LIVE AT THE BASEMANT - Jon Lord & The Hoochie Coochie Men
Ein Live-Ereigniss unverhofft und gut
Bob Daisley ist ein begnadetet Musiker. In sehr vielen Bands ließ er sein Talent aufblitzen. Der Australier spielte vom Juni 1970 bis Juli 1971 bei Kahvas Jute. Hier lernte er den Gitarristen und Sänger Tim Gaze kennen und schätzen. Als dieses Abenteuer für beide zeitgleich endete blieb Tim in Australien und Bob begab sich auf nach Europa.

Hier zog er vor allem bei der britischen Blues-Band Chicken Shack am Bass. Auch mit Mungo Jerry spielte er. Er gründete die Hardrock-Formation Widowmaker mit. Durch seinen Absprung zu Rainbow scheiterte das Projekt obwohl eine zweites Album in Arbeit war. In Ritchie’s Kaderschmiede fiel das internationale Spotlight das erste Mal auf ihn. Als Roger Glover ihn ersetzte verdingte er sich bei Black Sabbat, spielte in Ozzy Osbourne‘s Band. Er stand am Bass bei Uriah Heep und mit Gary Moore.
Im Jahr 2000 entschloss sich Bob in Australien mit Tim eine Blues-CD aufzunehmen. Man heuerte andere Musiker an und ging an die Arbeit. Vier Songs waren Eigenkonstruktionen. Die anderen Titel waren Cover von berühmten Vorbildern. Willie Dixon, Eric Clapton, Johnny Winter und Jimmy McCracklin seien hier genannt. Schnell hoben sie ein eigenes Label aus dem Boden. Songline Management erwies sich hingegen als zu klein und so wurde das schlicht mit dem Bandnamen The Hochie Coochie Men betitelte Album 2001 nur auf dem Kontinent vertrieben. Wer eine dieser CD besitzt ist ganz sicher eine beneidenswerte Person. Erst später wurde das wirklich gute Blues-Album als Download angeboten.
Eine Live-Tour gab es auf den australischen Kontinent in den beiden Folgejahren. Im Rahmen dieser Tour lud Bob Jon Lord zum Essen ein. Der war nach seinem Ausstieg bei Deep Purple Solo unterwegs. Zusammen mit der Band George wollte er in der Sydney Opera und deren Orchester sein CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA intonieren. Am 23.01. und 26.01.2003 war es soweit. Andere Termine waren mit kleinerer Besetzung schon geplant. Leider erlitt Jon eine leichte Verletzung an seiner linken Hand. Eine kleine Tour im klassischen Segment war so nicht durchführbar.
Bob reichte Jon nun bei diesem Termin sein neues Blues-Album und fragte ihn ob er zusammen mit seiner Band auftreten wolle. Schon beim ersten Gig am 05.02.03 im Athenium Theatre in Melburne stellte Jon fest, dass er und die Hoochie Coochie Men gut zusammen passten. Zu einem Fernsehauftritt im regionalen Fernsehen kam es auch noch. Quasi zwischendurch traf man sich am 07.02.03 zu Proben mit Jimmy Barnes im Club "The Basement" in Sydney. Am Abend des Tages trat die Band dann vor überfülltem Haus auf. In BILD und Ton wird man Zeuge von toller Musik, gefühlvoll mit viel Humor vorgetragen und honoriert durchs Publikum.
Alles startet mit einer kurzen Einleitung durch Jon Lord. Er präsentiert die Band mit dem ihm eigenen feinem Sinn für Humor. Das Auditorium ist sofort bei der Sache. Bald startet dann die Musik.
"Hideaway" erschienen 1960 als Single von Freddie King und Sonny Thompson. Der beschwingte instrumentale Blues ist nicht gealtert. Er schwingt locker und leicht und geht sofort in die Beine. Die Füße wippen und der Kopf neigt sich behutsam in beide Richtungen. Ein reiner Wohlfühl-Blues ohne Eitelkeiten.
Der nächste Song ist eine Eigenkomposion der Band welche Jon begleitet. "Lonesome Traveller Blues" knallt durch die Boxen. Jon‘s Orgel drückt dem Teil den nötigen Schub drauf. Tim singt wirklich gut.
Little Walter ersann 1953 "Blues With A Feeling". Frisch und kompetent wird dieses alte Stück nun an die Schar jenseits der Bühne weiter gereicht. Auffällig ist hier die tolle Interpretation der Band. Jon spielt ein schickes Solo. Fast fühlt man sich ein wenig wie bei den frühen Deep Purple.
Ende der dreißigjähriger Jahre erschien "You Got Good Business". Auch hier schafft es die Band den alten Song wirksam in die Neuzeit zu katapultieren. Gut gemacht und angebracht ins Volk geworfen.
1962 veröffentlichten Booker T. & the M.G.'s "Green Onions" als Single. Das Teil mauserte sich in dieser Zeit als populäres Stück Rockmusik. Auch Deep Purple erinnert sich live daran. Hier in Australien wird es durch John in seiner Art interpretiert. Seine Orgel dröhnt mal klassisch, mal hart und gibt zusammen mit der Mundharmonika den Blueser. Irre wie gut das alles passt. Hört man diese Aufnahme, so glaubt man kaum, dass es hier keine ausschweifenden Proben gab. Alles passt bis auf den letzten Ton.
Vom Band-Album des Daisley-Solos stammt "24/7 Blues". Wieder verblüfft Tim mit seiner Stimme. Er klingt voll, nicht übertrieben und gefühlvoll. Ein richtig starker Blues breitet sich vor den Boxen aus. Gelassen nimmt es den Konsumenten mit. Keine Minute kommt lange Weile auf. Die Band spielt einfach stark.
Muddy Waters veröffentlichte "Baby Please Don't Go". Ein Klassiker, welchen auch schon die Rolling Stones zusammen mit dem großen Meister gespielt haben. In der Version des Abends wirkt das Teil lebendig und stark.
Weniger bekannt ist der von Don Hillman geschrieben Titel "The Money Doesn't Matter". Wie auch immer es im Original wohl klingt, diese Version lebt durch die Personen hinter ihren Instrumenten. Der Saal bebt und die Luft vor den vibrierenden Membranen der Boxen will einfach nicht stillstehen. Der Drive des Teils reißt von Beginn an mit.
"Strange Brew" erschien das erste mal im Juni 1967 als Single. Cream blieb nicht nur wegen Clapton in Erinnerung. Dieser Song hier jedenfalls wird mit dieser Formation auf Dauer in Verbindung gebracht. Schon auf dem selbstbetitelten Debüt der Band festgehalten, hören wir eine tolle mit Orgel unterstütze Version. Die ausführlichen Anmerkungen von Jon ergänzen den positiven Eindruck zur Gänze.
Auf dem Debütalbum von Johnny Winter 1969 erschien einst "Dallas". Wieder erleben wir eine tolle Entstaubung des schon älteren Songs. Auch dieser Song befand sich schon auf der Studio-Scheibe dieser Formation. Mit viel Routine wird das Teil ins Publikum geschleust.
Willie Dixon veröffentlichte 1954 auf dem legendären Chess-Label "I Just Wanna Make Love To You". Auf dem Album dieser Formation eröffnete dieser Song die CD. An jenem Abend in Sydney pfeffert die Band das Ding brutal nach außen. Frech und mit dem nötigen Druck versehen säubert es die Gehörgänge.
1964 erschien der von Willie Dixon geschriebene Song auf der Singe von Muddy Waters. "You Need Love" ist weit bekannt und wird sehr oft für zahlreiche Improvisation genutzt. So ist es auch an jenem Abend. Über die ganzen sieben Minuten lauscht man gespannt auf das was sich ereignet. Hier sprühen nicht die Funken, sondern die Spannung nährt sich aus der Langsamkeit des Teils und der Dynamik aller Beteiligten.
Mit dem Titel welcher der Band seinem Namen spendete geht es weiter. 1954 veröffentlichte Muddy Waters diesen Willie Dixon Song. Er spukt seit dieser Zeit vielen Menschen im Gehirn herum und lässt sie nicht mehr los. "Hoochie Coochie Man" ist eine gewaltige Erfahrung. So muss Blues klingen! Seit Generationen steht dieser Song wie kein zweiter für dieses Genre. Mit Jimmy Barnes am Mikrofon wird das Teil um einiges mitreißender. Er stemmt sich mit seiner ganzen Stimme in das Teil. Es gewinnt hierdurch nochmals mehr Antrieb. Was für ein Mitschnitt, nicht nur wegen der Beteiligung des australischen Superstars.
Alles was nach diesem Klassiker kommt geht ganz sicher unter. So wird im Nachgang ein Eigengewächs von Daisley zum Besten gegeben. "New Old Lady Blues" wird wieder von Tim gesungen. Es gönnt dem Publikum eine Pause und gibt Raum zum Luft holen. Ruhig und gediegen schweift man durch die Zeit.
1960 erschien "Who's Been Talkin‘" als Single von Howlin' Wolf. Auch in dieser Version ist dieser Song nicht einen Tag gealtert. Die Band bereichert den langsamen Grundrhythmus mit allerlei Einlagen. Gerade der gute Jon versteht es meisterlich seine Passagen in den Song zu integrieren.
"Six Strings Down" stammt aus dem Jahre 1994. Einst für Jimmie Vaughan aufgenommen erfährt es hier eine neue Präsenz. Wieder erleben wir eine Band mit jeder Menge Drive und Dynamik. Es macht Spaß zuzuhören und das ist das Wichtigste meine ich.
Über den nächsten Song sind sich die Spezialisten nicht einig. "Dust My Broom" ist ein Blues-Standard. Er wird im allgemeinen Elmore James zugeschrieben. Erstmals erwähnt wurde jedoch als Interpret Robert Johnson (November 1936). Wie auch immer es nun ist; der Song ist weltweit bekannt und wird immer wieder gern ins Auditorium geschleudert. Auch an diesem Abend schafft es die Band das Teil frisch und unverbraucht über die Zeit zu bringen. Die coole Mundharmonika (Jim Conway) hilft ganz gewiss dabei.
1960 nahm Jimmy Smith "Back at the Chicken Shack" auf. Es wurde 1963 auf dem Label Blue Note veröffentlicht. Als Zugabe an jenem Abend wird es mit dem Lazy-Intro durch Jon veredelt. Dezent unterstützt wird Jon von Rob Grosser an den Drums bis die Band letztendlich einspringt. Großartige Musik bricht über den Hörer hinein.
Jimmy Barnes darf sich dann Ian Gillan’s Liebling nähern. "When A Blind Man Cries" gelingt ihm hervorragend. Er intoniert den Song meisterlich. Diese Leistung beweist deutlich warum der Sänger auf seinem Kontinent ein wirklicher Star ist. Leider blieb seine Stimme weltweit immer zu unrecht unbeachtet. Das ist echt schade, hört man sich das hier Dargebotene richtig an.
Mit dem "12 Bar Blow Jam" endet der Abend. Wieder hören wir eine famos aufspielende Gemeinschaft jenseits von Konkurrenz und Egos. Wir lauschen einer musikalischen Vereinigung, welche nur der Musik dienen will.
Dieser Mitschnitt ist der Beweis dafür, dass man Musik nicht tausendmal üben muss um auf der Bühne bestehen zu können. Es kommt rüber, dass alle Beteiligten mit sich und der Welt zufrieden sind. Sie gehen auf in dem was sie gerade machen. Sie haben Spaß.
Diese Freude ergreift die anwesenden Gäste. So entsteht ein Atmosphäre, welche greifbar reell erscheint. Dabei spielt es keine Rolle ob man sich die Bilder ansieht oder nur mit geschlossenen Augen den Tönen folgt.
Hier wurde große Musik für die Nachwelt festgehalten. Zu gut für die Lagerung in verstaubten Ablagen. 2007 erschien dann noch das nur logische Studio-Album mit dem Herrn Lord.


