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LIVE '71 (REPERTOIRE-MIX) - Colosseum

Ein gelungenes Album für Eingeweihte 

Vom Januar bis März 1971 tourte die Band durch England. Bei dieser Gelegenheit ließ das Management die Bänder mitlaufen. Ein Teil der bei diesen Auftritten mitgeschnittenen Songs erschienen im Juni `71 auf einer Doppel-Live-LP. Diese gilt bis heute als eines der besten Alben nicht nur der Band, sondern auch als eine der Vorzeige-Veröffentlichungen im Live-Genre gesamt.

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Der kristallklare Klang mit der schon die fast studiotauglichen sauberen Abmischung verbunden mit der außergewöhnlichen Musik, all’ das machte dieses Vinyl zu einem kleinen Meisterwerk an sich.

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Über die Abfolge und die Aufnahmeorte der Stücke selbst herrscht bis heute eine nicht mehr ergründbare Unordnung. Weder die Mitglieder der Band noch die Aufnehmenden selbst konnten hier im Verlaufe der Zeit Abhilfe leisten. 

 

Wie durch ein Wunder ergab es sich, dass der Auftritt der Band in Canterbury vom 12. Februar 1971 erhalten blieb. Das Material vom Abend selbst wurde nicht für das Live-Album benötigt. So hörte wohl noch kein Fan diesen Mitschnitt. 

 

Repertoire Records veröffentlichte den Mitschnitt 2020. Das Material wurde neu abgemischt und mit einer weiteren CD ergänzt. Diese enthielt schon bekannte Aufnahmen der 2016 überarbeiteten und extragroßen Ausgabe der LP LIVE `71 (zweite CD). Auch wurden diese Songs auf der Mehrfach-CD Morituri Te Salutant (auf der dritten CD) ein zweites Mal veröffentlicht. 

 

Der Abend in Canterbury startete "Tanglewood ’63“. Ein wirklich tolles Stück Musik, welche in dieser Fassung noch unbekannt war. Allein das außergewöhnliche Solo von Dick ist eine gesonderte Bemerkung wert. Sein um einiges längerer Part zeigt er hier was für ein toller Musiker er war. 

 

Beim darauf folgenden "Rope Ladder To The Moon" startet Chris zu früh in den Song. Das wirkt seltsam, zeigt es jedoch, dass es bei aller Perfektion immer wieder zu Missverständnissen kommen kann. Der Song selbst wirkt lebendiger als auf dem Album von 71. Wirkliche fantastische Drums verbinden sich im Mittelteil mit einer Hammer Orgel. 

 

"Walking in the Park" startet hier cool mit den Drums. Erst dann hört man Clem. Der klingt sowieso richtig toll und auch voll. Sein Gitarrenspiel kommt in dieser Abmischung besser zu Geltung. Chris singt einfach klasse. 

 

Gut anderthalb Minuten kürzer als auf den bekannten Aufnahmen ist "Skelington". Clem wirkt hier fast schon ruhig und konzentriert. Sein Solo wirkt nicht so konzentriert wie auf dem Original. Es ist jedoch fast besser im Klang und Gefühl. Nicht so „glatt gemischt“ - ein dummer Ausdruck jedoch irgendwie zutreffend. Auch meldet sich Chris nach dem Gitarren-Solo beim Start in den Song und beteiligt sich so im Soundgefüge. Mir gefällt diese Ausführung besser. Eine Jodeleinlage (wie auf dem Original-Album) gibt es zum Ende hin nicht mehr. 

 

"The Machine Demands A Sacrifice" kommt mit echt cooler Gitarre und anknüpfendem Schlagzeug-Solo. Einfach klasse. "Time Machine" lässt grüßen.

 

Famos beginnt dann "Lost Angeles". Mit der Orgel gehen die Konzertbesucher mit. Druckvoll spielt sich die Band in den Rhythmus. Der Start ist stark eingeleitet und umgesetzt. Ein Song wie ein Mahnmal. 

 

Der Sound des Albums klingt moderner als der des Originals. Bei der Abmischung von 1971 wirkt die Musik nach oben hin offener. Bei der hier besprochenen Version ist die Tonmischung kompakter. Man hört viele Sachen nicht so gut wie auf den Aufnahmen vom Original. Das tiefe Luftholen von Dick beim Solo in "Tanglewood '63" ist hier kaum noch zu hören. Auch wird nicht zwischen den einzelnen Stücken der Beifall herunter geregelt. Das bestärkt die Live-Atmosphäre noch zusätzlich.

 

Die Songs wirken im Allgemeinen besser in der Ausführung. Sie erscheinen nicht so perfekt wie auf dem 1971 erschienen Album. Also im Grunde eine echte Live-Situation. Nicht dass diese im ursprünglichen Werk nicht auch toll wäre. Hier bei dieser Aufnahme hört sich die Live-Situation einfach wahrhaftiger an. 

 

Eine Veröffentlichung im Grunde nur für hartgesottene Fans und Puristen. Der durchschnittliche Musikliebhaber hat das Original-Album im Portfolio. Warum also solle er sich gleich noch einen Mitschnitt besorgen. Für mich jedoch ist dieser Mitschnitt eine echte Bereicherung. Er hält das damalige Potential der Band für alle Zeiten fest und gibt dem geneigtem Fan neue Einblicke in die Arbeit aller Beteiligten. 

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