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SPRINGFIELD 1976 - Deep Purple

Ein Mitschnitt für Kenner

Die Tour zum aktuellen Album war nicht das was man sich vorgestellt hatte. COMES TAST THE BAND war eine Aufforderung genau das zu tun. Schon die ersten Auftritte waren eine Katastrophe. Das zeigte sich in Jakarta als der Sicherheit-Mann Patsy Collins tragisch ums Leben kam. Glenn und ein weiteres Teammitglied wurden verhaftet und zu den Auftritten frei gelassen. Es kam zu blutigen Tumulten vor der Bühne durch das Militär. Tausende Probleme mit dem Regime dort verzögerten den Abflug und eine angemessene Bezahlung.

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In Japan wurde die Band dann auch noch live festgehalten, als Tommy seinen linken Arm nicht richtig bewegen konnte. Ein Drogenschuss ging gehörig schief. So wurde diese in sich erschütterte Band dann auf Betreiben der Plattenfirma auch noch für die Ewigkeit festgehalten.

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Das Jahr 1976 sollte nun besser beginnen. Die Band tourte im Heimatland von Tommy. Diese begann am 14. Januar in Fort Bragg und und endete am 04. März in Denver. Bolin hatte sich nach dem Zwischenfall in Japan wieder gut erholt. Gute Laune wurde bei ihm vorausgesetzt. 

 

Fürs Radio wollte man einen kompletten Mitschnitt einer Live-Show erstellen. Man entschloss sich hierzu den Abend im Civic Center in Springfield aufzunehmen. Es gab jedoch Probleme mit der Technik. Tommy hatte ein Brummen auf seinen Verstärkern und zum Beginn des Abends waren nicht alle Bandmitglieder zu hören. So wurde zu einem zweiten Abend die Aufnahmetechnik aufgebaut. In der Long Beach Arena am 27. Februar konnte ein komplettes Konzert mitgeschnitten werden. Dieses erschien später unter dem Titel ON THE WINGS OF A RUSSIAN FOXBAT. Drei Songs aus Springfield gab es als Zugabe auf diesem Album. Das komplette Konzert jedoch blieb der Öffentlichkeit verborgen. 

 

Dieses Konzert in Springfield verschwand in der Schublade und wurde erst viele Jahre später wieder ausgegraben. 2022 brachte das Material dann das japanische Label Darker Than Blue vollständig heraus. Ein Jahr später wurde die Aufzeichnung vom Label Leftfield Media nochmals aufgegriffen und für den europäischen Markt greifbar gemacht. Der Sound beider Veröffentlichungen ist für ein Bootleg wirklich gut. 

Nach dem üblichen Intro steigt die Band mit "Burn" ein. Die einstige Härte des Songs ist verschwunden. Schon zu Beginn des Konzertes werden die Tonprobleme deutlich. Im Grunde hört man David Coverdale nur im Hintergrund. Glenn Hughes hingegen dringt fett aus den Boxen. Jon’s Orgel ist dominant und Tommy genügt sich in der Begleitung. Erst in der zweiten Hälfte gibt er ein Zeugnis seiner Kunst ab. Nicht so präzise wie einst Blackmore, jedoch ganz ordentlich. 

 

Funkig geht es in die nächste Runde. "Lady Luck" ist ein Produkt an dem Tommy beteiligt war. Er sollte also mehr Spaß haben. Das spürt man jedoch nicht. Der Song wird im Grunde schnell durch die Verstärker geleitet. 

 

Bei "Love Child" wird der neue Gitarristen auch explizit erwähnt. Er ist auch konsequent auf der Bühne zu hören. Bis Jon auf seine Tasten drückt. Wieder einmal war es an ihm die Bühnenpräsenz auf sich zu ziehen. Er gibt dem Song einen irren Drive. 

 

Erst bei "Gettin' Tighter" hört man den nicht mehr so neuen Gitarrenbediener in einer längeren Fassung. 17 Minuten darf man den Tönen folgen. Tommy brennt hier echt die Halle ab. Man merkt ihm an, dass er wieder in Ordnung ist. Zusammen mit Glenn Hughes sorgt er durchaus für Unterhaltung. Tommys Spiel ist wirklich gut und beweist die Richtigkeit seine Besetzung in dieser Band. Auch das Solo vom Bassisten ist einfach stark. Dank der Beteiligung der anderen Musiker auf der Bühne entsteht hier ein tolles Stück. Mittlerweile sind auch alle Stimmen im Portfolio vertreten. Überhaupt nicht langweilig das Ganze. 

 

Der wirklich große Klassiker der Band jedoch geht vor die Hunde. Einst als simple Beschreibung einer komplizierten Situation gedacht wurde "Smoke On The Water" ein Welthit. Mit dem absurden Riss in der Mitte des Songs richtet die Band das Teil quasi im Alleingang. Was "Georgia on my Mind" damit zu tun hat werde ich wohl nie verstehen. Schon zu Zeiten des schwarzen Griesgram war es schon grausam sich durch das Teil zu hören. Mit Tommy an der Gitarre jedoch erleiden noch mit Blackmore geglückte Aspekt den endgültigen Absturz. 

 

Jon Lord reißt die Band anschließend mit einem kurzen Solo aus dem Tief. Das hält jedoch nicht lang. "Lazy" mit Ritchie immer ein Erlebnis. Hier bleibt diesem einfach anmutenden und starken Blues-Song nur die Bindefunktion zwischen dem Keyboarder und dem Drummer. Beide Instrumentalisten bieten eine wirklich gute Leistung. Ian trommelt wie gewohnt fleißig und lässt sich eventuellen Unmut nicht anmerken. Der kurze Verweis auf Tommys Solo-Stück "Homeward Strut" rettet das Unterfangen nur unwesentlich. Den Hinweis auf sein fast gleichzeitig erschienenes Solo-Werk TEASER versprach ihm einst die Band als Dankeschön für seinen Eintritt in die Band. In Japan noch spielte die Band an dieser Stelle noch "Wild Dogs". 

 

Nach der Wiedergabe des Bolin-Solo-Stückes geht es mit "This Time Around" und "Owed to "G" weiter. Beide Titel stammen von der zu promotenden LP. Beide Stücke werden auf die doppelte Länge gestreckt. Rechnet man noch das Gitarren-Solo hinzu verdreifacht sich Spielzeit.

 

Zusammen mit Jon gelingt dem angestrengt singenden Glenn ein cooler Einstieg in diesen Song. Tommy sprenkelt mit seiner Gitarre hübsche Töne dazwischen. Dann bricht der schwerfällige Teil an. Hier hört man gut wie toll der neue Gitarrist an den Saiten ziehen kann. Es macht durchaus Spaß das mitzuverfolgen. 

 

Tommy zieht beim Übergang zum Solo wieder die Klänge seines Instrumentes elektrisch auseinander. Das wirkt ein wenig seltsam, könnte er doch mehr frei aus der Hand musizieren. Doch das kommt noch. Er lässt sich jedoch Zeit damit. Ein wenig Zuviel wie ich finde. Gefühlt dauert es ewig bis er genug Power geladen hat und mit "Owed to "G" explodiert. 

 

Wenn man Tommy hier sein volles Potential unterstellt, so würde ich ihm eher weniger Einsatzbreitschaft unterstellen. Ich glaube er wäre zu diesem Zeitpunkt sicher zu größerem fähig. Er ist bei seinem alleinigen Auftritt deutlich agiler als in Japan. Betrachtet man nur die Länge dieses Abschnitts erkennt man schon daran eine aufwendiger gestaltete Variante. Oberflächlich betrachtet ging es der Band wieder besser als im Dezember. 

 

Tommy wollte man das alte Zeug nicht so oft anbieten. Das hatte man ihm wohl vom Management versprochen. So drückte die Band "Drifter" nach. Routiniert wird es über die Bühne gerollt. 

 

Mit dem guten alten "Stormbringer" endet das Standard-Programm. Gemeinsam grölt man sich durch den Titel. Das Ende ist nah; und die reinigende Kraft der Elemente startet durch um wieder Platz fürs Neue zu schaffen. Tommy schafft es zusammen mit Jon. Sie verleihen dem Unwetter eine ansprechende Form. Krachend endet der Abend. 

 

Die Durstigen am anderen Ende der Bühne fordern natürlich eine Zugabe. Hier ist es auch so. "Going Down" befindet sich schon seit Blackmore zu Beginn des letzten Abschnitts. Tommy hat mit dem älteren Songs Probleme. Nicht fachlich, denn hierbei ist er seinem Vorgänger mindestens ebenbürtig. Bolin jedenfalls gibt sich Mühe. Das muss man ihm auch beim nächsten Stück attestieren.

 

Wie auch immer es sich verhielt. Mit "Highway Star" stürzt der Abend dann seinem Ende entgegen. Will man das Stück wirklich mit Gillan‘s Gesang und jener Bandzusammensetzung vergleichen? Besser man unterzieht sich nicht ernsthaft dieser Tortur.

 

Wie ich einst schon schrieb sahen die Anwesenden keine Hard-Rock-Band der Extraklasse. Sie sahen das was übrig blieb. Davon jedoch bot sich ihnen ein toll aufgelegter Bolin. Er gab viel mehr als einst geschwächt in Japan. Ja der Typ hatte echt Feuer im Arm. An diesem Abend konnte man erahnen wie toll er war. 

Später bei seinem nächsten Solo-Werk - PRIVATES EYES - war er wieder voll bei der Sache. Er bewies das noch bis zu seinem traurigen und viel zu frühen Tod am 04.12.1976.

 

Die Band bereiste nach den USA Europa. In England kam es zum endgültigen Fiasko. Die Fans akzeptierten Tommy nicht. Alle Mitglieder waren genervt vom ständigen Auf und Ab. Bolin selbst und auch der Umgang mit Drogen ließen das Unterfangen untergehen. Am 15. März 1976 gab diese Formation ihr letztes Konzert in Liverpool. 

 

Der Wert dieser Aufnahme besteht im langen Abstand der Aufnahme und dem Veröffentlichungstermin. Bedenkt man die über weite Strecken doch gute Aufnahmequalität so gewinnt er hier deutlich an Bedeutung. Schließlich galt dieser Mitschnitt als verschollen. Romantisch verklärt kann man hier hinhören und die eine oder andere Ruhmestat im Nachhinein heraushören. 

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