Difficult To Cure - Rainbow
Schwierig zu kurieren
Wer war wohl der bessere Nachfolger für den zu ersetzenden Ronny James Dio? Das Rainbow-Album mit Graham Bonnet bewies noch eine gewisse kompositorische Nähe zum alten Stiel. Etwas neues wollte der Man in Black.

Er strebte nach mehr Erfolg durch einen kommerziellen Sound. Sang Graham wohl noch eine Tonspur für "I Surrender" ein, so kam in Gänze die Stimme vom Neuen aufs Band des im Februar 1981 erschienen Albums DIFFICULT TO CURE.
Das Mitglieder-Karussell kam beim guten Ritchie quasi nie zum Stehen. Hier schleuderte es die Herren Bonnet und Powell ins Abseits. Gleich danach nahm es mit Joe Lynn Turner (Gesang) und Bobby "Bob" Rondinelli (Schlagzeug) wieder fahrt auf. So ist das Leben. Einer geht, der Andere kommt.
Die Band war angekommen im Kommerz der Zeit. Das schon erwähnte
"I Surrender" startete in eine neue Zeit. Als Albumstart eine gute Nummer. Hier war für den Konsumenten alles gegeben. Gute Laue verbreitend startet die Band in die neue Fase.
Das ändert sich auch nicht bei "Spotlight Kid". Mir persönlich gefällt dieser Song mehr als der erste auf dem Album. Der schnelle Rhythmus drückt gewaltig nach vorn. Eine echte Blackmore-Nummer ohne Fehl und Tadel. Allein das Gitarrensolo ist schick und wird durch die Tasteninstrumente toll ausgekleidet.
"No Release" ist eine schwere Nummer, Hier glänzt der Herr Turner. Gerade im Refrain hört er sich echt stark an. Breit aufgestellt bietet er sich dem Hörer als Nachfolge der großen Vorgänger an. Dann verliert Ritchie die Geduld und der Song startet durch. Vielleicht wirkt das rhythmische geklatschte ein wenig nervig.
Joe Lynn Turner kleidet "Magic" richtig toll aus. Der sonst eher müde Song lebt von seiner Stimme. Ist das schon Pop-Musik oder noch Rock? Wer kann diese Frage beantworten. Der Song prägt sich ein, das steht fest.
Die erste Seite geht mit einem Instrumental zu ende. Von dem langsamen "Maybe Next Time" wird der Hörer auf die nächste Seite geschickt. Ritchie spielt einfach zauberhaft filigran.
Diese beginnt gleich den gut gerockten "Cant’t Happen Here". So möchte sich die Band sehen. Locker und leicht. Das Teil zündet sofort und die Melodie bleibt sofort im Kopf.
Ähnlich verhält es sich mit "Freedom Fighter". Wieder passt das zweite Stück gut hinter das erste. Die Melodie sitzt beim ersten Hören und Mitsingen kann man auch. Der Hörer wird nicht mit komplizierten gestalterischen Prozessen gelangweilt. Hier gibt es puren Rock ohne Schnörkel.
Bei "Midtown Tunnel Vision" wird es zäh. Mir will dieser Titel nicht gefallen. Irgendwie fehlt die Spannung. Im Grunde ist es jedoch eine gut Hard-Rock-Nummer.
Am Ende der Aufnahme jedoch gelingt dem Herrn Blackmore eine geradezu märchenhafte Verschmelzung von Klassik und Rock. Bei “Difficult To Cure“ geht es im wahrsten Sinne ab. Beethovens 9. Sinfonie in dieser Art auf eine Instrumentarium einer Rockband herunter zu brechen; ja das konnte nur der manchmal ernst schauende Superman in Black. Als ich zum ersten mal diese Läufe im Radio hörte, da dachte ich, das Album muss ich haben. Es gab kein Halten mehr. Ich glaube nach dem ersten Rainbow-Album (Ritchie Blackmore's Rainbow) war das mein zweites großes Rock-Vinyl. Und am Ende das glücklich überschwängliche Gelächter - das war wohl das Größte was man so vom Leben erwarten konnte. Der Hammer an sich und ein Stück Rockgeschichte ohne jeglichen Vergleich.
Wie oft und gern das Stück vom Großmeister gespielt wurde zeigt sich nicht zuletzt in der vielfältigen späteren Verwendung bei Rainbow und Deep Purple. Ian ärgerte Ritchie immer bei Live-Auftritten mit minimalistischen Superlativen. Das nervte Ritchie und darauf kam es dem Ian einst gerade wohl an.
Das Album, sowie die beiden Single-Auskoppelungen erreichten sehr gute (auch endlich) vordere Plätze in den wichtigsten Chart der Welt. Der furchtlose Fan alter Gemäuer hatte es erreicht - Rainbow waren dort angekommen wo sie für ihn hingehörten. Gerade in den USA stand die Single-Version von "I Surender" auf Platz 19. In den UK sogar auf Ranglistenplatz 3.
Auf dem Album hört sich Joe Lynn Turner echt gut an. Er scheint nun die logische Nachfolge von Bonnet angetreten zu haben. Bei allen Titeln auf dem Album wirkt seine Stimme breit aufgestellt und sehr präsent.
Betrachtet man das Album als Ganzes so enttäuscht es doch ein kleines Wenig. Neben tollen Momenten gibt es auch Titel, welche nicht so recht passen wollen. Hiermit meine ich "Magic" und "Midtown Tunnel Vision". Sachen die im Nachhinein einfach nicht hängen bleiben wollen. Der bisweilen schon poppige Eindruck hinterlässt nebenbei einen faden Beigeschmack.
Nicht dass sich alles jetzt schlecht anhört! Das Album ist trotz allem hart und geht kräftig voran. Kein Grund zum Trübsal blasen also. Der Meister der Gitarre wußte damals wie heute was sich hören lässt. Gefällig ist irgendwie alles und man kann es ohne von langer Weile geplagt zu werden mit Kopfhörern aushalten.
Was am Ende bleibt ist der durchaus gute Eindruck einer neu auferstandenen Band. Das Verrückte daran ist, dass viele bis heute finden, es wäre nicht nötig gewesen. Doch Vergangenen nachzutrauern brauchen wir alle nicht. Mit diesem Album hatte der Herr Blackmore schließlich Erfolg und weitere Alben zogen nach. Hier jedoch ist dies der spannende Abschluss einer Mutation, welche bei „Long Live Rock’n’Roll“ begann und nun endete. Strahlend ist es ganz sicher und wer einmal infiziert war, der ist mit Sicherheit nicht mehr heilbar.


