HERE AND NOW - Birth Control
Nossi‘s Vermächtnis führt zum Neuanfang
Im März 2011 gab Peter Engelhardt sein letztes Konzert im “Schwarzen Adler“ in Rheinsberg. Er ging fortan eigene Wege. Kurios ist, dass 1999 Sascha Kühn im selben Saal seinen Einstand gab. Für Peter spielte fortan Martin “Ludi“ Ettrich nicht nur an der Gitarre, sondern auch an der Talk-Box. Martin hatte mit der Band schon Erfahrung. 2009 stand er als Sub mit den Anderen auf der Bühne. So war er ein echter Glücksgriff für alle Beteiligten.

Zusammen mit dem neuen Gitarrenbediener spielte die Band ab Mitte 2011 neue Songs ein. Im Dezember nahm Nossi noch fehlende Gesangs- und Schlagzeug-Spuren auf. Leider verstarb er plötzlich und unerwartet in seiner Wohnung in Rupprichteroth am 18.02.2014. Quasi postum fand das Album nach langem Zögern am 18.03.2016 den Weg in die Herzen und Ohren der Fans.
Das letzte Studioalbum mit dem Super-Drummer beginnt mit "Lost In The Sea". Ein Midtempo-Song, welcher sich kräftig durch die Boxen drückt. Schuld daran ist vor allem der knackige Bass. Die Orgel wirkt im Mittelteil fast schon klassisch ausgerichtet. Eine schöne Mucke ohne Schwachstellen.
"12 Steps" startet spektakulär mit einem harten Gitarren-Riff. Hier hört man den neuen Gitarristen bei der Arbeit zu. Brett hart fängt das Riff die fein ausgearbeitete Passagen auf. Abwechslung pur mit einem schicken Gitarrenspiel versehen.
Verspielt und locker Rockt "Me And My Car" vor sich hin. Bestes Rock-Radio-Material. Die Band schwebt quasi durch das Teil. Alles wirkt leicht und unbeschwert. Beachtenswert ist die kurze Saxophon-Passage, gespielt vom Albie Donnelly (unter anderem auch bei Pete York`s Rockzirkus). Sie lockert das Teil merklich auf.
Nicht so schnell wie es der Titel zu versprechen scheint geht es mit "Run With Me" weiter. Eher langsam im Grundtempo entfaltet sich vor dem Hörer ein schicker Rocker auf einer tollen Bass-Line. Total entspannt gleitet man durch das Teil.
Mit dem Instrumental "The Witch" geht es weiter. Die elektronischen Einspielungen erinnern ein wenig an die Band Mitte der Siebzigerjahre. Sie rahmen das sanfte Stück ein. Bedächtig und ohne Eile folgt man einer wirklich schönen und gefühlvollen Melodie.
"Wasting My Times" pulsiert und passt gut hinter den Vorgänger. Eine schöne und willkommene Abwechslung. An diesem Song ist nichts falsch. Aufrichtig und offen erlebt man den Song als Bekenntnis zur Ehrlichkeit. Das Teil passt zur Band, ist beschwingt und geht sofort ins Blut. Irre gut wie stark die beiden Solos ins Gesamtpaket passen. Das reißt mit. Genau solche Stücke erwartet der Musikvernarrte am anderen Ende der Membranen.
Auch beim nächsten Teil schwebt die verdrängte Luft vor den Boxen. "Right Place Wrong Time" ist ein Hammer-Teil. Mit Talk-Box und spacig klingender Orgel geht es über die gut sechs Minuten. Man fühlt sich einfach unterhalten. Hier fällt besonders das Schlagwerk auf. Man hört sogar einige afrikanisch klingende Ansätze. Mit Sicherheit einer der Höhepunkte des Albums.
Der schwere Blues im Anschluss erdet irgendwie. "I Would Not Want To Be You" ist tatsächlich kein Langweiler. Ganz im Gegenteil wirkt der Song offen und dynamisch. Die Solos sind gut eingepasst. Sie lockern das Geschehen schön auf und schaffen freien Raum.
"Rat In My Flat" wirkt fast schon jazzig. Locker springt der Rhythmus durch die Gehörgänge des Lauschers. Man hört gern hin und erfreut sich an den außergewöhnlichen Klängen der Orgel. Auch der kurze Rap-Abschnitt (Andy Zingsem als Gast) wird toll in den Song eingefügt. Er stört dort nicht sondern hebt das eh schon besondere Stück ein wenig hervor.
Immer mal wieder tauchte der einstige Sänger und Bassist Peter Föller nach seinem Weggang von der Band als Gast auf. So auch bei "Truth Is Mine“. Die Effekte sind hier einfach famos gesetzt. Man lauscht gespannt und erfreut sich an dem was man von beiden hört. So sollte Musik sein; schick ausgekleidet mit Solos und Klängen.
"Live In The Here And Now“ ist das letzte Stück auf dem Album. Es ist das Motto für die Band und wohl auch ein Hinweis auf die Zukunft.
Nach dem Album stand die Band erneut vor dem Aus. Als Bruno Frenzel ´83 starb fragte man sich ob ein Weiterbestehen noch Sinn ergäbe. Im Jahr 2014 fand man nach dem Ende der Trauer wieder die Kraft eines Neuanfanges. Das wirklich gute und hörenswerte Album wurde 2016 veröffentlicht. Peter blieb der Band erhalten. Man holte sich einen alten Bekannten in die Band zurück. Zusammen mit Manfred von Bohr und startete so eine neue Episode der Bandgeschichte. Die zugehörige Doppel-LP wurde auf der vierten Seite mit drei Titel aus dem letzten Konzert mit Nossi am 30.11.2013 in Ludwigshafen veröffentlicht.


