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THE BOOK OF TALIESYN - Deep Purple

Kein Meisterwerk doch mit viel Potential

Der große Erfolg von "Hush" schrie förmlich nach mehr Stoff von der neuen Band. HEC wollte die Kuh melken bevor der frühe Ruhm verflog. Also wurde erneut ein Studio gemietet und die Herren Blackmore, Lord, Paice, Simper und Evans mussten wieder ran. Vom August bis zum September des Jahres 1968 fanden in den De Lane Lea Studios in London die Sessions statt.

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Man merkt dem Album die länge Zeit fürs Erstellen der Songs an. Die Stücke sind besser als auf dem Album davor. Noch immer ist die Orgel sehr dominant, jedoch blitzt hier und da schon eine sehr aufmüpfige Gitarre vor. Dieses Mal sind wieder drei Songs von fremden Personen. Die Beatles, Neil Diamond und Ike & Tina Turner werden gezogen und neu interpretiert. Im Grunde sind diese Titel jedoch nicht die eigentlichen Stars auf dem Album.

 

Mit dem Eigengewächs "Listen, Learn, Read On" startet das Album. Ein leichter Song mit einem Touch zum Pop. Radiotauglich und auch ein wenig einfallslos.

 

Ritchie‘s Gitarren-Lehrstück jedoch wäre als Starter besser geeignet. "Wring That Neck" kommt dynamisch daher und hat genug Drive für eine längere Zeit als die gut fünf Minuten auf dem Album. Wie oft hab ich diesem Ende schon zugehört? Ein reines Instrumental bei dem der fehlende Sänger echt nicht fehlt. Es besticht hier besonders wegen der Gitarre von Ritchie. Man wundert sich nicht, dass das Teil von nun an im Live -Programm war und es auch in der nächsten Besetzung oft gespielt wurde. So wurde es zum Duellschauplatz zwischen Jon und dem Man in Black.

 

Mit "Kentucky Woman" wird es dann wieder flacher. Ron gibt sich Mühe rockig zu klingen, jedoch wirkt er irgendwie kraftlos. Die Bassline ist dafür richtig stark. Auf dieser driftet der Song entlang. Ritchie hebt mit seinem Solo die Klatsch-Stimmung und auch Jon gibt der Orgel Stoff. Das rettet den Titel vorm Vergessen werden.

 

Der nächste Song beginnt wieder mit einem Intro. Dieses Mal bedient sich die Band bei Ludwig von Beethoven. Im Grunde wünscht man sich kein Ende doch nach gut 2,53 Minuten beginnt der Beatles-Song. Schade, denn der versinkt wieder etwas im Gewühl der Rillen. Nur ab und zu kommt Leben in das zähflüssige Stück. Zaghaft von den Herren Lord und Blackmore aus der Schwermut gerissen; kann "Exposition/We Can Work It Out" auch nicht ganz überzeugen.

 

"The Shield" hingegen ist künstlich langsam gehalten. Behutsam erzählt man von Sicherheit und ist durchaus lyrisch unterwegs. Kein schlechter Song, nicht schlecht ausgestaltet und durchaus abwechslungsreich. Mit etwas Ruhe im Gemüt genießt man die doch coole Instrumentierung. Jon‘s Orgel ist hier voll der Hammer.

 

Richtig gut hingegen ist "Anthem" Es ist mehr als ein Ausrufezeichen, es ist eine Ankündigung von Mehr. Es beginnt als zahmer Rocker und durchläuft eine Metamorphose hin zu klassischen Elementen. Wie hier erst die Orgel den barocken Mittelteil einleitet und die Streicher das aufgreifen und schließlich wieder an die Orgel und dann an die Gitarre abgeben ist einfach cool. Dann kommt der langsame Rocktitel zurück und beschließt das Stück. Ein Juwel für immer festgehalten; "April" vom Album danach lässt grüßen.

 

So wie "Anthem" aufhört beginnt auch die Einleitung zum Song "River Deep, Mountain High". Diese Coverversion ist in dieser Richtung echt gelungen. Sehr bombastisch und fast schon orchestral geht es hier zu. Passagenweise denkt man, man hört sich eine Sinfonie an. Dann beginnt Rod und irgendwie ist der Zauber vorbei. Es wird flach und die Discokugeln gehen an.

 

Wie schon auf dem ersten Album der Band hört man hier schon den Ruhm zukünftiger Jahre. Doch die manchmal recht flachen Momente - vor allem in den Cover-Stücken - sind ein Grund für echt verhaltene Bewertungen. Auch der Mittelteil von "Shield" reißt ganz sicher nicht die Bäume raus. Er ist dynamisch und interessant, jedoch wirkt er wie die eben beschriebenen Abschnitte der Platte.

 

Festzustellen bleibt jedoch, dass die Band und auch das Management erkannten welches Potenzial hier am werkeln ist. Derek Lawrence produzierte hier kein Meisterwerk. Abgemischt wurde es wiederum vom Herrn Barry Ainsworth. Sie schufen wieder ein Produkt, welches vermarktet werden konnte. Die Firma Tetragrammaton Records ging auf Grund der hohen Ausgaben der folgenden US-Touren letzten Endes auch in die Pleite. Die Scheibe war kein Reinfall, jedoch auch kein großer Gewinn.

 

Wer sich die Remastered-CD von 2000 zugelegt hat bekommt noch Bonus-Titel spendiert. Alle samt sind interessant. Sie beweisen wieder einmal was für klasse Material damals entstand.

 

Auch ein Outtake findet sich dort. "Oh No No No" ist nicht unbedingt eine Ruhmestat. Erstaunlich sind auch hier die instrumentalen Leistungen hinter dem Gesang. Das Stück sollte jedoch nicht verwechselt werden mit dem fast gleichnamigen Song vom Album FIREBALL.

 

Die beiden ersten BBC-Stücke sind hier hervorzuheben, da sie einiges enthalten was so nie wieder gespielt wurde. Sie sind selten gespielte Stücke aus einer längst vergessenen Zeit. Kommt "It’s All Over" noch als Pop daher, so konnte man in "Hey Bop A Re Bop" schon eine steile Rockgitarre vernehmen. Starke Instrumentals wie "Playground" tauchen immer wieder im Portfolio der Band - auch später - auf. Wie dieses coole Teil sind auch andere richtig gut gespielt. Ich mag einfach den Jam-Charakter solcher Stücke.

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