
LIVE AT READING ROCK FESTIVAL 1979 - Whitesnake
Ein starker Einstand von Ian Paice
Whitesnake waren nach der Erstellung von LOVEHUNTER mit ihrem Drummer Dave Dowle nicht mehr zufrieden. Lord sprach mit Paice. Nach dem Scheitern von PAL versuchten beide vergeblichen mit Maggie Bell ein Album zu produzieren. Dieser Versuch ging schief. Jon ging 1978 zur weißen Schlange und Ian versuchte seine eigene Band zu gründen. Ein Jahr später spielten die beiden gemeinsam bei den Studioaufnahmen zu Bernie Marsden‘s About Time Too wieder zusammen. Nun gehörte auch der Herr Paice zu Whitesnake.
Die Tour startete am 18.08.1979 beim Jazz-Festival in Bilzen in Belgien. Hier sorgte ˋThe Guv’nor´ das erste Mal für gehörig Druck auf der Bühne. Am 26.08. standen dann Whitesnake beim Reading Festival (Little John's Farm) auf den Brettern oberhalb der restlichen Anwesenden. Die BBC ließ die Bänder mitlaufen. Vor Weihnachten 1979 ging die Aufzeichnung über den Äther. Noch ein Mal sendete es die Radio-Station ein Jahr später. 2006 fanden sich vier Stücke des Auftrittes auf der neu aufbereiteten Version von Ready an' Willing. Erst 2011 erschien der Mitschnitt offiziell bei EMI und Sunburst. Die vollen sieben Stücke findet man jedoch nur auf diesem Live-Album.
Legt man den Silberling in den Player wird der Geneigte gleich ins bestehende Konzert gezogen. "Walking In The Shadow Of The Blues" ist im Grunde der dritte Song des Abends. Glaubt man David, so erleben wir hier den potenten und oft gespielten Klassiker als Uraufführung in Großbritannien. Schließen wir die Augen und hören dem Geschehen zu. Der neue Drummer ist sofort präsent. Schwer schiebt er das Teil durch die Luft. Druckvoll und kompetent kommen die Akteure daher. Sie feuern das Teil durch die Halle.
Mit einem Band-Klassiker geht es in die nächste Runde. Hier stimmt auch die Reihenfolge. "Ain't No Love In The Heart Of The City" ist ein Cover-Song. Bis heute gehört er zu den bekanntesten Songs der Band. Es gibt wohl keinen Rock-Fan, welcher die Sprech-Chöre und das rhythmische Klatschen nicht kennt! Unterhaltung pur und in keiner Version zu fade. Wenn die Gitarren die Oberhand gewinnen ist lang noch nicht Schluss.
Mit einem weiteren Song von SNAKEBITE geht es weiter. Micky Moody darf sich vor dem Teil austoben. Das nutzt er auch ausgiebig. Nicht ganz fünf Minuten bleiben dann noch für "Steal Away". Wieder hört man Druck aus allen Ecken. Auch Jon erhält kurz einen Solo-Part.
Zwei Songs nach vorn wandert "Belgian Tom's Hat Trick". Das Teil stammt von TROUBLE und wurde live für allerlei Live Performance benutzt. Hier - wohl um das lordsche Solo - gekürzt steigen wir gleich direkt ins Geschehen ein. Das famose Drumsolo von Ian jedoch bleibt uns erhalten. Hören wir diesem außergewöhnlichen Artisten zu wie er die Felle seines Instruments verdrischt. Irre gut und auch nicht wirklich zu kurz.
Mit dem nächsten Song kehren wir im Konzertabend vor dem Instrumental zurück. Hier wird normal "Mistreated" angestimmt. Fein säuberlich bettet man "Soldier Of Fortune" am Ende mit ein. Was für ein Hammer, welche Wucht den Hörer trifft; ja das ist gewaltig! Coverdale ist in Hochform und verleiht dem schwächerem zweiten Song durch die Einbettung eine schicke Bühne. Fehlt der Schwarzgewandte Zaubergitarrist in dieser Form? Überhaupt nicht, denn Moody und Marsden kleiden das Teil echt toll aus. Der straffe und scharfe Bass von Neil Murray drückt gewaltig. Jon füttert fleißig. Die eingesetzte Talkbox befremdet erst ein wenig. Sie passt jedoch ganz gut ins Stück.
Schlüssig in der Reihenfolge geht es mit dem Titelsong des aktuellen Albums weiter. "Lovehunter" wird professionell über die Bühne gescheucht. Eine Präsentation als Albumtitel erfährt das Teil nicht.
Den Abend beendet standesgemäß "Breakdown/Whitesnake Boogie". Wieder hören wir eine tolle Band. In dieser Besetzung finden sie sich noch. Nach gut fünf Minuten ist das Feuerwerk von Tönen abgebrannt. Das Ereignis fand sein Ende.
Der Mitschnitt ist klanglich ein Ohrenschmaus. Die Mucke kommt klassisch gut aus den Boxen geschossen. Wir hören kräftigen Blues-Rock und irre viel Spaß am Musizieren. Schade ist allerdings, dass die ersten beiden Songs des Abend fehlen. "Come On" und der Purple-Song "Might Just Take Your Life" wären in dieser Aufnahme ganz sicher gut aufgehoben.
Wie auch immer es sich verhält, so hörenden wir hier einen sehr guten und unverfälschten Mitschnitt von einem der ersten Auftritte mit Ian Paice. Die fehlende Vollständigkeit zieht sich im übrigen durch fast alle Live-Mitschnitte dieser Band. Einige Auftritte sind jedoch auch vollständig erhalten geblieben.


