LIVE AT ROCKPALAST - Birth Control
Was lange währt wird gut
Ende 1998 entstand in Celle die Idee durch Fans Birth Control in den Rockpalast zu bringen. Während dieses Fantreffens wurden dann 200 Unterschriften gesammelt und anschließend gab es Mucke auf die Ohren. Im Jahr darauf nahm die Bewegung “BC For Rockpalast“ Struktur an. Weit über 5000 Unterschriften überzeugten Peter Rüchel nicht. Fünf Jahr später jedoch wurde das Flehen der Fans erhört. Die mittlerweile neu formierten Offiziellen erkannten schließlich das Potential der Band.

Man wollte jedoch nicht nur eine Band präsentieren. Der doch hohe Aufwand sollte ein größeren Rahmen bekommen. So buchte man die Harmonie in Bonn vom 21.12.04 bis 23.12.04. Zum dreitägigen Kraut-Rockpalast wurden insgesamt sechs Bands gebucht. Mit dabei waren Guru Guru, Amon Düül II, Karthago, Epitaph, Jane und Birth Control am letzen Abend.
Die Band wurde also am 23. Dezember in Bild und Ton mitgeschnitten. Das Material kann man jederzeit über das Online-Portal vom WDR Rockpalast einsehen. Auch die Band brachte es 2005 auf CD über das Label Mr. D. Music.
Die Formation befand sich zu jener Zeit auf ihrer 35th Anniversary-Tour. Das Programm wurde in diesem Sinne gestaltet. Den Auftritt eröffnet wie gewohnt Nossi. “Are You Ready?“ ruft er in den Raum, danach startet das famose "Rock The Road". Knochentrocken steigt Peter ein. Der Titel geht voll nach vorne.
"What's Your Name" erschien nur auf einer Single im Jahre 1972. Hier lassen es die Herren nochmals erklingen. Der Non-LP-Song steht gut im Futter. Ein starkes Orgelfundament donnert fett durch die Luft. Trotz des gebremsten Grundtempos drückt sich das Teil ohne Unterlass in die Herzen der Erschienen. Druck vom Anfang bis zum Ende.
Man merkt "Trial Trip" die teilweise verkopfte Spielweise des Originals (1975) mittlerweile nicht mehr an. Die bleischwere Rocknummer ist gewachsen zum eigenständigen Rockepos. Das Riff mit seiner schrittweisen Steigerung greift schließlich ins Leere. Beschaulich geht es weiter. Gitarre und Orgel in totalem Einklang. Augen zu und träumen, einfach der Melodie lauschen. Einfach klasse bis zum tollen Ende. Viele andere und vielleicht auch bekanntere Bands schaffen dieses sich steigernde Power-Niveau nicht.
"Hope" ist noch älter. 1970 auch nur als Single unters Volk gebracht. Dieser Umstand sagt jedoch nichts über das kompositorische Talent der Band aus. Es wirkt auch noch heute frisch. Was den Boxen entweicht hat mit verstaubten Rock aus längst vergangenen Zeiten nichts gemein. Allein die Orgel-Einlage und die fesche Tastatur-Unterlegung sind es wert erwähnt zu werden.
Von OPERATION stammt "Just Before The Sun Will Rise". Auch hier erfreut man sich an der Lebendigkeit des doch schon 1971 erschienen Stückes. Ich glaube Ritchie Blackmore sagte einmal, dass die Gitarre durch die Begleitung einer Hammondorgel wirklich besser und voller klingt. Bei dieser Band spürt man diese Erkenntnis wie bei keiner zweiten Formation. Auch allein sind beide Tonspender schon spitze, zusammen bilden sie diese tolle Klangbild. Bass und Schlagzeug ergänzen es und geben nochmals Druck.
Vom aktuellen Album kommt "Like Nothing Ever Changed". Es passt ausgesprochen gut zu den alten Stücken und fügt sich gut ein. Wieder hört man eine wirklich coole Darbietung. Es fühlt sich leichter an als auf ALSATIAN.
Peter Föller darf bei sich bei "Back From Hell" wieder mit der Band vereinen. Er war bei diesem Gastspiel begeistert von der Qualität der neuen Mitglieder dieser Formation. Nach BACKDDOR POSSIBILITIES stieg er aus. Auf dem Album REBIRTH (1974) erschien es erstmals. Zusammen mit Nossi teilt er sich den Gesang. Wieder klingt es frisch und unverbraucht. Das Teil bricht sich gewaltig seinen Weg ins Innenohr. Zweistimmig geht es in den Refrain. Wem hier nicht die Beine wippen, der sollte schnellstmöglich medizinische Hilfe anfordern.
1971 fürchteten sich die Produzenten das Cover zu veröffentlichen. Es gab Proteste von Verpackern, welche sich weigerten die Scheiben in die Hüllen zu stecken. OPERATION wurde nicht nur wegen dieser Umstände unvergesslich. Auch dieser Titel hier war ein riesiger Erfolg. "The Work Is Done" ist heute aus den Konzerten nicht mehr wegzudenken.
Das sich daran anschließende Schlagzeug-Solo ist fester Bestandteil jedes gelungenen Abends. Wenn Bern Noske mit den Sticks die Felle zum klingen bringt ist das fürs Fußvolk vor der Bühne immer ein Ereignis. Ihn mit Freigeistern wie Ginger Baker in Verbindung zu bringen ist nicht unbedingt falsch. Der Mann ist Unterhaltung pur. Leider kommt er hier zu kurz.
Den Ärger über die Kürze seines Allein-Auftrittes zerstreut schließlich die erklingende Synthesizer-Einleitung zum wohl bekanntesten Song der Band. "Gamma Ray" ist an jedem Abend eine Erwähnung wert. HOODOO MAN erschütterte 1972 mit diesem Epos die Welt. Wie auch immer man zu dem Gehörtem steht ist im Grunde egal. Es bleibt eine Jam-Nummer ohne jeden Trödel. Die Band präsentiert sich hier mit einzelnen Solo-Anteilen und stellt sich hier nochmals vor. Mit fast 20 Minuten Laufzeit schon ein wenig kurz, jedoch in der Ausführung einfach meisterlich.
Mit Peter Föller und "She's Got Nothing On You" (1974) geht es in die Endrunde. Eine gut aufgelegte Band verabschiedet sich vom Publikum. Sie hinterlässt ganz sicher bei den begeisterten Fans ein Gefühl der Euphorie.
Keine Minute gelangweilt will man am besten nie mehr aus dem Gebotenem aussteigen. Zu schick sind die Bilder und Töne. Aber gäbe es kein Ende würde in dem davor erlebten kein Reiz mehr stecken. Der Inhaber einer Konserve kann diese schließlich erneut abspielen. Und das sollte der geneigte Besitzer dieser Hinterlassenschaft auch dringend so handhaben.
Diese Veröffentlichung ist eine wirklich große Nummer. Die Band erstrahlt im hellsten Lichte, ist voll bei der Sache. Ein Auftritt welcher auf der Webseite des WDR immer wieder auch im Bild genossen werden kann.
Den vielen Mühen der Bandbeteiligten im Vorfeld, den vielen Unterschriften der Fans und dem unweigerlichem Weiterbestehen dieser Formation sind diese ewig in Form gehaltenen Töne zu verdanken. Keine Sekunde des Werkes sind vergeudet, alles ist in totaler Frische für immer festgehalten.


