top of page

THE VALENTYNE SUITE - Colosseum

Auch die zweite Scheibe ein Meisterwerk

Seit März 1969 stand THOSE WHO ARE ABOUT TO DIE SALUTE YOU in den Plattenläden. Schon einige Monate später traf man sich wieder im Studio. Die Band bekam ein neues Platten-Label. Nun bei Vertigo unter Vertrag ging es vom Frühling zum Sommer '69 erneut ins Studio. Das Eisen glühte und die Band war gut drauf. Also wurden wieder sieben neue Titel eingespielt.

image.png

Es beginnt mit dem aufregend pulsierenden "The Kettle". Ein echt starkes Stück, vor allem aufgrund des äußerst lebendigen Schlagwerkes vom Herrn Hiseman. Einfach mal auf den Drive der Drums achten; der Song lebt davon. Es ist alles dabei Koloratur-Gesang, ein gutes Gitarrenspiel und eine tolle Bassline. Einzig das Saxophon fehlt.

"Elegy" glättet die Wogen des Openers. Sanft und verspielt entspannt, völlig unaufgeregt kommt es daher. Ebenso pulsierend jedoch deutlich gelassener als das Stück davor. Die drei Minuten schaffen einen schönen Kontrast. 

 

Mit "Butty's Blues" hingegen hört man wieder einen langsamen Blues. Entspannt gleitet man durch den Song und genießt das einfach tolle Orgelspiel vom Herrn Greenslade. Oder aber man lausche dem exquisiten Saxophonisten. Einfach alle Beiträge sind stark gespielt und arrangiert.

 

Bei "The Machine Demands A Sacrifice" fließt nochmals alles vor sich hin. Mit Flötenklängen und Saxophon arbeitet sich das Stück durch die fast vier Minuten. Ab und zu wird ein Taktwechsel eingebaut. Das sorgt für Abwechslung. Schön gemacht und bis zum Ende überraschend.

 

Dann startet "The Valentyne Suite" mit ihren drei Teilen. Gleich zu Beginn hört man das bekannte Leitmotiv. Es zieht sich durch alle Teile. Unterstützt von einem präsentem und äußerst agilen Schlagwerk. Mit "Theme One: January's Search" darf sich der Hörer treiben lassen. Der Song löst sich fast auf und wird scheinbar immer offener und freier. Die Band jammt quasi vor sich hin. Dann fängt der Bass alles wieder auf und das Eingangsmotiv erhebt sich wieder aus dem Chaos. Schön gemacht. Immer dominant mit der Orgel intoniert. 

 

Bei "Theme Two: February's Valentyne" wird es lyrisch und mit Koloratur-Gesang  füllt man den nächsten Abschnitt. Wer braucht schon bei soviel Song textliche Einfalt. Eine Träumerei mit dezenter Bläserunterstützung. Die Steigerung hin zum dritten Teil ist fantastisch vorbereitet und intoniert. Alles bricht erneut ein wenig zusammen und der dritte Teil startet.

 

"Theme Three: The Grass Is Always Greener" ist wohl der bekannteste Abschnitt des Stückes. Die dezente Gitarreneinleitung dient als Einleitung der Orgel-Themas. Zusammen mit dem Bass-Solo endet das Stück dann immer schneller werdend. Es bricht zusammen und das Basis-Thema setzt sich kurz wieder durch. Dann ist Schluss.

 

Die Suite ist eine Meisterleistung und als Abschluss des Albums einfach genial. Später wurde das Teil dann fester Bestandteil der Live-Auftritte der Band. Ein wirklich tolles Stück Musik gefangen zwischen Rock und Jazz. 

 

Jon Hisemann stellt 2004 die Geschichte der Suite im Booklet der Expanded Edition richtig. Eigentlich wurden die beiden ersten Teile der Suite in den USA Ende 1969 ans Ende von "Beware The Ides Of March" angefügt. Da es dieses Stück jedoch schon auf dem ersten Album gab wurde die Suite schließlich mit "The Grass Is Always Greener" vervollständigt.  Was für ein Durcheinander!

 

Wie schon anfangs beschrieben bekam die Band eben vor dem Erscheinen dieser LP ein neues Label. Dies war gewiss der Grund für die seltsame Veröffentlichungspraxis des hier beschriebenen Album-Materials. Die "Valentyne Suite" zum Beispiel wurde mit einigen Titeln des ersten Albums der Band (Unter dem Namen des Albums davor) in den USA im Juli 1969 veröffentlicht. 

 

Das mit der Suite selbst betitelte Album erschien im November 1969. Seit Oktober war James Litherland schon kein Bandmitglied mehr. Als einer der Gründe soll wohl die zu starke Bindung an den Blues des bisherigen Gitarristen benannt worden sein. Ihn ersetzte Dave “Clem“ Clempson. Das Album an sich war ganz sicher ein großer Erfolg für die Band. Allein die Suite sorgte für Aufsehen. 

 

Die LP erschien in dieser hier besprochenen Form fast weltweit. Nur in den USA und Canada bekam der Käufer den Stoff in veränderter Form unter der Beteiligung des neuen Gitarristen, mit teilweise wieder anderen Zusammenstellungen und auch neuen Songs. Der amerikanische Markt war wichtig und das neue Label hatte mit diesem Unsinn schließlich angefangen. 

 

Als THE GRASS IS GREENER fand man diese andere Version in den USA und Canada im Januar 1970 in den Plattenläden. Nun sang Dave Clempson und spielte die Gitarre. Im Dezember 1969 wurden in London schnell noch vier neue Songs eingespielt. 

 

Diese Aufnahme begann mit dem Song "Jumping Off The Sun". Hier zeigte sich gleich der Unterschied zum Gitarristen zuvor. Dave spielte melodiöser und mehr rockiger als James. 

 

Auch der zweite Song des Albums ist noch heute bekannt. "Lost Angeles" hielt sich ewig im Live-Portfolio der Band. Schön ausgestaltet mit Orgel und Saxophon hört man hier ein echt starkes Spiel von Dave. Hier als Blues ausgelegt  vernimmt man doch deutlich härtere Anschläge als beim Protagonisten zuvor. Der Gitarrenstil ist wesentlich offener gehalten. 

 

Gesanglich jedoch kann Clem James leider nicht das Wasser reichen. Wahrscheinlich auch aus diesem Grunde wurde bei "Elegy" auch die Gesangspur vom Herrn Litherland übernommen. Diesem alten Bekannten folgt dann noch ein Song vom schon besprochenen Album. Mit "Butty's Blues" endet die erste Seite dann. 

 

"Rope Ladder to the Moon" eröffnen in Nordamerika die zweite Seite. Wieder einer der Songs von London. Kein Höhepunkt, jedoch ist das Schlagwerk ein echter Hinhörer. 

 

Viele Künstler versuchten sich an Maurice Ravel seinem "Bolero". Jeff Beck titelte es sogar leicht um. Auch in dieser Version zeigt sich wie gut der Franzose das Teil einst komponierte. Dave darf zeigen was er kann. 

 

Es folgt ein viel zu kurzes "The Machine Demands A Sacrifice" bevor sich der eigentliche dritte Teil der Valentyne Suite als eigenständiges Stück erhebt. Hier fast neu arrangiert glänzt "The Grass Is Greener" mit einer deutlich besseren Gitarre. Clempson spielt das Teil wirklich schöner und es hört sich toll an.

 

Was das ganze Zerpflücke und neu zusammenstellen der Songs in dieser verworrenen Form bedeuten sollten; tja das kann nur das Label erklären. Ein riesiges Durcheinander, welches noch abstruser wird, da die Beteiligten schwören auch die vier Titel vom Original mit dem neuen Gitarristen total neu eingespielt zu haben. Nur bei "The Grass Is Greener" glaubt man das. Ansonsten ist leider der Gesang nicht so toll wie beim im November erschienen Album. Im Grunde hätte man die vier neuen Titel mit dem neuen Gitarristen auch als Maxi herausbringen können. Das wäre stilistisch sauberer. 

 

Wer die Doppel-CD Ausgabe oder aber den Vierfach-CD‘ler Morituri Te Salutant sein Eigen nennt findet darauf noch den Song "Tell Me Now". Einen Midtempo-Song aus der Aufnahme-Session des „weltweiten“ Albums, welcher es nicht aufs Album schaffte. Ein hübsches Stück Musik mit Mitsinge-Stimmung. Kein schlechtes Teil, aber die anderen Titel auf dem Album sind halt besser. 

 

Das ganze Werk ist bedeutend besser als es vielleicht so manchem in Erinnerung geblieben ist. Vielleicht sind einige Passagen nicht ganz so verblüffend wie auf der LP davor. Aber echt mal; das ist doch kleinlich! Hier hört der geneigte Liebhaber immer wieder tolle Sachen, auch wenn er die Titel schon tausend Mal durch die   Gehörgänge geschleust hat. Wie schon sein Vorgänger ein außergewöhnliches   Werk mit tollen Musikideen. 

Bildschirmfoto 2026-05-24 um 23.05_edite
Bildschirmfoto 2026-05-24 um 23.06_edite
bottom of page