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Live Harmonie Bonn 2018 - Birth Control

Eine tolle Leistung

Birth Control waren und sind für mich immer die Helden im guten alten Deutschland gewesen. Seit ihrer frühesten Zeit verkörpern sie erstklassige Musik, ebensolche Musikalität und auch irre viel Abwechslung. Am 18.02.2014 verstummte die Stimme der Band. Bernd Noske war der Mastermind, Drummer mit Leib und Seele. Das wohl beständigste Bandmitglied gab es nur noch in den Erinnerungen vieler Getreuen. Konnte es ein Leben nach seinem Tod geben?

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2016 wurde HERE AND NOW veröffentlicht. Postum gedachte man dem langwierigen Freund und Musiker. Peter Föller fand seinen Weg zurück zur Band. An den Drums betätigte sich ebenfalls ein alter Bekannter. Von 1977 bis 1980 schwang er die Sticks. Nossi war in dieser Zeit hauptsächlich fürs Mikro zuständig.

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Das hier vorliegende Album ist sicher nicht mit jenen der Traumjahre vergleichbar. Die Band war eine gänzlich andere. Alle Beteiligten spielten einst mit Nossi zu unterschiedlichen Zeiten. Peter Föller ist nun der Band-Senior. Er ergänzt die Band mit Gitarre und der Betätigung von allerlei ausschmückenden Klängen. Manfred von Bohr verlor seinen Traumjob bei Birth Control wegen einer Erkrankung. Nun ist er wieder festes Bestandteil der Formation. Puristen werden nun schimpfen, aber die Band schwang sich wieder auf und überzeugt bis heute.

 

Auftritte im Rockpalast gestalteten sich für die Band bis 2004 eher schwierig. Das Management wechselte und so wurde die Band am 23.04.2004 in der Harmonie in Bonn das erste mal in diesem Rahmen aufgenommen. Am selben Ort wird Birth Control am 07.04.2018 erneut in BILD und Ton festgehalten. 

 

Nossi eröffnete einst jedes Konzert mit einem Ruf ins Publikum. Nun startet "The Work Is Done" mit Gitarren-Klängen von Martin und Peter. Erst gute drei Minuten später bricht das Teil gewaltig los. Sofort ist man wieder im schicken Protest-Song. Peter klingt natürlich anders als Nossi. Er wird dessen markante Stimme nicht ersetzen können. Doch er wirkt vertraut. Bei immerhin vier Alben in den Siebzigern war er schließlich der singende Hauptpart. 

 

Weiter geht es mit einem Song vom aktuellen Album HERR AND NOW. "Right Place Wrong Time" wird durch Peter gut gesungen. Hier hören wir Martin das erste mal seine Stimme verzerrend einzusetzen. Peter hilft ihm dabei. Die Solos sind einfach toll eingelegt. Sachsa wird auch dem Publikum namentlich präsentiert. 

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1975 saß Nossi noch hauptamtlich hinter Schießbude. Manfred vertritt ihn gut. "Plastic People" schiebt sich schwer über die Bühne. Trotzdem knallt die Band das Stück musikalisch sauber auf den Bretter. Es gefällt die ganzen zehn Minuten. 

 

Manfred von Bohr trug 1978 die Sticks. "Titanic" war in jenem Jahr der Titelsong der LP. Das Teil wirkt frisch, unbelastet und bretthart. Martin Ettrich greift hier schon mal richtig hin. Einfach stark wie er mit seiner Talkbox sein Instrument erweitert. Eine coole Leistung. Peter würdigt ihn indem er den Gitarristen mit seinem Spitznamen präsentiert. 

 

Danach geht die Post echt ab. "Back From Hell" ist powergeladen und gefällt. Auf REBIRTH auch vom Herrn Föller gesungen, gehört es schon seit einiger Zeit in die Auftritte der Band. Es gibt Keyboard-Passagen und irre Gitarren-Läufe. 

 

Danach geht es zurück zum 2016 veröffentlichten letzten Album. "Wasting My Time" wirkt auch mit Manfred von Bohr druckvoll. Peter singt es auch richtig toll. Besieht man sich die Aufnahmen, so fällt auf, dass er öfters (auch bei anderen Songs) nach unten sieht. Für ihn erscheinen manche Texte noch neu und unvertraut. Auf dem Boden sieht man den Bildschirm. Doch wem das stört der soll einfach die Augen schließen. Die Mucke jedenfalls lebt und die Halle bebt. 

 

In der heutigen Zeit ist ein Solo des Drummers immer noch ein Höhepunkt des Abends. Viele moderne Bands verzichten darauf. Das ist unbedingter Blödsinn. Hat man solch einen Experten hinter den zahlreichen Schlagwerk darf man diesen nicht in den Hintergrund verbannen. Wo verdammt hört man heute noch acht Minuten Schlagwerk mit eignem Titel! Ein wahres "Mannifest". So stellt man sich das vor.

 

Mit dem aktuellen Instrumental "The Wich" wird die Situation auf der Bühne ruhiger. Wieder beteiligt sich Peter mit einem zweiten Sechssaiter am Geschehen. Die Gitarre steht ihm gut, zumal ein Instrumental keinen Sänger erfordert. Die Belegschaft holt Schwung. 

 

Alles geht ganz sicher hinauf zum finalen Überhammer. Die letzten gut 40 Minuten des Programms laufen. 1975 erblickte "Trial Trip" das Licht der Welt. Schon mit Nossi gehörte das Teil vor 2014 ins Abendprogramm. Behutsam leitet Peter das Teil ein. Singen kann er, das muss er keinem mehr beweisen. Einfach die Augen schließen, die Regler an der Anlage hochreißen und treiben lassen. Wunderschöne Passagen folgen aufeinander. Herr Föller streut hübsche Effekte ein. Rockmusik wie sie für alle Zeiten erhalten werden muss. 

 

Das aktuelle "Lost In The Sea" passt wunderbar dahinter. Es fügt sich super an das Alt-Werk zuvor. Diese Band sprüht vor Spielfreude und entsprechend launig geht es weiter. Erneut warten zehn bezaubernde Minuten auf den Interessierten in der Halle und vor den heimischen Membranen. Musik zu mitsingen während sich die Beine unweigerlich im Rhythmus hin und her bewegen. Der Kopf bewegt sich seicht und man verinnerlicht diese tollen Klänge. 

 

Das reguläre Programm endet immer mit "Gamma Ray". Das sind Birth Control wie ich sie kenne und liebe. Hier geht die Post ab und es wird gejammt bis die Verstärker heiß werden. Während des Solos des Herrn Vesper verlässt Sascha seine Keyboards und bedient begleitend ein kleines Schlagwerk vor seinem Instrument. Wer diesen gut zwanzig Zeiteinheiten nicht gebannt lauscht, Freunde der braucht dringend eine Ohrspülung! Alles gut und ein wahrer Grund zur Freude. 

 

Eine Zugabe und dann ist Schluss. "Live In The Here And Now" ist das alles entscheidende Motto. Ein wirklich guter Rat und ein letzter Gruß von Bernd Noske. Wieder klampft Peter als Zweit-Gitarren-Beauftragter durch den Song. 

 

Ist schon eine tolle Schar von Musikern dort auf der Bühne. Sie benötigen keine überwältigende Lichtshow. Sie spielen einfach auf und haben Spaß dabei. Das sieht man in jeder Sekunde des Videos. Die Bühne in Bonn erscheint echt viel zu klein für diese Art der Musik. Klar sind die Jahre nicht spurlos vorübergegangen.

 

Erkenne ich hier Birth Control auch ohne den übermächtigen Drummer wieder? Ich denke schon. Mir gefiel immer diese tiefe Verwurzelung im melodiösen Rock. Nicht dieser immer gleiche Rhythmus vieler der heutigen Bands - viel zu oft hören sich die Stücke verschiedener Bands gleich an. Alle wollen den großen Hit und glauben ihn nur auf diesem Wege zu bekommen.

 

Hier hört man Handwerk, sieht man Begeisterung und Hingabe. Egal wie das Tempo der Band sich entwickelt; man hat immer den Eindruck hier baut sich etwas spontanes auf. Immer wieder spürt man eine Steigerung.

 

Wenn man unbedingt meckern muss, dann doch bitte über den schlechten Schnitt der Aufnahme. Die Passagen zwischen den Stücken wirken lieblos zusammen gekleistert. Das stört schon beim Betrachten der Bilder und beim Hören des Albums. Die Musik jedoch lebt trotz allem weiter.

 

Abschließend sei konstatiert; ein einfach gutes Konzert für alle die sich gerne eine gute Band mit guter Mucke reinziehen. Kein Allerweltskram sondern gutes Zusammenspiel aller mit Verstand. Keine Langeweile kommt da auf. Ein Dokument eines gelungenen Abends mit einer Band, welche sich gut einspielt und auch in den Solos die Musiker nicht allein lässt, außer den Drums. Die muss man sich pur reinziehen - das erwartet der Fan.

 

Alles was die Band für mich besonders macht ist auch auf den beiden Silberlingen (CD und DVD) zu hören; oder besser noch zu sehen. Jede Menge gute Musik höre ich mit viel Improvisation.

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