LIVE IN MONTREUX 69 - Deep Purple
Vollständig und mit gutem Ton
Nur zehn Tage lagen zwischen diesem Auftritt und jenem in der legendären Music-Hall (Concerto For Group And Ochestra). Die Band wirkte ausgelassen. In Montreux fand das jährliche Jazz-Treffen statt. Die Band kam dort auf die Bühne und rockte richtig los. Claude Nobs erkannte später das Potential der Band. Er organisierte schließlich Jahre später die Kelleretage im ehemaligen Grand-Hotel.

Doch das war später. 1969 jedenfalls stand die Konzerthalle noch. Deep Purple probten gewissermaßen auf Live-Auftritten ihre Songs. Das neue Album sollte etwas richtig hartes werden. "Kneel And Pray" ist wieder der Opener. Immer noch fehlt das bekannte Intro. Der Song rockt aber los. Ian gibt alles und schreit die Strophen nur so aus sich heraus. Der harte Rock’nË‹Roller beginnt dynamisch ist aber trotzdem immer noch irgendwie zu kurz geraten. Er ist deutlich kürzer als im August auf der Aufnahme im Paradiso (Niederlanden).
Mit der Aufnahme von "Hush" hören wir schon die zweite Version mit Ian. Auch hier wirkt seine Stimme viel druckvoller als das Original. Wirkt der Song beim Auftritt vor dem Concerto noch lyrisch gebremst, so hört er sich hier viel rockiger an. In dieser Fassung ist er auch bedeutend länger. Jon Lord bedient hier das Master-Instrument. Seine Orgel ist sehr dominant und trägt den Titel.
"Child In Time" ist immer noch viel kürzer als später live üblich. Der Titel liegt zeitmäßig jedoch im Durchschnitt der anderen Auftritte. Merkt man in der Interpretation von "Kneel And Pray" noch Variationen, so wirkt dieser Song schon fertig und geschmeidig. Man kann gut hören wie sich das Zusammenspiel der Musiker verbessert. Der Song wurde während der vergangenen Konzerte immer wieder und wieder gespielt. Man fand sich. Allein der wirklich gute Übergang zum schnellen Teil ist hier deutlich präziser. Ritchie experimentiert jedoch auch noch an dem Einen oder Anderen. Nie hört sich der Song gleich an. Zum Ende hin nimmt die Geschwindigkeit wie erwartet zu. Auch Jon hat am letzten Übergang eine kleine Unachtsamkeit. Wenn Ian Gillan seine Stimme erhebt lebt und bebt es.
Erstaunlich wie gut das alles klingt. Gerade beim Schluss von "Child In Time" hört man zwar leichte Übersteuerungen, jedoch klingt Ian‘s Gesang immer noch sehr kraftvoll. Die Aufnahme entstand schließlich schon im Jahr 1969. So viel Zeit ist vergangen; alles hört sich jedoch einfach klasse an. Sicher hat dieser Klang auch mit den technischen Möglichkeiten im Zeitrahmen vor den 2003 zu tun. In diesem Jahr wurde diese Aufnahme das erste Mal auf den Markt gebracht.
Der Rest des Auftritts ist dann schnell erzählt. Ian hat ganze 34 Minuten Sendepause. Es folgt "Wring That Neck". Wie immer ist dieser Titel einfach cool. Ritchie und Jon geben sich hier schon ansatzweise gegenseitig Duelle. Alles noch zaghaft und dem Song dienlich. Es ist jedoch toll wie Ritchie hier mit den Saiten spielt. Seine Finger fliegen über die Gitarre. Und wieder gibt es das markante Thema und Jon greift in die Tasten.
Wie gewohnt folgt dann Ian Paice sein Schlagzeug-Solo, eingebettet in kurze Rhythmus-Intervalle des Stones-Klassikers "Paint it Black". Ian Paice bedient hier die Felle richtig druckvoll und greift auch ab und zu den Rhythmus des Songs wieder auf. Hier bei diesem Song jedoch singt Gillan seine paar Zeilen am Anfang nicht. Warum nur? Hatte er hinter der Bühne andere Sachen zu tun? Wir wissen es nicht.
Erst bei "Mandrake Root" hören wir den in den Songs davor vermissten. Aber auch nur am Anfang. Aber was für eine Fassung. Orgel und Gitarre wechseln sich wieder ab, begleitet von den Drums und dem Bassisten (Roger Glover). Erst wenn am Ende der Neil Diamond Klassiker "Kentucky Woman" ertönt ist Ian Gillan wieder richtig im Geschäft. Dann ist der Auftritt vorbei. Der letze Titel lässt die Band verstummen. Übrigens gibt es von diesem Song nicht allzu viele Live-Versionen mit Ian Gillan. Ich kenne nur diese hier. Vielleicht findet ja jemand nochmal eine Fassung, welche tief in den Archiven liegt.
Archiviert wurde hier etwas wirklich tolles. Nämlich das erste vollständige Konzert der frühen Mark II mit gutem Ton. Ritchie ist in Höchstform und auch Jon Lord gibt alles. Herz was willst du mehr. In der Qualität bekommt man nicht viele alte Aufnahmen dieser Band. Jeden Purple-Fan muss diese Scheibe einfach habe. Unbedingte Pflicht wenn man es ernst meint. Dieser Band kann man beim wachsen live zuhören. Ein Wunder und ein großes Glück. Man hört deutliche Unterschiede. Und welche Band lässt heute noch Schlagzeug-Solo-Stücke von über 10 Minuten durch die Halle jagen!! Dazu noch zwei überlange Songs mit mehr als 20 Minuten.


