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BEYOND THE NOTES LIVE - Jon Lord

Der Meister Live und in Farbe

BEYOND THE NOTES wurde 27. September 2004 veröffentlicht. Zwei Tage später ging er mit dem Album auf Tour. Die wenigen Auftritte in Deutschland endeten am 05.10. in Köln. In der Vulkanhalle offenbarte er nochmals sein Potential vor Publikum. Dieser Abend wurde in BILD und Ton mitgeschnitten.

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Er stand dort mit vergleichbarem Personal auf der Bühne. Neben ihm gaben sich Anni-Frid "Frida" Lyngstad, Sam Brown, Miller Anderson, die Trondheim Solist und viele andere schon am Studiowerk beteiligte Musiker die Ehre. Jon führte durch den Abend und gab den Rahmen für wunderbare Musik.

Jon beginnt ohne große Begrüßung. Seicht startet er zusammen mit den Geigen mit den ersten beiden Teilen seines 2003 veröffentlichten Albums. "Sunrise / Pictured Within" wird von Miller Anderson textlich umgesetzt. Behutsam spielt der Meister bis der Gesang einsetzt. Wunderschön streift einem eine Gänsehaut über den Rücken. Gefühlvoll teilt der Hörer die Gefühle beim Streifen durch durch private Vergangenheit. 

 

1976 erschuf Jon das gleichnamige Album. Für mich immer noch sein bestes. Das Titelstück ist nicht gealtert. "Sarabande" erscheint dem Hörer wie eine Offenbarung. Auch wenn es schon einige Jahre auf dem Buckel hat; verstaubt ist es keineswegs. Schon beim Intro applaudiert die andere Seite jenseits der Empore. Unweigerlich werden Erinnerungen wach an dieses einfach starke Album. Hier hören wir einen der vielen Höhepunkte des Albums. Einfach die Augen schließen und der Musik lauschen. Das Herz öffnet sich und verlangt nach mehr. 

 

Weiter geht es beschaulicher. Jon erinnert an Tony Ashton. Der hat einst auf seinem Todesbett Jon versprochen ihm eine Postkarte von oben zu schicken. Jon scheint sie erhalten zu haben… "I'll Send You A Postcard" ist seine Version der Botschaft aus dem Himmelreich. Eine tiefe Freundschaft, seine Trauer und die Zuversicht auf ein besseres Leben packt er in die gut sieben Minuten. Romantik pur aus der Feder eines Virtuosen. 

 

"Cologne Again" begriff Jon als Melodie eines Gefühls. Es drängte bei der Planung seiner Solo-Karriere aus ihm heraus. Er musste es aufschreiben, hatte keine Wahl. Erst als er den Stift beiseite legte war Raum für neues. Wie schon der Vorgänger landete das Stück auf seinem jetzt zu promotenden Album. Es bebt und lebt auf der Bühne. Bringt wieder Bewegung in den Raum. 

 

Zurück zum Album SARABANDE führt uns das nächste Stück. "Pavane" passt wundervoll hinter das aktuelle Stück. Nach dem großflächigen Start ergießt sich eine schlicht anmutende Gitarren-Improvisation um schließlich vom Piano ergänzt zu werden. Behutsam wird es mit Schlaginstrumenten und den Streichern. Hübsch garniert mit einer dienlichen Bass-Spur. 1976 war das Stück ganz sicher eine Wiederholung wert. Auch hier im schicken Live-Format verliert es nicht an Zauber. 

 

Auch beim nächsten Titel bleiben wir beim Erfolgs-Album. Erneut hören wir mit "Gigue" einen Meilenstein seiner Kunst. Auch dieses Stück altert nicht. Belebt und locker geht es daher. Jon erschuf hier ein heiteres Stelldichein. Im Grunde ist es ein lebhafter Tanz aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Er transportiert diese Spielweisen in die Neuzeit. Auf Grund von ähnlicher Takt-Struktur wirkt es rockig. Die schwere Hammond-Orgel passt super in das Teil. Das Drum-Solo im Stück so unterzubringen ist richtig cool und passend. 

 

Wieder auf dem aktuellen Album findet der Geneigte die Hommage am Komponisten und Gitarristen George Harrison. Er starb viel zu früh am 29.11.2001. Mit "A Smile When I Shook His Hand" / "Here Comes The Sun" schafft es Jon erneut mit viel Achtung längst Verblichenen seinen Respekt zu zollen. Sein eigener Umgang mit gefühlvollen Passagen drückt seine Gedanken gut aus und hinterlässt bei den Anwesenden einen glaubhaften Eindruck davon. Der Chor verstärkt die Wirkung des Songs und gibt ihm behutsam eine Widmung.

 

Mit Sam Brown geht es in die nächste Runde. Sie schlendert mit den Anwesenden über eine grüne Sommerwiese. "One From The Meadow" gestaltet sich auch hier genauso poetisch und zeitlos schön wie auf dem Album. Ich denke sogar live wirkt es wenig lebendiger. 

 

Dave Brubeck veröffentlichte mit seinem Quartett 1961 eine Single. Diese schaffte es in den USA in die Top-100. In England erklomm sie Platz 14 der Charts. Jon’s Version von "Unsquare Dance" ist eine schwungvolle Interpretation des Originals. Natürlich weitet das Orchester das Werk zeitgemäß. Die Spontanität des Stückes wurde jedoch erhalten. Dave starb am 05.12.2012. ich weiß nicht ob er diese Version kannte. Sicher hätte dem einstigen Jazzer diese Version gefallen. 

 

"November Calls" wird erneut von Miller intoniert. Schwermütig und dennoch nicht depressiv besingt er die Sicht auf das längst Vergangene. Immer mit der Zuversicht versehen neues erleben zu können. 

 

Eine längere Geschichte steckt hinter dem nächsten Stück. In den Achtzigerjahren entdeckte Jon Georg Philipp Telemann. Im Laufe der Jahre variierte er. Am Ende stand über dem Entwurf "The Telemann Experiment". Im März 2004 weilte er in Trondheim und durch Zufall hörte er einer Musikerin zu. Emilia Amper spielte Volksmusik auf einem ihm noch unbekannten Instrument. Sie nannte es Nickel Harfe. Er bat sie das nun eingespielte Stück mit ihrem Instrument einzuleiten und zu begleiten. An jenem Abend tat sie es auch. Dieses alte Instrument führt einem in die beschwingte Nummer. Gute acht Minuten schwingt man mit. Das Herz springt in der Brust und Freude breitet sich aus. 

 

Mit der Band ABBA feierte Anni-Frid "Frida" Lyngstad große Erfolge. Sie und Jon wurden gute Freunde. Sie kann "The Sun Will Shine Again"realistisch wiedergeben. Wunderschön leicht erinnert uns das Lied daran, dass immer wieder die Sonne aufgeht, ist die Gegenwart auch noch so düster. 

 

Sein Abschied von Deep Purple fiel Jon gewiss nicht leicht. Seine Freunde mussten ohne ihn auskommen und er auch ohne seine langjährigen Begleiter. Gleichzeitig erwuchs in ihm das Gefühl etwas neues eigenes zu erschaffen. Wehmut und die Freude auf neue Abenteuer treiben "De Profundis" an. Auch Live war das zu hören.

 

Die Zugabe widmet Jon seinen Begleitern auf der Bühne. Der Fokus liegt nun nochmals im Jahr 1976. Auf SARABANDE hörte man die Interpretation eines französischen einfach gehaltenen Volkstanzes im 16.Jahrhundert. "Bouree" gibt diesem tollen Abend ein grandioses Ende. 

 

Jon und die anderen Musiker hinterließen an jenem Abend in Köln weit mehr als nur zwei Stunden Abwechslung vom alltäglichen. Durch die Musik auf der Bühne brachten sie alle Menschen im Saal in Einklang. Zusammen erfreute man sich an den Klängen und am Inhalt des Gehörten. Ein wirklich gelungener Abschluss dieser kleinen Tour. 

 

Das Video beweist in BILD und Ton die Zeitlosigkeit der Kompositionen. Man kann sich immer wieder das Gebotenen anhören und sich an dessen Vollkommenheit  erfreuen. Kein Ton ist im Grunde langweilig. Nichts zieht sich. Im Februar des Folgejahres geht Jon nochmals mit allen auf eine kleine Tour. Auch diese Abende endeten sicher mit dem Verlangen mehr hören zu wollen und ganz sicher mit einer Zugabe.

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