LIVE (ESOTERIC-MIX) - Colosseum
Ein Album für die Ewigkeit
Die Band stand in der Blüte ihres Daseins. Sie gaben auf der Tournee zu ihrem Album DAUGTHER OF TIME richtig Gas. Das Management ließ bei verschiedenen Auftritten in England die Bänder mitlaufen. Unter anderen wurden Konzerte in Manchester, in Brigthon, in Bristol und in Canterbury aufgenommen. Die Mitglieder der Band selbst können sich so richtig nicht mehr an alle Aufnahmeorte erinnern.

Sieben Titel fanden schließlich den Weg in die schwarzen Rillen. Es gibt keine Angaben zum Aufnahmeort der jeweiligen Songs. Denkbar ist, dass die Mitglieder der Band es selbst nicht wussten, oder diese Information schlicht nicht nennen wollten. Fest steht jedoch, dass diese Songs von den Auftritten in der Universität in Manchester (18.03.1971) und im Big Apple in Brigthon (27.03.1971) stammen. Mehr Informationen hierzu gibt es leider bis heute nicht. Wen interessiert jedoch die Herkunft der Songs, wenn man dieses Album hört!
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Einfach grandios startet das Album mit "Rope Ladder To The Moon". Die Nummer von James Brown und Jack Bruce wurde gewaltig aufgearbeitet und Chris singt sie einfach richtig gut. Der Titel wirkt nicht überschnell, die Band triumphiert jedoch mit einer Spielfreude, welche den Song dann tüchtig beschleunigt. Einfach cool wie sich die Instrumente hier ergänzen. Die Orgel wechselt mit dem starken Schlagwerk. Die Drums sind immer da und der Mann dahinter spielt fast eigenständig mit den anderen Beteiligten.
Weiter geht es mit dem Graham Bond Klassiker "Walking in the Park". Mit Drums und Gitarre steigt man hier ein. Nach den ersten Sekunden der „geordneten Unruhe“ beginnt auch hier ein Power-Stück der Meisterklasse. Stampfend und mit doppelten Bläsersatz von Dick reißt das Teil sofort mit. Auch Clem spielt hier seine Parts einfach spitze ab. Auch hier glänzt die Band mit mehrstimmigen Gesang in der Mitte des Songs.
Nähert man sich dem Ende des Titels muss man sich zum Plattenspieler begeben. Auf der zweiten Seite wartet schließlich "Skelington". Mit einem urigen Schrei startet die Eigenkonstruktion von Clempson und Hiseman. Chris Farlowe singt wie ein junger Gott. Wahnsinn das alles! Und dann setzt Clempson-Gitarre ein. Einfach nur cool und mit Gänsehaut-Momenten überzogen. Und wieder dieses Schlagwerk von Jon. Am Ende gibt Chris noch eine überzeugende Probe seiner Gesangskünste. Er jodelt sogar.
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Nach diesen gut 15 Minuten fragt man sich wo die Zeit geblieben ist. Nach dem Ende des Songs läuft die Nadel in die Auffangrille. Mist aufstehen und die nächste Scheibe aus der Hülle zaubern. Zum Glück gibt es zwei davon. Also schnell die dritte Seite nach oben, Nadel runter und hinsetzen.
Mit dem gut 10 Minütigen "Tanglewood '63" geht es weiter. Wieder hört der geneigte Fan eine vorzüglich eingestimmte und eingespielte Band. Mit tollem Koloraturgesang eröffnet sich die dritte Seite des Albums. Mehrstimmig wird hier die Melodie modelliert. Dave greift das Thema auf und drückt seiner Orgel gehörig auf die Tasten. Dieser Song pulsiert, er lebt, er existiert nicht sondern ereignet sich einfach. Alles ohne eigentliche textliche Botschaft nur mit der Schönheit der Musik bewaffnet bläst Dick ins Saxophon. Improvisation ist hier das Zauberwort.
Ein Teil der Zugabe war einst "Stormy Monday Blues". Der Blues-Klassiker von Aaron T. Walker wird wie gewohnt gekonnt umgesetzt. Chris glänzt und ist bis heute der Musikrichtung treu geblieben. Siebeneinhalb Minuten schmachtet man und hat den Blues. Fast hat man das Gefühl sich gemeinsam mit den Beteiligten aus dieser Misere heraus zu arbeiten. Gebannt hört man den Klängen zu und wird gefangen genommen vom treibenden Bass. Man lässt sich mitreißen von der Gitarre und dem Saxophon. Bis alles dann untergeht und es mit viel Humor zu Ende geht.
Schnell die Scheibe ein letztes Mal drehen. Die vierte Seite startet mit "Lost Angeles". Ein Song des nur in den USA und Canada erschienen Albums THE GRASS IS GREENER. Wieder eine Eigenkomposion der Herren Clempson und Hiseman. Das Teil geht ab wie die sprichwörtliche Tüte voller Mücken. Die folgenden 15 Minuten sind prall gefüllt mit geilem Gesang, Tempowechseln und starken instrumentalen Leistungen. Diese Dynamik und die Art des Spieles zeichnen nicht nur diesen Song sondern auch das ganze Album für immer aus.
Ein absoluter Meilenstein, eine irre Mischung aus Rock und Jazz. Frei gespielt und bis heute unerreicht. Diese absolute Mischung aus Anspruch und musikalischer Leistung konnte nur durch diese Menschen auf der Bühne ans Publikum weiter gegeben werden.
Erst viel später erschien noch ein weiterer Song aus dem Aufnahmefundus. Das ebenfalls grandiose "I Can't Live Without You". Auch hier wippen die Füße im Takt. Man freut sich über die ausufernde Spielfreude aller Beteiligten, ist fasziniert von der instrumentalen Wucht und der Energie.
2016 wird dieser Titel mit weiteren sechs Titeln in einer überarbeiteten und extragroßen Ausgabe erneut veröffentlicht. Neben den Titeln des Albums an sich findet sich hier das Schlagzeug-Solo "Time Machine" eingebettet zwischen "I Can't Live Without You" und "The Machine Demands A Sacrifice". Auch andere Fassungen von schon vorhandenen Stücken hört man. Ebenso findet man auch die Aufnahme der "Valentyne Suite" aus Manchester. Dieses Mal mit Clem Clempson an der Gitarre. Sie wirkt dynamischer und im letzten Teil deutlich druckvoller als beim Original. Auch hier wieder eine echt erstklassige Leistung.
Herausgegeben wurde diese Fassung durch Esoteric Recordings. Die Abmischung und der Klang sind exzellent. Auch auf der Mehrfach-CD Morituri Te Salutant
sind diese Stücke auf der dritten CD zu hören.
Im Jahre 2020 veröffentlichten Repertoire Records ebenfalls diese Titel auf der zweiten CD. Hier jedoch in einer anderen Abmischung. Die erste CD der Veröffentlichung ist jedoch bemerkenswert. Hier hört man die Band in Canterbury. Einem jener Aufnahmeorte des hier besprochen Albums. Sie wurden nie veröffentlicht und erst mit diesem Album hier auf den Markt geworfen. Doch diese Sache wird später besprochen.
Abschließend verbleibt zu vermerken, dass es eine Spitzenleistung aller Beteiligten war. Auf dem Album hört man eine Band auf dem unbestrittenen Höhepunkt. Konnte es je besser werden? Die Band zerfiel zum Ende des Jahres 1971. Bis. 1994 vertrieben sich die Musiker mit eigenen Projekten und als Gastmusiker die Zeit. Auch das ist wiederum eine andere Geschichte, welche bestimmt noch erzählt wird, bzw. erzählt werden muss.


