WHITE SNAKE - David Coverdale (Solo)
David Coverdale allein ohne Deep Purple
Seine Stammband war nicht mehr. Deep Purple (oder das was sich noch so nannte) versanken im Morast der Drogen. Es war aus mit der lautesten Band der Welt.

David brauchte ein neues Projekt. Er wollte eine neue Band. Whitesnake sollte sie sich nennen. Doch zum Test produzierte er mit Roger Glover (auch Instrumentalist und Backroundsänger auf dem Album) zunächst eine Solo-Album. Es trug schon den später verwendeten Namen, hatte aber jedoch noch keinen Bandstatus.
So traf er sich mit vielen Musikern vom 03 - 17 August 1976 in den Kingsway Studios in London. Gemeinsam spielte n sie die Instrumentalpassagen des Albums ein. Der Gesang wurde einige Tage in München aufgenommen. Das Material wurde anfang September. Es erschien sehr viel später erst im Mai 1977.
Mit "Lady" hörte man somit die erste reine Solo-Interpretation des Mannes, welcher mit Deep Purple zu Weltruhm gelangte. Fast schon hätte man vermuten können, dass der Song noch von der alten Band stammt. Es passt ganz gut zu dem, was damals seine Stammband einst so trieb. Vielleicht hätte man dort die Bläser gemieden. Jedoch gefällt das Stück schon beim ersten Eindruck. Als Start rutscht es echt cool ins Innenohr.
Langsam schleicht sich "Blindman" in die Gehörgänge. Die Ballade wird im späteren Verlauf kräftiger und gewinnt an Kraft. Letztendlich plätschert es dann jedoch vor sich hin. Auch hier hat man das Gefühl die inzwischen getrennte Altbesetzung seiner vormaligen Band hätte das Stück auf einem vielleicht geplanten zweiten Album packen können. Tatsächlich schaffte es dieser Song aufs spätere Whitesnake-Album Ready an' Willing (1980). Dort wurde das Teil neu aufgenommen.
Im ersten Solo-Album des Herrn Coverdale schlagen als Nächstes die Bläser konsequent durch. Das war neu und doch anders. Ein Farbtupfer mit Orgelunterstützung. "Goldies Place" ist mit dem tollen Unterfutter aus Orgel und Bass echt stark. Mit fettem Chor im Refrain ein toller Höhepunkt des Werkes.
Einfallslos werden bei "Whitesnake" einfach die Regler hochgezogen. Ein seltsamer Start für einen Titelsong. Es wirkt so als sei hier einfach in die Jam-Session der Aufnahme eingeblendet wurden. Dann diese synthetischen Klänge im Mittelteil. Wird es auch kräftig aus den Boxen gedrückt, so wirkt es doch ein wenig unfertig.
Auf der zweiten Seite beginnt alles mit dem wiederum verhalten beginnenden "Time on My Side". Behutsam zieht es den Hörer in den zweiten Teil des Werkes. Trotz der tollen Stimme von David wirkt es bisweilen unmotiviert. Es überrascht eben nicht, sondern schleppt sich über die Zeit bis es in den Reglern verschwindet.
Es folgt das toll gesungene "Peace Lovin' Man". Eine hübsche langsame Nummer breitet sich im Kopf aus. Mit einem tollem Chor im Refrain wirkt es dann im Verlauf doch etwas schnulzig. Das Saxophon im Mittelteil jedoch überzeugt.
Die Trägheit des Songs zuvor schüttelt die tolle Nummer "Sunny Days" eindeutig ab. Wer in den viereinhalb Minuten zuvor wegdöst ist erwacht. Ein cooles Rock-Teil mit einem großen Drive zwingt sich durchs Gehör. Leider rast es viel zu zeitig seinem tollen Ende entgegen.
Mit dem sentimentalen und auch kürzesten Titel geht es weiter. "Hole in the Sky" wäre eine tolle Eröffnungsmelodie für eine Schnulzen-Serie. Mit breitem Sound schlägt hier die Schmalz-Falle zu.
"Celebration" hingegen ist ein wirklich tolles Stück Musik. Alles lebt und pulsiert. Der Rhythmus greift nach einem und man wird mitgerissen. Hier hören wir einen verdienten Titelsong. Der wirkliche Höhepunkt des Albums ist im Grunde leider viel zu kurz geraten. Man könnte die doppelte Zeit lauschen und sich an der starken Bandleistung erfreuen.
Schon damals zusammen mit Micky Moody wurden Songs in die schwarzen Rillen gepresst, die man als Ganzes schwer einsortieren kann. Es entstand eine Mischung aus melancholischen Titeln und durchaus schon rockigen Stücken. Alles im blueslastigen Gewand gekleidet. Kein Hardrock eher eine Art Pop mit vielen interessanten Auslegungen.
Was der Hörer des Albums hört ist der erste Gehversuch eines vielleicht etwas ratlosen und zielsuchenden David Coverdale. Zusammen mit Simon Phillips (später bei Toto, Jeff Beck, Peter Gabriel, Gary Moore und und und...) ergibt es eine durchaus gute Platte mit einem unbedingten Wiederabspielpotential. Mir gefällt es sehr zuzuhören, allerdings fehlt es doch hier und dort an den wirklich guten Stellen.
2000 wieder veröffentlicht enthielt es noch zwei Zugaben. "Peace Lovin' Man" und "Sunny Days" wurden dort in abweichenden Längen veröffentlicht. Sie stammen aus den Sessions zum Album.
Ein Album das gefällt, aber auch keinem so recht weh tut. Ein richtig guter Grund sich dieses zuzulegen ist die wirklich gute Stimme des Herrn Coverdale. Hier gibt er richtig Gas und zeigt, dass seine Stimmbänder mehr als in Ordnung waren. Gute-Laune-Musik für alle die sich nicht an Genres festhalten.


