SHADES OF DEEP PURPLE - Deep Purple
Drei Tage Zeit - Deep Purple im Stress
Niemanden waren die fünf Jungs bekannt die sich in der Zeit vom 11.05. bis 13.05.1968 in den Pye Studios in London versammelten. Zusammen mit dem Produzent Derick Lawrence spielten sie in Windeseile acht Songs ein. Die frisch geschaffene Firma HEC-Enterprise brauchte etwas womit sich Geld verdienen ließe.

Jon Lord, Ritchie Blackmore, Ian Paice, Ron Evans und Nick Simper hießen die vier aufstrebenden Musiker. Man wollte Musik im Stil von Vanilla Fudge machen, nur eine Spur härter. Sie waren unerfahren aber wild darauf zu musizieren. Die Zeit war einfach zu kurz um an vielen eigenen Titeln zu arbeiten. Also taten sie das was zu jener Zeit viele Bands machten, sie nahmen sich Songs von anderen Künstlern.
Nur vier der Songs sind eigene Werke der hier zu hörenden Musiker. Der Rest sind damals gern gespielte Songs. Der Unterschied zu anderen Alben dieser Art bestand in der Interpretation der Stücke. Sie wurden mit und ohne Intros in die Länge gezogen. Nicht alles war wirklich gut und manches verhallte im Rauschen der Zeit. Die guten Songs jedoch blieben im Ohr.
Alles beginnt mit "And The Adress". Durch Jon‘s Orgel eingeleitet führt dieses Instrumental in‘s Album. Eine hübsche Nummer und eine der wenigen Eigenkonstruktionen der Band.
Schon der zweite Song "Hush" - eine Adaption von Joe South - geht gewaltig zu Sache. Vergleicht man das Original mit dieser Version, so fällt sofort auf, dass sich die Beteiligten im Grunde recht nah am Original hielten. Bedeutend jedoch ist das Diktat der Hammondorgel vom Herrn Lord. Jon sorgt im eigentlich nicht so schnellen Song für Druck und Spannung. Einfach gut das Teil und bis heute immer wieder mal live zu hören. Im übrigen avancierte der Song zum ersten Single-Hit der Band.
Der zweite eigene Song zieht sich wie der Titel selbst. Mit einer Gewitter-Tonkonserve startet "Ohne More Rainy Day". Traurig und auch lyrisch schmachtet Rod und beschwert sich übers schlechte Wetter. Jon hilft ihm mit seiner Orgel und umschmeichelt alles hübsch.
Bei "Prelude: Happiness / I’m So Glad" bedient sich die Band im Klassik-Segment und nimmt Bezug auf Rimsky-Korsakov. Aufgepeppt durch das so entstandene Intro wird dann der alte Titel von Skip James in die Ohren geleitet. Nicht schlecht das Ganze, bedenkt man, dass das Stück von 1933 stammt. Jedoch bleibt nicht viel beim Hörer hängen. Ritchie sorgt hier für einen kleinen Achtungsmoment.
"Mandrake Root" ist ebenfalls ein Meilenstein der Band. Diese Eigenkomposition wurde über die ganzen zwei Jahre dieser Besetzung immer wieder live gespielt und auch der gute Ian Gillan musste den Song live singen. Interessant ist der schroffe Wechsel des Tempos im Mittelteil. Hier hört man einen famosen Jon und ein super lebendiges Schlagwerk von Ian Paice. Auch Ritchie hält sich hier im Mittelteil nicht zurück. Ganz schön Hard und Rockig.
Mit dem Beatles-Cover "Help" geht es weiter. Wieder aufgepeppt mit Effekten entwickelt sich ein behutsam betreutes Stück Musik. Rod Evans konnte solche Sachen echt gut singen. Seine Stimme klingt zerbrechlich. Das Stück lebt von der zarten Intonation. Unweigerlich möchte man mitsingen.
Als nächsten Titel hört man mit "Love Help Me" eine Eigenkonstruktion der noch jungen Band. Wieder mit kurzem Intro startet ein für diese Zeit üblicher Pop-Song. Er verhallt so schnell wie er durch‘s Ohr rauscht.
Der letze Song auf dem Album ist einer der Höhepunkte nicht nur dieser Formation sondern der Band. "Hey Joe" ist eine Country-Ballade von Billy Roberts aus dem Jahre 1961. Ein famoses Intro schiebt den Song quasi nach vorn. Der Bass übernimmt und das ganze steigert sich zum geordneten Chaos bis es in sich zusammenfällt und Rod anfängt echt gut zu singen. Vom Gitarrenspiel des Originals bleibt nur der rhythmische Kurzteil zwischen den jeweils epischen Intonationen des Herrn Blackmore. Einfach klasse arrangiert und äusserst dynamisch bis zum Schluss. Die Version von Jimi Hendrix ist nicht annähernd so dynamisch. Ein unbedingter Höhepunkt.
Auf der Remastered-CD von 2000 hört man Ritchie noch die Tür des Studios schließen, nicht bevor er das Stück für gut befindet. Wo ich gleich bei dieser Ausgabe bin. Besonders beachtenswert sind hier die Bonus-Stücke. Wenn man hier genau hinhört kann man sich ungefähr vorstellen wie gut die Band hier im Grunde schon spielte und wie gut hier die Songs arrangiert waren. Dieser Umstand ist entscheidend, bedenkt man doch wie wenig Zeit die Musiker zum Gestallten der Musik hatten.
So hört man auch den Song "Shadows". Als Outro des Albums entstand es auch bei der Session. Wenn man so will handelt es sich hier um einen weiteren Pop-Song. Kein wirklich gutes Stück und aus diesem Grunde fand es wohl auch nie den Weg aufs schwarze Gold.
Nach dem Hören des Album bleibt ein Start einer Band zu konstatieren, welcher holprig und ungelenk daher kommt. Eines hört man jedoch schon sehr gut; hier gibt es harten Stoff. In den USA hatte die Band auch großen Erfolg. In Europa (vor allem in England) jedoch nahm man wenig Notiz von der Band. Die Konkurrenz war groß und alles schwamm noch auf der Hendrix-Welle. Auch der Siegeszug des britischen Blues war gerade in Schwung gekommen.


