DEEP PURPLE IN ROCK - Deep Purple
Die erste Hardrockscheibe
1970 war jenes Jahr in welchem etwas neues erschien, etwas besonderes, etwas einzigartiges. Gefeiert wurden Deep Purple nur in Amerika. In Europa waren sie nur wenigen bekannt. In den Plattenläden standen die drei ersten Alben mit deutlicher Verspätung unverkauft in der hintersten Ecke.

Die Band selbst war neu organisiert und hatte einige Live-Auftritte in England, und auch in Europa hinter sich. Ian Gillan und Rodger Glover ersetzten Nick Simper und Rod Evans. Teilweise gab die Mark I - Besetzung noch Liveauftritte als mit Gillan und Glover schon emsig geprobt wurde. In der BBC veröffentlichte die neue Besetzung schon einige Kostproben ihrer zukünftigen Arbeit. Live wurde zu dieser Zeit emsig geprobt und die neuen Ideen umgesetzt.
Das CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA wurde zusammengestellt, organisiert und schließlich live eingespielt. Das nächste Klassik Ereignis wurde schon bestellt. Jon Lord war am komponieren.
Genau in dieser Phase wurde etwas geboren, dessen Bestand unangefochten an vordersten Reihe der Rockmusik steht und immer noch weiter Bestand haben wird. Ein Album wie in Stein gehauen (Cover) um für alle Zeiten erhalten zu werden. Ein Geniestreich der Herren Backmore, Lord, Gillan, Glover und Paice.
Die Band wollte erst die Stücke selbst zusammenstellen und abmischen. Das endete im Chaos. Ein neuer Toningenieur stieß zur Band, ließ ihnen mehr freien Raum und blieb. Dieser Martin Brich ist für mich einer der selten gewürdigten Helden dieses Albums. Neben dieser Arbeit mischte er neben anderen Deep Purple Scheiben auch welche von Iron Maiden, Whitesnake, Rainbow, Black Sabbath, Jeff Beck, Gary Moore, PAL, und und und....
Doch ich schweife ab. Die Musik an sich ist das was man bis heute unter Hardrock versteht. Die Stücke von der Musikplatte gehören heute immer noch unverzichtbar zum Live-Programm der Band und sind unzertrennbar mit dem Bandnamen verbunden. Jeder kennt die Stücke und hat sie schon mal gehört.
Das Album startet mit einem Power-Intro. Begleitet durch Jon’s Orgel beginnt dann "Speed King". Als “Kneel and Pray“ live verfeinert fand es schließlich seinen Weg in die schwarzen Rillen und damit in die Ewigkeit. Mit einer unbeschreiblichen Gewalt treibt sich das Stück die Gehörgänge hinunter.
Auch "Bloodsucker" steht dem ersten Song in Nichts nach. Über die treibende Bassline schreit Ian hier die Aggressionen hinaus. Auch hier gibt es wieder Druck in jeder Ecke.
Das bekannteste und zuerst entwickelte Stück ist “Child in Time“. Ein live geprobter Titel über den Ritchie Blackmore viele Jahre später im TV sagte; das markante Intro wurde von einer damals bekannten Band (It's a Beautiful Day) inspiriert. Aber was soll's, damals sah man es nicht so eng. Einer der schönsten Rocksongs forever war geboren. Allein das Solo von Ritchie ist ein Vermächtnis. Ian’s Schmachten setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Nach dem grandiosen Finale wird die Seite gewechselt.
Nach dem Aufsetzen der Nadel startet "Flight Of The Rat". Ähnlich wie zu Beginn der ersten Seite donnert es wieder gewaltig. Bretthard schmettert Ritchie die ersten Töne durch die Boxen. Ein wenig abgehoben klingt Gillan einfach anders. Ein irres Schlagwerk unterlegt das Stück. Jon Lord klingt schwer und gewichtig. Er liefert bis ihn Ritchie ablöst.
"Into The Fire" drückt in Bezug auf die Härte nochmals deutlich nach. Geht es brutaler und härter?
Fast schon wie ein Experiment erscheint "Living Wreck". Eingeleitet mit den Drums startet das Teil außergewöhnlich. Die Blackmore-Gitarre ergänzt sich gut mit der extrem eindrucksvollen Orgel. Bis der Song dann in den Reglern verschwindet fragt man sich warum er nicht noch länger zu hören ist. Nein die Zauberorgel wird unweigerlich leiser.
Mit "Hard Lovin‘ Man" endet das Meisterwerk schließlich. Die Band gibt sich im guten Purple-Drive nochmals die Ehre. Gillan schreit, Jon wuchtet die Orgel, Roger gibt solide Basseinschübe, Paice trommelt munter drauf los und Ritchie biegt die Saiten. So brachial wie das Album begann endete es dann.
Andere Abhandlungen beschäftigen sich hinreichend mit diesen Stücken. Neben den üblichen Verdächtigen sind "Flight Of The Rat" und "Into The Fire" hier jedoch meine Lieblinge. Sie kamen wesentlich seltener zu Live-Ehren, sind für mich daher immer wieder kleine Highlights. Auch "Hard Lovin‘ Man" steht wegen seines Endes ganz groß auf meiner Liste. Alle Titel sind letztendlich Höhepunkte und es gibt keine Schwachstellen. So etwas ist selten in der Geschichte des Rock.
Beachtenswert sind hier in der 25th Anniversary Edition vor allem die Zugaben. Angefangen mit dem unvergesslichen Single-Hit “Black Night“ bis zu den schön aufbereiteten Studioversionen und den unveröffentlichten Aufnahmen. Wenn man gerade hier aufmerksam zuhört kann man förmlich spüren, wie die Mitglieder der Band zusammen spielen und auch noch Freude dabei haben. Ein Anspieltipp hierzu ist vor allem der Titel "Jam Stew“. Was für ein kleines tolles Stück Musik! Hier spielt eine Band mit Verständnis und mit Laune.


