DAUGHTER OF TIME - Colosseum
Einfallsreichtum trifft Musikalität
Das Durcheinander des Albums davor war geblieben. Die mit sich selbst beschäftigte Band wechselt weiter Personal.

Fangen wir doch gleich mit Chris Farlowe an. Seit dem Spätsommer verpasst er mit seinem Gesang der Band den bekannten und auch gewohnten Klang. Vorher tauschte man noch schnell die Basser. Tony Reeves hatte ausgedient und er wurde durch Louis Cennamo ersetzt. Doch auch er musst nach einigen Monaten gehen. Mark Clarke kahm für ihn. Auch die Frau von Jon Hisemann (Barbara Thompson) half aus.
So beteiligte sich eine bunte Scharr von Musikern an dem neuen Album der Band im Spätsommer des Jahres 1970 in den Lansdowne Studios in London. Es entstanden hier sieben neue Titel. Der Achte wurde als Livemitschnitt zum Pressling hinzugefügt.
Das Album startet mit "Three Score And Ten, Amen". Hier brilliert Chris gleich kurz nach dem Start. Der vertrackte Song ist einfach stark arrangiert und wird nie langweilig. Die gesprochen Worte steuerte Dick bei.
Ähnlich komplex geht es mit "Time Lament" weiter. Es startet im Intro fast schon klassisch. Auch Streichinstrumente sind in dem Song integriert. Ein echt starker Bass von Louis begleitet den Song. Die Tempowechsel sind stark gemacht. Das Teil klingt leicht und kompliziert zugleich.
Beim nächsten Song lässt wieder Clem seine Stimmbänder aufs Band. "Take Me Back to Doomsday" ist ein voller Rocker. Nach all den aufregenden Minuten zuvor gefällt der einfache Rhythmus. Aber auch hier lauern ständig Überraschungen im mittleren Teil. Geht mehr Jazz im Rock?
Mit der Titelsong geht die erste Seite zu Ende. Wieder mit Streichern schleppt sich Chris triumphierend durch den Titel. "The Daughter of Time" ist ein wirklicher Höhepunkt und ein fantastisches Ende. Ist alles im Mischpult verblasst eilt man sich. Die zweite Seite wartet.
Jack Bruce und Pete Brown erschufen den Opener der Rückseite. Episch und kräftig wird der Hörer mitgerissen. "Theme For An Imaginary Western" wird hier zelebriert. Chris singt den Song als ob sein Leben davon abhänge. Leider zu kurz, doch live immer ein Erlebnis.
Verspielt startet "Bring Out Your Dead". Ein wiederum ein wenig klassisch angehauchtes Motiv wird in diesem Instrumental gerockt. Den fehlenden Gesang merkt man nicht. Es gibt Drama in jeder Sekunde.
Als letzter Studio-Song des Albums glänzt "Downhill And Shadows". Übers Saxophon schön zweistimmig eingeleitet entwickelt sich hier ein Bluesthema. Was soll man noch schreiben. Einfach zuhören und sich freuen.
Der letzte Song des Albums nun wurde live am 02.07.1970 in der Royal-Albert-Hall aufgenommen. Auf dem Album wurde als Bass-Mann Tony Reeves angegeben. Jedoch soll wohl Louis Cennamo an jenem Abend auf der Bühne gestanden haben. Alles nicht so wichtig, denn bei "The Time Machine (live)" hört man eh nur Hiseman. Einfach eingeblendet hört der geneigte Fan ein gut acht Minuten langes Schlagzeug-Solo. Jon ist zu jener Zeit bis zu seinem Tode einer der besten Schlagzeuger, jeder der das bestreitet ist ....
Leider fragt man sich ob den Musikern keine Songs mehr einfielen? Ging ihnen die Zeit im Studio aus? Schließlich gab es noch die Version mit Chris Farlowe von "Jumping Off The Sun". Sogar "The Pirate's Dream" entstand zu jener Zeit. Für geneigte gibt es noch das Demo "Bring Out Your Dead“
Es gab das ganz große Paket. Sogar ein langes Schlagzeug-Solo war vorhanden. Eigentlich verstehen es viele als Start-Album der endgültig und bekanntesten Besetzung. Es war jedoch mehr. Es war eine bunte Mischung mit vielen guten Musikern. Einfallsreichtum trifft Musikalität. Ein wirklich tolles Album, welches sich mit dem ersten durchaus messen kann. Jedoch muss ich zugeben, dass mir die erste LP eine Spur besser gefällt.


