena. Die Band selbst war eingespielt und Tommy hatte seine Verletzung aus Japan auskuriert.

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Mit "Burn" begann der Abend. Das Standardwerk zündet gut durch. Fehlt auch etwas von der kompromisslosen Power eines Herrn Blackmore, so ist es dennoch druckvoll. Bolin merkt man seine Genesung hier schon an. Im Mittelteil ist sein Gitarrenspiel mit erfreulicher Tendenz wieder vorhanden. Er spielt den Song völlig anders - nicht jedoch schlechter. Vergleicht man die Version von Japan im Dezember des Jahres davor, so sind schon deutliche Veränderungen zu hören. 

 

Bei "Lady Luck" ist hier schon anders. Diesen Song kennt Tommy. Auch hier hört man den deutlich lebendigeren Gitarristen.

 

Mit dem dritten Song beginnt die Band erst richtig aufzuspielen. Zu Beginn gibt Glenn Hughes ein kurzes Intro. "Gettin' Tighter" entwickelt sich dann jedoch zur guten Live-Nummer. Endlich hört man Tommy spielen! Zu wenig Livemusik gibt es von ihm und dieser Band. Es funkt sicher, jedoch alles ist cool arrangiert. Der Titel wird auch deutlich durch den Hammer-Bass von Glenn Hughes mit getragen. Über die ganze Laufzeit wird der Titel nicht langweilig. Tommy wird durch die Band und das Zusammenspiel mit ihr deutlich gepuscht. Das Mittelteil macht deutlich Spaß bei der Band selbst wie auch beim Hörer. 

 

Mit "Love Child" kehrt wieder Tristesse ein. Routiniert spielt man den Song runter und streckt ihn auf gut fünf Minuten. Jon Lord gibt sich an den Tasteninstrumenten große Mühe, aber ein Meisterstück ist dieser Song nun mal nicht. 

Es folgt das fürchterlich zerpflückte "Smoke On The Water". Ich werde wohl nie so recht nachverfolgen können, warum diesen Song so zerstört wurde. Hier spielt Tommy den Song wirklich nicht schlecht. Anders als sonst gewohnt jedoch um Welten besser als im Dezember. 

 

Mit "Lazy" folgt wiederum ein Vertrauter auf die Bühnenoberfläche. Gleich am Anfang setzte der nie enttäuscht wirkende Jon seine Orgel (auch Synthesizer) unter Strom. Geradezu klassisch lässt er nach guten fünf Minuten das Stück starten. Im Gegensatz zu Ritchie spielt Tommy hier komplett anders. Nicht so feinfühlig wie in den Besetzungen davor. Alles Geschmacksache - im Grunde finde ich diese Interpretation recht überraschend und auch erfrischend. 

 

Nach dem guten und vielleicht ein wenig lustlosen Drum-Solo des Herrn Paice beginnt dann "Homeward Strut". Ein reiner Bolin-Instrumental-Titel. Die erste Session hierzu gab es auf den Aufnahmeproben mit Alphonse Mouzon zu dessen Album Mind Transplant im Jahre 1974. Auf der Album-Rückseite der ersten Veröffentlichung wurde schlicht der falsche Titel ("The Grind") angegeben. Bolin spielt mit schöner Orgelbegleitung echt gut. Auch das immer wieder auffrischende Bassspiel ist cool. 

 

Mit der Ankündigung von "This Time Around" ist der ungeübte Purpler erschrocken. Glenn Hughes erzählt was von seiner Freundschaft zu Steve Wonder. Wer es bis jetzt nicht mitbekommen hatte konnte die neuen Deep Purple in Worten deuten. Glenn singt nicht lang und dann folgt schon das eigentliche Instrumental "Owed to 'G'". 

 

Dann bricht sich Tommy‘s Gitarre Raum auf der Bühne. Reichlich mit elektronischen Effekten versehen, zeigt hier jedoch, dass er sehr wohl gut spielen kann. Unterstellt man ihm hier Freude, so ist das Spiel schon eher einem Musiker von Weltklasse zuzuordnen. Man merkt deutlich, dass er besseres verdient hatte als die Konserve aus Tokyo im Dezember des Jahres davor. Einzig diese Pausen zwischen den Spielpassagen sind gewöhnungsbedürftig. Vielleicht war der Arm ja immer noch geschädigt und er brauchte Pausen?

 

Mit "Stormbringer" geht es in die finale Phase. Nach gut zehn Minuten ist es beendet. Auch hier wieder spielt Tommy ganz anders als es Ritchie getan hätte. Man hört jedoch wie gut er auch hart Sachen spielen konnte. 

 

Mit "Highway Star" endet die Aufnahme. Die Band füllte auch mit diesem Song acht Minuten aus. Nicht eine davon ist langweilig. Ein gut gelungener Abschluss des Mitschnittes. 

 

Im Allgemeinen muss man diesem Auftritt eine gute Endbewertung geben. Die Show ist für die Herren Hughes und Bolin sicher besser gelungen als damals in Japan. Was immer noch nervt ist dieser an sich nicht gelungene zweistimmige Gesang. Wieder schreien die beiden Vokal-Artisten um die Wette. Hier jedoch stört das nicht ganz so stark, da die musikalischen Leistungen der anderen im Durchschnitt besser waren. 

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Wie immer erntet Jon Lord für seine Leistung höchste Bewertungen. Ich kenne kaum schlechte Tonkonserven von diesem versierten und breit orientierten Musiker. Jon ist für mich eine Ikone und aus diesem Grunde bin ich sicher nicht immer ganz frei von persönlichen Superlativen zu seiner Person.

 

Stellt man dieses Konzert zu guten Auftritten der Besetzung davor oder gar der Gillan-Epoche in Relation, so schafft es leider nicht die volle Punktzahl. Das immer wieder neue Zerfallen in langsamere Passagen nervt gewaltig. Einfach auch die alten Titel durchspielen; das würde ich mir persönlich sehr wünschen. Leider passiert das nicht.

 

Immer während hört man die alte Mähr man wollte Tommy das alte Material nicht zumuten. Vielleicht war es wirklich so? Im Grunde hatte er einen solchen Blödsinn nicht nötig. Bolin hatte wirklich alles drauf und konnte sicher auch alles spielen. Die Drogen und die an sich schon zerfallene Band verhinderte hier wohl eine geschlossenere Song-Leistung aller Beteiligten. Vielleicht waren es auch die unterschiedlichen Egos der Mitglieder, oder deren Vorstellungen von guter Musik. 

 

Am 15. März 1976 stand diese Besetzung das letzte Mal in Liverpool auf der Bühne. Dann war Schluss mit Deep Purple und ein jeder ging seine eigenen Wege. PAL und Whitesnake lassen Grüßen. Tommy traf achteinhalb Monate später am 04. Dezember 76 nach einem Solo-Konzert den Sensenmann. Mit 25 Jahren verließ er für immer die Bühne und übt im Himmel mit denen, welche dasselbe Schicksal teilten. Ob Jon Lord ihn trifft und sie zusammen jammen?

 

Das Konzert wurde in wirklich sehr guter Qualität mitgeschnitten. Meines Wissen wurde es jedoch nicht gesendet. Die Aufnahmen verschwanden. 1995 nun wurde es digital bearbeitet und mit verschiedensten Album-Versionen mehrfach wieder veröffentlicht. Die Aufnahmen sind wirklich gut, auch wenn das Konzert doch etwas zu kurz von der Zeit her war. 

 

Nur gute eineinhalb Stunden sind zu hören. Damit die vollen zwei Stunden Live gefüllt wurden, packte man noch drei Songs der Auftrittes von Springfield obendrauf. Neben "Smoke On The Water" und "Highway Star" findet sich auch "Going Down". Wieder eine hervorragende Tonkonserve. Wie schon zu anfangs vermerkt war dieses Konzert wohl um einiges besser als die hier beschriebene Leistung. Wenn das Konzert von Springfield in einer aufbereiteten Fassung auf den Markt käme, dann wäre es sofort mein Eigen. 

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