LIVE AT INGLEWOOD 1968 - Deep Purple
Eine Band im Frühstadium
Deep Purple in ihre Ur-Fassung; wer hätte gedacht, dass es davon eine Tonkonserve gibt. Schier unglaublich wenn man bedenkt wieviel Zeit zurück liegt. Deutlich über 30 Jahre liegen zwischen dem Mitschnitt und der abschließenden Verarbeitung. Es hängt ein wenig davon welche Ausgabe man besitzt. Die hier besprochene Scheibe wurde 2009 herausgegeben. Eine frühere Ausgabe erschien schon 2002.

Die Mitglieder der Band waren blutjung und noch völlig unbeachtet. In den USA jedoch waren sie durch ihre Plattenfirma Tetragrammaton-Records richtige kleine Stars. Den Amis gefiel die Band und so tingelten sie Kreuz und Quer durch die Staaten. Meistens als Vorband traten sie vors Publikum.
Am 18.10.1968 traten sie in Inglewood auf. Sie promoteten hier ihr im August ’68 eingespieltes Album The Book Of Telliesyn. Die vom vorherigen Album (Shades Of Deep Purple) ausgekoppelte Single "Hush" war hierzulande noch der totale Bringer. So nutzten sie die Gelegenheit und machten auch fürs nächste Album Werbung. Mit diesem Song startet die Aufnahme.
"Kentucky Woman" kennt man auch von der Formation zuvor. Man höre nur auf das muntere Schlagwerk vom noch jungen Ian Paice. Hier lassen es Ritchie und Jon schon gewaltig fliegen auf der Bühne.
In "Mandrake Root" geht es schon reichlich hart zu. Das Stück ist bei weitem nicht so lang wie später. Alles ist kürzer, jedoch ist dieser Titel der längste auf dem Mitschnitt. Wenn ich richtig höre zerstört hier Ritchie seine Gitarre (bzw. deutet es nur an).
Auch von "Help!" gibt es wohl keine andere Tonkonserve als Live-Mitschnitt. Hier singt Rod wirklich gut. Die doch eher höhenlastige Abstimmung hilft ein wenig. Es klingt jedoch gut.
Ritchie’s späteres Gitarrenlehrstück "Wring That Neck" hieß auf THE BOOK OF TALIESYN noch "Hard Road“. Wir kennen es von der nächsten Bandzusammensetzung. Es gehörte noch fast zwei Jahre zum Live-Portfolio der Band.Hier hören wir es in einer sehr frühen und auch deutlich kürzere Variante. Wie gut Ritchie zu dieser Zeit war kann man hier deutlich hören. Über die gesamte Länge des doch hier noch kurzen Stückes hört man schon Einzelheiten späterer Auftritte. Deutlich in der härteren Gangart gefangen erkennt man die Richtung hin zur späteren Version.
"River Deep, Mountain High" ist in der Einführung toll und wird im Grund nahe der Studioaufnahme intoniert.
Mit "Hey Joe“ hören wir wieder einen Song, welcher im Live-Format auf der Bühne bis dato nicht bekannt war. Deutlich härter als auf der Studioaufnahme.
Die Songs an sich sind im Grunde die ersten Live Aufnahmen der Band in relativ guter Qualität. Man hört hier schon ansatzweise wie gut die Musiker damals waren. Die Passagen der Titel sind gut gespielt. Hört man genauer hin, so finden sich schon deutliche Parallelen zur späteren Spielweise.
Als letztes möchte ich noch auf die Aufnahmequalität eingehen. Sie ist natürlich nicht wirklich gut. Hörbar ist diese nur mit deutlichem Einsatz eines Equalizers. Die Höhen sind total übersteuert und der Gesang ist teilweise nur als Kreischen zu verstehen. Im Grunde ist die hier vorliegende Aufnahme mit einem besseren Bootleg vergleichbar. Auch mischen sich mitunter die Stimmen der Zuhörer in das Gesamtbild des Tones ein. Es gibt deutlich Schwankungen im Spektrum der Wiedergabe.
Doch bedenkt man wie selten eine Liveaufzeichnung dieser Band-Besetzung ist, muss man sich über diese Dokumentation sehr freuen. Wir kennen auch nicht die Bedingungen der Aufzeichnung und auch nicht die Lagerung des Aufnahmemediums. Es ist schlicht ein Wunder, dass aus diesen Konserven noch die hier hörbare Klangqualität herausgearbeitet werden konnte. Sicher ein Album für den interessierten Fan der Band, der sich nicht mit Hit-Kopplungen zufrieden gibt. Ich finde diese Aufnahmen sehr interessant und durchaus bemerkenswert.


