OPEN UP - Birth Control
Irre gut zum endlosen Genuss
Zu schnell vergeht die Zeit. Bernd Noske hat leider am 18.02.2014 für immer die Sticks aus der Hand gelegt. Seine Stimme ist für immer verklungen.

Eine Auflösung der Band wurde wieder beiseite gelegt und es ging mit Peter Föller und Manni von Bohr in die nächste Runde. Sie tourten wieder. Leider kam es dann zur aufgezwungenen Corona-Pause. Für Fans veröffentlichte die Band 2020 einen Live-Auftritt per Stream.
Ab dem 03.06.2022 ist das neue Album nun verfügbar. Über die verschiedensten Wege kann man das Teil erwerben. In einer bekannten Zeitschrift erfuhr ich vom Termin der Veröffentlichung von OPEN UP.
Der erste Song überrascht schon. "Gamma Ray 2.0" ist ganz sicher nicht der Superbrenner von einst. Die Einleitung unterscheidet sich erheblich vom Original. Kraftvoll und entschieden startet die Band einfach in den Song. Der Songtitel wird mit jeder Menge Power in die Boxen geschossen. Wundervolle Solo-Passagen kleiden den gut um die Hälfte geschrumpften Song meisterlich aus. Hier stimmt alles. Auch diese kürzere Version ist stark und geizt nicht mit Besonderheiten.
Mit "The Last Word" geht es einfach stark weiter. Ein toller Rhythmus gewinnt hier gewaltig Raum. Trotz des doch langsamen Titels wird es nicht langweilig. Peter singt echt stark. Entspannt und relaxt begibt man sich auf eine tolle Reise. Martin gibt hier eine starke Probe seines Könnens ab, immer gut durch die Band in Form gebracht.
Danach fliegt buchstäblich die Kuh. "Wrestling Mama" ist ein gefälliger Rocksong mit einem fantastisch starken Abgang. Der zweit kürzeste Song des Albums wird immer mächtiger. Druck erzeugt Sascha‘s Orgel und die Gitarre. Ganz sicher besitzt das Teil Hit-Eigenschaften.
Behutsam wird man durch Piano und klassische Gitarre in den längsten Song des Albums entführt. "Open Sesame" weitet sich dann fast schon mit einer Prise Funk zu einem weiteren Höhepunkt aus. Der Bass von Hannes ist raffiniert dominant und leitet den Hörer durch das Teil. Immer wieder ist man über die Töne erstaunt, welche das Innenohr erreichen. Einfach treiben lassen und sich förmlich im Stück aufgeben.
Weiter geht es dann mit "I Don‘t Mind". Auch hier wird man nicht enttäuscht. Mit den Drums startet man druckvoll in das Teil. Ein Rhythmus breitet sich aus, welcher fast automatisch die Kontrolle des Körpers übernimmt. Die Beine wippen der Kopf neigt sich von rechts nach links. Ein starkes Stück Musik mit jeder Menge Potential für mehr. Gerade live könnte das Teil abgehen wie die berühmte Tüten Mücken. Irre Gitarre zum Ende!
"Wannabe" hingegen beginnt verspielt. Fast Musical-Artig wirkt der Gesang von Peter streckenweise. Die Tempowechsel kommen echt toll. Vor allem wegen den wirklich starken Drums im Hintergrund. Manni zeigt auch hier, dass er sich richtig toll in die Band einbringen kann. Gerade die instrumentale Passage zum Ende hin ist beeindruckend.
Der Titel passt ins Leben. "Plans Get Lost" ist wieder absolut stark umgesetzt. Wieder trifft sich ein fantastischer Bass-Drive mit dem Rest der Band. Erneut ist man verblüfft von der Fülle des Sounds. Keine Minute ist förmlich wie die davor. Ein schickes Stück Band-Mucke mit Wiedererkennungseffekt.
Zum Schluss des Albums werden kurz noch mal die Membranen der Boxen durchgeschüttelt. Knallig und leicht geht es mit dynamischen Rhythmen durch "These Are The Days". Genau richtig zum Ende der in‘s Vinyl gepressten Rille. Wenn der letzte Ton verklungen ist hängt man dem Titel noch eine kleine Weile nach. Verwundert fragt man sich warum nicht noch mehr an Musik kommt. So bleibt dem nach Rock dürstenden nur die Wiederholung.
So erging es mir. Ich glaube nach dem Erhalt des Werkes habe ich das Teil gleich dreimal angehört. So etwas passiert mir nicht immer. Nur wenn mich die Musik nicht los lässt, ich das Verlangen nach noch mehr verspüre, gönne ich mir den Luxus der erneuten Verinnerlichung.
Mit diesem Album ist ein großer Wurf gelungen. Besieht man sich nur die Längen der Titel muss man eingestehen, dass solch lange Songs längst nicht mehr üblich sind. Nicht eines der längeren Stücke wird langweilig. Sechs der acht Musikstücke laufen über fünf Minuten! Alle Song haben ein ausgeklügeltes Ende. Keiner wird am Ende einfach herunter geregelt.
Jedoch nicht nur aus diesem Grunde finde ich das Album richtig gut. Es zwingt mich zur Ruhe um zu lauschen. Ich kann mich dann um nichts anderes kümmern. Musik zum Hinhören und Schmachten. Eigentlich gehört das Album vom Gefühl her nicht in diese Zeit. Es erscheint als ein Relikt aus den späten Siebzigern. Ganz gewiss kein Stoff für Otto Normalverbraucher. Fein justierte Lust und jede Menge Energie erschufen hier dieses kleine Meisterwerk.


