LOVEHUNTER - Whitesnake
Die zweite Scheibe - Schlangenarbeit endlich mit Hits und aber auch Schwächen
Der zweite vollwertige Longplayer der Band erschien im Jahre 1979. Die weiße Schlange veränderte sich nicht und so hörte man die selben Musiker wie auf dem Album davor. Auch Martin Birch produzierte das Album. Die Zutaten standen also bereit, sie wurden gut gemischt und fleißig durchgerührt.

Herausgekommen ist ein manchmal schwermütiges Album mit deutlichen Schwächen, jedoch auch echt coolen Höhepunkten. Alles wirkt deutlich bluesiger und deutlich kompakt. Die Melodien sind abwechslungsreich und überraschen an manchen Stellen.
So ist der Beginn des Albums mit "Long Way From Home" nicht verwunderlich. Es wird gebluest was das Zeug hergibt. Allein der Refrain ist geradezu prädestiniert zum Mitsingen. Obendrein gibt es noch ein schönes kurzes Gitarrensolo.
Mit "Walking In The Shadow Of The Blues" hören wir die Studio-Version eines richtig großen Klassikers der Band. Jeder Fan der Band kennt den Titel und kann ihn nach den ersten Klängen der Band zuordnen. Ein wirklicher Höhepunkt des Albums. Hier stimmt alles, David singt über den Titel und wird einfach toll begleitet.
"Help Me Thro' The Day" ist dahingehend eher zart ausgeführt. Nachdenklich über dem Orgelbett schmachtet David über die Liebe. Schick mit Gitarre verziert ist es dennoch nicht so gut geraten wie das Stück zuvor.
Mit "Medecine Man" nimmt das Unterfangen wieder Fahrt auf. Leider ist der Titel ein wenig zu kurz geraten. Hier wünscht man sich deutlich mehr als gute zwei Minuten.
Als letztes Stück der ersten Seite hören wir "You 'n' Me". Hier wird locker und leicht gerockt. Kurzweilig vergeht die Zeit und gespannt lauscht man dem Song. Vor allem gestaltet den Hintergrund richtig toll.
Die Unterseite wird nach oben gedreht und schnell die Nadel positioniert. Schon donnert "Mean Business" aus den Lautsprechern. Jon‘s Orgel gibt hier den Rhythmus vor und es scheint fast schon in Richtung Purple zugehen. Druckvoll verfolgt man die Melodien und ärgert sich schließlich über die viel zu kurze Länge des Songs. Ständig wünsche ich mir die doppelte Zeit beim hören. Ein absoluter Höhepunkt des Albums.
An diesem Höhepunkt schließt sich "Love Hunter" an. Als längster Song des Albums verdient er eine entsprechende Betrachtung. Der bleischwere Blues ist sehr bekannt geworden. Er donnert durch die Ohren und besitzt einen Rhythmus, welchem man sich merken kann. Mitsingen ist erwünscht. Ein cooles Teil ohne Fehl und Tadel.
Bei "Outlaw" wird es wieder locker und leicht. Der Song überzeugt durch die tolle Melodie und die Dynamik selbst. David singt hier total anders. Manchmal denkt man gar Bernie Marsden singt hier. Ich fand in der Literatur jedoch keinen Beweis hierfür. Leider wünscht man sich auch hier mehr Zeit.
"Rock'n'Roll Woman" fällt kaum ins Gewicht. Jon darf seine Orgel auch mal ein wenig in den Vordergrund rücken. Den Titel jedoch als schlecht zu verschreien wäre schlicht falsch. Dazu gefällt die Melodie zu sehr.
Der Abschluss des Albums scheint eher ein melancholischer Schlusssatz zu sein als ein echter Titel. "We Wish You Well" ist wirklich zu kurz geraten. Man denkt doch wirklich es wäre noch mehr Platz auf der zweiten Seite gewesen um den Titel ein wenig länger zu gestalten. Ein kleiner Abschiedsgruß wenn man so will.
Zu allererst fällt hier die tolle Stimme vom Herrn Cloverdale auf. Wie immer singt er präzise und die Band spiel beherzt. Wie schon auf dem Vorgänger schmachtetet er und rockt auch hart.
Jon Lord ist immer zu hören. Im Hintergrund breitet er beständig den Grundteppich für die Band aus. Gerade dieser Orgelsound ist meines Erachtens das unwiederbringliche Erkennungszeichen der Band in dieser Zeit. Ab und zu taucht er mal mit einigen Mini-Solos aus dem Untergrund auf.
Unterm Strich bleibt eine Arbeit zu bewerten, die ganz sicher nicht schlecht erscheint. Mir persönlich gefällt es eher nur teilweise. Ein wenig fehlt mir die Abwechslung. Irgendwie geht nicht jeder Song ins Blut. Nicht das Beste von Whitesnake, aber vor allem eines, welches man ganz sicher im gut verwahrtem
Portfolio haben sollte.
In der remasterten Version von 2006 findet man noch vier Radiomitschnitte. Alle samt erstklassig und pure Schlangenarbeit. Man braucht halt die Teile nicht wirklich. Sie füllen jedoch die Sammlung.


