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DEEP PURPLE IN CONCERT (BBC 1) - Deep Purple

Vier Titel mit spätem Höhepunkt

Nur vier Titel pro Sendung über Funk. So war es von der Plattenindustrie gefordert worden. Man wollte nicht, dass Fans sich den Auftritt mitschnitten und dann aufhörten LPˋs zu kaufen. Die BBC musste sich an diese Absprache halten.

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Hin und wieder nahm die BBC Auftritte von Komikern und Soap-Opern auf. Hierzu benötigten sie Publikum. Man erwarb also ein kleines Kino in London, baute es aus und installierte Aufnahmetechnik. Dieses Kino war das Paris-Theatre. Hier auf einer doch recht niedrigen Bühne fanden dann vor kleinem Publikum die ersten berühmten BBC One in Concert Aufnahmen statt.

 

Am 19.Februar 1970 sollte Joe Cocker dort auftreten. Der sagte jedoch ab und Deep Purple bekamen die Gelegenheit für sich Werbung zu machen. Was heute schwer vorstellbar ist war damals völlig normal. Die Band schaffte alles Equipment dort hin um nur vier Titel zu spielen. Allem voran wurden sie nicht durch sich selbst repräsentiert, sondern der Moderator der Radio-Show übernahm das. Zwischen den Stücken hört man nur die Stimme von John Peel.

 

Bis zu Deep Purple In Rock waren es noch gut drei Monate. Die Songs zum Album standen sicher schon größten Teils fest. Vor drei Tagen traten sie in Romford (England) auf und der nächste Gig war erst am 20.02.1970 in Preston (England). Die Band konnte also kommen.

 

Den Abend eröffnet "Speed King" (nicht mehr "Kneel And Pray"). Hier jedoch noch ohne das Krach-Intro des späteren Platten-Openers. Es hört sich jedoch schon wesentlich besser ausgearbeitet an. Man merkt die viele Live-Arbeit am Stück. Es war zu dieser Zeit schon fast in Album-Qualität. Druckvoll löst sich der Song aus dem tiefen und kurzen Intro. Gut eine Minute länger als der spätere Album-Song hört man hier schon einen komplett ausgearbeiteten Song.

 

Ebenso verhält es sich mit "Child In Time". Auch hier fällt auf wie präzise die Band arbeitet. Es sitzt alles bis zum krachenden und stöhnenden Finale. Hier gibt es keine Unsicherheiten mehr, kein ruckeln beim Übergang zum schnellen Part. Auch dieser später erscheinende Song ist schon in Album-Länge zu hören. Es wundert nicht wie gut die Band zu diesem Zeitpunkt schon war.

 

"Hard Road" (hier nicht als "Wring That Neck" auf der Songauflistung angegeben) und "Mandrake Root" erscheinen logisch. Beide Songs wurden bei den bisherigen Auftritten immer deutlich in die Länge gezogen. Hier waren die Instrumente und deren Musiker die einzig wahren Helden. Ian Gillan hatte dort immer lange Pausen. Auch wusste man ja vorher, dass nur vier Songs über den Äther gingen. Warum nicht zwei überlange Titel. Die Wahl war klug gewählt.

 

Nach der Bandvorstellung startet dann "Hard Road" vom Moderator als "Wring That Neck" angekündigt. Warum das Titel-Wirrwarr auf vielen Covern des Auftritts entstanden ist; wer weiß das schon. Mit 19 Minuten ist der Song auch gut interpretiert. Er liegt im Schnitt der Zeit. Wichtig sind hier die Leistungen der Instrumentalisten. Einfach große Klasse und trotz der vielen schnellen Notenfolgen rastet keiner aus. Man war sich bewusst von der Funkübertragung und wollte im Grunde keine Fehler machen. Die geschahen auch nicht. Alles hört sich zu jeder Zeit kontrolliert an. Blackmore und Lord sind ein Muster der Zusammenarbeit. Einfach schick das Ganze.

 

Mit "Madrake Root" nun war der letzte Titel gekommen. Noch ein letzte Mal konnte man den Radiohörer beeindrucken. Deutlich kürzer als sonst live angeboten ist er jedoch ein Abschied vom Hörer mit Eindruck. Ian Gillan darf sich wieder ins Gedächtnis der Hörer rufen bevor der Song davon stampft. Man höre nur die Schreie von Ian! Die Eigendynamik des Songs ist fast noch schöner wie zuvor beim dritten Song des Abends. Alles wirkt absolut glaubhaft. Die Musiker ergänzen sich und unterstützen sich. Paice spielt ein irres Schlagwerk. Hier passt jeder Schlag und die Felle vibrieren. Zusammen mit Lord, Blackmore und Glover gibt es hier eine Band die überzeugt. Gillan’s Leistung droht da fast in Vergessenheit zu raten.

 

Was am Ende bleibt ist eine Tonkonserve welche auch auf Grund der Radio-Aufnahme realistisch erscheint. Overdubs gab es da nicht. Man hört was man dort hörte. Leider wurden die Aufnahmen im Nachhinein bearbeitet. Ich denke jedoch die Bearbeitung erfolgte nur rudimentär. Die Grundaufzeichnung (Stichwort; Acht-Spur-Bänder der BBC) war sicher schon gut genug.

 

Die ganze Atmosphäre des Abend kann man sehr genau und präzise nachverfolgen. Die Band spielt die vier möglichen Songs mit Improvisationen. Teilweise ufert alles ein wenig aus. Doch das Alles bleibt immer im Rahmen der Veranstaltung.

 

Dieser Mitschnitt ist ein Bestandteil des hier vorliegenden Doppel-Albums. Ein zweites Konzert am 09.03.1972 ebenfalls an dieser Stelle beweist erneut wie gut die Band zu dieser Zeit drauf war. Das im Jahre 1980 veröffentlichte Werk ist ganz sicher eine tolle Geschichte.

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