LIVE AUS DEM LOKSCHUPPEN IN STADTLOHN - Birth Control
Eine tolle Idee
Ende 2019 brach in China eine noch unbekannte Krankheit aus. Im Januar 2020 verkündetet die WHO eine weltweite Pandemie. Corona stoppte das gesellschaftliche Leben nicht nur in Deutschland. Alles stand still. Veranstaltungen wurden quasi von jetzt auf gleich besorgniserregende Verfielfältigungsereignisse. Alle Welt hatte Angst vor dem grausigen Befund COVID-19.

Musikschaffende und andere mit dieser Branche verwandte Berufsgruppen standen plötzlich vor dem Aus. Live-Konzerte gab es nicht mehr. Neue Alben zu veröffentlichen machte jedoch nur Sinn, wenn die Beteiligten hinterher mit den Songs an der Abendkasse Geld verdienen konnten. Ein Vertriebsgeschäft nur mit dem Tonträgern (bzw. durch Downloads) lohnte sich schon wegen der geringen Gewinnmargen nicht mehr richtig.
Die Idee ein Live-Konzert ohne Publikum zu veranstalten ist nicht neu. Unter diesen Voraussetzungen lag es auf der Hand. Ein echter Gewinn war damit jedoch nicht zu erwarten. Zur Wahrung der Fan-Matrix jedoch erschien diese Methode geeignet.
Am 30.05.2020 versammelte sich so die Band mit einigen Technikern im alten Lokschuppen in Stadtlohn. Online konnte man an diesem Projekt teilnehmen. Birth Control live eingefangen in Bild und Ton - das war das Motto.
Das Programm beginnt mit "The Work Is Done". Wie gewohnt eingeleitet durch die beiden Gitarren von Peter und Martin. Der Klang ist von Beginn an mächtig und klar. Die Band spielt sich gekonnt durch den kritischen Song.
"Right Place, Wrong Time" stammt vom aktuellen Album. Mit Talkbox steigt man spektakulär ein. Peter ist gut drauf. Alles pulsiert und die Orgel pumpt fleißig in das Teil. Schließlich übernimmt Martin wieder. Verspielt und locker gleitet man durch die Zeit. Augen zu und genießen, einfach treiben lassen. Sascha führt den Hörer zum Ende des Titels.
Herr Föller hat "Plastic People" einst selbst mit entworfen. Voller Stolz präsentiert er den Song. Die Band setzt das Teil auch cool um. Manfred trommelt echt stark. Zusammen mit den anderen bringt das Hammer-Stück die heimischen Membranen tüchtig in Wallung. Zum Ende hin verzaubert es der Herr Ettrich mit allerlei verzerrten Geräuschen.
Mit "Wasting My Time" sind wir zurück bei HERE AND NOW. Druckvoll beginnt das Teil. Im Grunde hört man eine Album-Version des Titels mit wirklich tollen Sequenzen der Orgel und der Gitarre. Immer wieder sind die Drums potent vertreten.
Mit dem guten alten "Trial Trip" geht es in die nächste Runde. Ruhig und episch führen uns Peter und Sascha in den Song. Dann schlägt das Gitarren-Riff erbarmungslos in die Parade. Bald jedoch ist die Härte verschwunden. Martin verzaubert die Hörer über einem tollen Orgelteppich. Gefühl wo man auch hinhört. Langsam in Dramatik und Geschwindigkeit zunehmend kann man nur eines tun. Den Regler aufreißen und genießen. Gute zwölf Minuten powergeladene Rockmucke.
Anschließend wird die Crew namentlich und bildlich präsentiert. Eine tolle Aktion, denn ohne diese anderen Menschen gäbe es diese Konserve nicht. Nicht vergessen werden die Mitglieder der Band selbst.
"Lost In The Sea" präsentiert anschließend das aktuelle Werk. Wieder entfaltet sich vor dem Innenohr eine gut aufgelegte Bandleistung.
Dieser Song beendet jeden Auftritt der Band in der letzten Zeit. "Gamma Ray" ist der endgültige Super-Knaller. Nicht wegen der Geschwindigkeit, nein hier geht es um Improvisation aller Bandmitglieder. Wer noch nie etwas zu diesem Thema gehört hat, dem empfehle ich diesen Song in mehreren Live-Versionen. Immer wieder in seinem Grundrhythmus klar erkennbar, finden alle Beteiligten die Möglichkeit sich ein wenig ins Licht des Abends zu stellen. Nicht einzeln, sondern im Kreise der Mitwirkenden.
Da das euphorisch beglückte Publikum leider fehlt wird auch keine Zugabe eingefordert. Auch ein Drum-Solo fehlt. Viel zu schnell ist das Ende gekommen. Es verdunkelt sich der Bildschirm und damit auch der Blick auf die Band. Der Betrachter ärgert sich ein wenig. Gute 88 Minuten sind einfach zu wenig!
Die Band jedoch kommt klar durch die Verstärker und ankert trocken beim Konsumenten ein. In dieser Tonqualität ein wirkliches Vergnügen. Der lauschende Kostverehrer ist beschwingt vom gehörten und gesehenen.
Einzig das grölende und applaudierende Auditorium fehlt gänzlich. Das stört schon, da auch die Musiker auf der Bühne durch optische und akustische Eindrücke angespornt werden. Der kleine Extra-Schuss an Spontanität und Spielfreude fehlt so.
Diese Online-Darbietung ist jedoch mehr als eine im Netz verfolgbare Probe. Sie ist vielmehr ein Dankeschön an die Fans fürs Verständnis wegen der vielen ausgefallenen Konzerte in diesem schlimmen Jahr 2020.


