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CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA - Deep Purple

Die Uraufführung von Jon’s erstem Werk

Das letzte Konzert der Band fand drei Tage vor der Premiere des Concerto in Redcar in England statt. Die Band befand sich in einer progressiven Phase hin zu dem was fortan Hard Rock genannt werden wird. Umbruch wo man nun hinsieht. Ritchie genoss die neue Freiheit und die Band an sich blühte sichtbar auf.

Jon Lord hingegen setzte seine Vision konsequent um. Ihm ging es um die Verknüpfung von Rockmusik mit Klassik. Mit 28 Jahren stand er vor der Uraufführung seiner ersten Sinfonie. Er strebte nicht eine einfache Intonierung von Rockmusik mit Orchester an, sondern wollte ernste Musik erschaffen, in welcher ein Rock-Instrumentierung mit einem klassischen Klangkörper im Einklang gebracht wird.

 

Erste Versuche gab es im Vorfeld schon mit Titeln wie "The Shild" und "April". Auf Venyl verewigt noch mit der Bandbesetzung davor. Diese Bandzusammensetzung gab es nicht mehr. Jon stritt immer eine Führungsrolle bei der Mark I ab. Es trifft jedoch zu, dass die Band und die musikalischen Ziele zunehmend von anderen Personen gesteuert wurde. Ritchie und mit ihm alle anderen Mitglieder wurden musikalisch immer härter.

 

Dass es dann zu dieser Premiere kam gleicht unter diesen Umständen fast einem Wunder. Jon's nächtelange Arbeit durfte unter dem Namen der Band endlich öffentlich bekannt werden. Ein Event, welches für Aufsehen sorgen würde; das war auch dem Management der Band klar.

 

Mit Malcolm Arnold und dem Royal Philhamonic Orchestra stand ein verlässlicher Partner bereit. Oftmals liest man, dass die Musiker des Orchesters selbst nicht begeistert waren von der Vereinigung von ernster Musik mit Rockmusik. Spätestens der Erfolg der Sache selbst und die weltweite Beachtung des Konzertes werden auch diese Musikschaffenden letzendes umgestimmt haben.

 

Drei Tage nach dem letzen Rock-Gig nun begab man sich unter die Leitung eines angesehenen Dirigenten und Komponisten in die Royal Albert Hall. Wieviel Übung die Band mit einem Orchester davor hatte ist nicht gut belegt. Viel Zeit blieb jedoch sicher nicht. Der Abend wurde zu einem Zeugnis für höchste Professionalität auf beiden Seiten der Musik-Genre.

 

Begonnen wurde mit einer Komposition von Malcolm Arnold. Als Opener fungierte die Sinfonie Nr. 6, Opus 95. Nur mit dem Orchester (ohne Band) ergab sich so die Gelegenheit den anwesenden Gästen einen Eindruck von klassischer Musik zu vermitteln. Schließlich saßen sicher nicht nur Klassik-Fans im Auditorium.

 

Das klassische Werk in drei Teilen passte hervorragend zum später präsentierten Werk von Jon. Spannend begann der 1. Satz. Unheilvoll und druckvoll marschierte das musikalische Werk hin um dann dramatisch in den zweiten Satz überzuführen.

 

Der zweite Satz nun wirkte viel heiterer, war jedoch nicht übermäßig mit flüssigen Melodien ausgestattet. Nach hinten hin kräftig und dann wieder flacher werdend endete dieser.

 

Im dritten und letzten Satz nun wurde es deutlich verspielter und positiver in der Grundstimmung. Nach gut 25 Minuten war das Werk beendet. Das Orchester hatte vorerst Pause.

 

Ohne lange Einleitung kam die Band zum Zuge. Deep Purple fing nach einer kurzen Ansage von Ian Gillan mit "Hush" an. Die Nummer wurde leicht gespielt und eher kurz ans Publikum abgegeben.

 

"Wring That Neck" hingegen gilt als Speed-Nummer. Hier jedoch wurde der Speed nicht bis ins Letzte inszeniert, sondern mächtig kontrolliert. Man merkt im Gitarren-Part jedoch Ritchie's Drang nach harten Riffen. Der brannte für harte Sachen und hatte auf das Concerto nicht wirklich Bock. Ian Paice sah es ähnlich.

 

"Child in Time" hingegen geriet zur besonders schönen und fast schon gebremsten Version. Dem Anspruch einer gehoben Veranstaltung angemessen. Vor allem die Drums sind hier positiv zu bewerten. Sie klingen echt toll. Na und Ian Gillan am Ende stöhnen und schreien zu hören; das war einfach spitze. Mit einem fast schon lyrischen Ende ging es wieder hin zur Klassik.

 

Der erste Satz des CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA begann mit Orchester pur. Ziemlich spät erst beginnt sich die Rockband einzufügen. Man hat echt den Eindruck dieser Versuch fällt allen Beteiligten schwer. So zieht sich das Stück schwermütig bis spielerisch mit schöner wirklich geschickten Einbindung der Gitarre. Der Übergang mit dem Bass in den Gitarren-Part ist cool. Auch wie die Orgel und die Gitarre wieder vom Orchester eingefangen werden ist richtig klasse.

 

Ritchie hingegen merkt man seinen Drang zur härteren Gangart in seinem Part deutlich an. Und das ist nicht negativ gemeint. Ganz im Gegenteil wird so ein Kontrast geschaffen, welcher die Klassik noch ein gutes Stück vom Rockgeschehen entrücken lässt. Ein Umstand, welcher von Jon durchaus gewollt wurde.

 

Der zweite Satz des Concerto arbeitet sich mit langsamen Tempo zum Gesangspart von Ian Gillan hin. Dieser ist einfach nicht zu toppen. Hier passt alles und man kommt nicht auf die Idee, dass Gesang im Grunde nicht zum Thema einer Sinfonie passt. Er sollte nur die Instrumente stützen und nicht zu dominant sein. Er trägt in der Klassik hier an dieser Stelle eine untergeordnete Rolle. Schade und leider viel zu kurz geraten geht Ians Stimme direkt ins Herz des Zuhörers.

 

Der dritte Satz startet wieder richtig klassisch durch und arbeitet sich dann hoch bis zum Drum-Solo. Dynamisch trifft hier Ian Paice die Trommelfelle. Fast schon zu rockig und auch wieder einen Hauch zu hart. Man hört eines seiner üblichen Schlagzeug-Soloparts der Rock-Konzerte in leicht abgewandelter Form. Das ist bei der fehlenden Vorbereitung ganz sicher nicht verwunderlich. Diesen Liveauftritt zeichnet ja gerade eine gewisse Art der Improvisation aus. Eine aus der Not der Zeit heraus geborene Gegebenheit, welche diesen Auftritt zu dem machte was er war; einem einzigartigen Ereignis. Nach vorn schiebend mit mehr Band hin zum großen Finale endet der dritte Satz dann. Hört man richtig hin erkennt man gut wie sich die Rock-Instrumente in das Orchester integrieren. Hier musizieren nicht mehr zwei Genre gegeneinander, sondern es gab eine echte Fusion beider Stile.

 

Auch bei der Zugabe des Abends spürt man diese Mischung aus Tradition und Moderne. Betont wird das durch die Ergänzung der Band-Drums mit der orchestralen Perkussion im ersten Abschnitt hier. Das Orchester lässt den Abend gemeinsam mit der Band ausklingen. Ein Event ging zu ende und die Welt sprach im Anschluss davon. Dieser Umstand schließlich sorgte dafür, dass Deep Purple erneut in aller Munde waren.

 

Abschließend lässt sich konstatieren, dass nicht alle mit dem Concerto einverstanden waren, deren Publicity sie jedoch nötig hatten und gern in Anspruch nahmen. Deep Purple brachten im Juni ‘70 schließlich IN ROCK heraus und der Knaller war perfekt. Sie waren von dort an nicht mehr von der Spitze des Rock-Olymps zu verdrängen. Ein Erfolg, welchen sie auch diesem Auftritt hier zu verdanken haben.

 

Das Concerto wurde später durch die Band nochmals live Aufgeführt ein gutes Jahr später in den USA (25. August 1970). Die Sensation war jedoch mit dem ersten Auftritt schon weg. 1999 kam es nochmals zur Live-Aufführung. Hier mit Steve Morse an der Gitarre. Und schließlich brachte es Jon Lord noch vor seinem Tode fertig sein erstes Werk im Studio einzuspielen. Neben seinen anderen klassischen Werken ist dieses hier immer ein besonderer Meilenstein gewesen. Die Umstände der Ur-Aufführung an sich bestärken diesen Eindruck noch deutlich.

 

Veröffentlicht wurde zunächst nur das Concerto im Zeitrahmen vom Dezember 1969 bis zum ersten Quartal 1970. Erst später (ab 2002) wurden die drei Deep Purple-Titel "Hush", "Wring That Neck" und "Child In Time" dem Concerto voran gestellt. In diesem Zusammenhang fand dann auch die Sinfonie von Malcolm Arnold die verdiente Erwähnung im Kontext des Auftrittes.

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