LIVE IN JAPAN 1980 - Whitesnake
Whitesnake in Hochform
Ready an' Willing erschien in Europe am 23. Mai 1980. Danach ging es auf Tour. Zwei Auftritte in London wurden noch abgespult. Dann jettete die Band nach Japan. Das neue Album war noch frisch und musste promotet werden. In Japan jedoch spielte dieses Album live keine Rolle.

Während dieser zehn Tage trat die Band an fünf Abenden in Tokyo auf. Drei Mal gaben sie auch an anderen Orten den Fans die Gelegenheit mit ihnen zu feiern. Die meisten dieser Konzerte wurden aufgenommen. Sie sind als Bootlegs verfügbar. Klanglich lassen sich alle Aufnahmen ohne größere Probleme anhören.
Sicher gibt es Abstriche, vor allem bei nicht professionellen Mittschnitten. Mit ein wenig Mühe und einer Priese Erfahrung lassen sich diese Aufnahmen jedoch recht hörbar gestalten. Beachtenswert ist hier vor allem die volle Länge der Abende. Kein Abend ist unvollständig.
Aus dieser Sammlung stechen verschiedene Veröffentlichungen heraus. Als erstes muss man hier vom ersten Auftritt in Tokyo am 11.04.1980 berichten. Hier gab es zu Beginn des Konzertes erhebliche Probleme im Ton. Immer wieder fallen die Gitarren und das Keyboard aus. Man hört nur David und Ian. Kurios das Ganze und es dauert einige Zeit bis diese Ungereimtheiten beseitigt sind.
Einen Tag später wurde die Band in bester Qualität mitgeschnitten. Warum sie sich am 12.04.1980 so viel besser anhörten erklärt sich nicht. Whitesnake unterhielten hier die Massen im Aichi-ken Kinrou Kaikan in Nagoya. Der Sound überrascht total. Einzig das sehr leise Publikum stört den Hörgenuss.
Zwei Tage später gastierte die Band erneut in Tokyo. Diesmal brachten sie die Massen im Nakano Sunplaza in Wallung. Auch dieser Auftritt am 14.04. ist größtenteils in einer vergleichbaren Qualität erhalten geblieben.
Warum beide Aufnahmen so gut aufgezeichnet wurden ist unbekannt. Ich vermute dahinter eventuelle Aufnahmen fürs Radio. Das war damals durchaus üblich. Es wäre denkbar, dass das zu leise Publikum eine Veröffentlichung verhinderte.
Doch bleiben wir beim Konzert in Nagoya. An diesem schönen Momenten hangelt sich der Autor entlang. Alle Mitschnitte sind eh fast identisch. Wenn es nennenswerte Unterschiede gibt werden diese erwähnt.
Die Konzerte beginnen immer frisch und munter mit "Come On". Breit und fest dröhnt es aus den Boxen. So muss man sich diese Band auch vorstellen. Allen Voran der in dieser Phase unschlagbare David Coverdale.
"You 'n' Me" stammt vom Album LOVEHUNTER. Beschwingt greift es auf das Innenohr zu. Unweigerlich wird man mitgerissen. Jon gibt zusammen mit Ian dem Teil einen irren Drife. Micky zieht gehörig an den Saiten. Hier fallen am ersten Abend die Gitarren und das Keyboard streckenweise total aus. Diese Ausfälle ziehen sich dann noch über den nächsten Song hinweg.
Auch der nächste Titel stammt von der LP von 1979. "Walking in the Shadow of the Blues" lebt somit erst ab dem zweiten Auftritt und wird dann äußerst druckvoll durch die Membranen gejagt. In der besten Totalität erlebt man das Stück selten. Jon`s Orgel ist sehr präsent. Zusammen mit dem Rest der Band ein starkes Erlebnis.
Der fehlende Backround vom Publikum fällt bei keinem anderen Song der Band so auf. Auf den tonlich schlechteren Mitschnitten der anderen Abende hört man sie dann wieder lauter mitsingen. "Ain't No Love In The Heart Of The City" lebt vom Sprechgesang, vom rhythmischen Klatschen der Verehrer am anderen Ende des Bühnenrandes. Es fehlt schmerzlich auf den Mitschnitten vom 12.04 und 14.04. Dreht man den Regler auf bemerkt man diese Geräusche jedoch im Hintergrund. Das ist wirklich bedauerlich, da es die Atmosphäre ein wenig trübt. Wie wünsche ich mir hier das Gegröle der Fans. Die Leistungen der Musiker jedenfalls verdienen die Belohnung. Sie werden es sicherlich an diesen Abenden gehört haben.
Bevor "Lovehunter" als nächster Titel ertönt darf sich Micky Moody austoben. Sein Solo ist ganz gewiss nicht schlechter als das seiner anderen Mitstreiter. Ihn als begleitenden Gitarristen zu bezeichnen ist ein großes Stück ungerecht. Sein blueslastiger Sound passt perfekt in das Portfolio der Band. Sein Solo ist bei jeder Aufzeichnung schlüssig und überhaupt nicht langweilig. Abseits der Härte der Band eine tolle Abwechslung. Ich war immer ein Fan von ihm. Der einstige Titelsong des Vorgängeralbums wird im Nachhinein dann doch eher nur zur Nebensache.
"Mistreated/Soldier Of Fortune" sind zwei bleischwere Deep Purple-Stücke. Zusammengefügt in ein Korsett feinster instrumentaler und gesanglicher Zutaten sind sie ein unbedingter Höhepunkt des Abends. Wie es die beiden Gitarristen schaffen zusammen den instrumentalen Part zu stemmen ist vorbildlich. Sie überbieten sich nicht sondern unterstützen sich gegenseitig. Das Solo von Bernie Marsden darf man bei dieser Gelegenheit nicht unterdrücken. Dieser Typ ist entsprechend härter drauf als sein Gegenspieler Micky Moody. Beide zusammen mit der wundervoll präsenten Stimme des Herrn Coverdales schaffen erneut tolle Momente. Unbedingt einer von vielen Höhepunkten des Auftrittes.
Wenn der Meister selbst in die Tasten greift, dann nennt man das zu recht ein Solo. Jon hört man nun in bester Verfassung. Rock greift nach der Klassik und dann nach dem Blues. Herz was willst du mehr. Schließlich geht alles in eine schöne Jam-Nummer über. "Belgian Tom's Hat Trick" ist genau das. Wie sich alle Instrumentalisten beteiligen ist vorbildlich und zeigt deutlich, dass wir hier eine der besten Formationen der Band verinnerlichen dürfen. Das abschließende Drum-Solo vom noch Neuzugang hebt das Niveau deutlich. Der gute Ian steht im vollen Saft und schlägt sich meisterlich. Einfach famos wie sich das alles anhört.
Mit Purple-Stoff geht es weiter. 1973 auf BURN veröffentlicht erscheint es immer wieder im Live-Programm der Band. "Might Just Take Your Life" kommt druckvoll rüber. Jon donnert durch die Boxen, und Bernie Marsden singt einen Teil des Textes.
1978 auf TROUBLE erschien "Lie Down (A Modern Love Song)". Seit dem ist die Nummer gereift. Die verschiedenen Einlagen der beiden anderen Backround-Sänger beleben die Szene. Jon`s Klavier-Einlagen sind toll. Sie tragen das Stück und passen hervorragend in das gebotene Format. Das reguläre Programm ist nun bald beendet.
Die Band verabschiedet sich aus dem regulären Programm mit "Take Me With You". Wieder sind wir im Album LOVEHUNTER. Routiniert greift die Band gehörig zu. David stellt einen Großteil der Beteiligten nochmals vor und sie präsentieren sich mit kurzen Solo-Einlagen. David glänzt nochmals auch mit seiner tollen Stimme. Dann ist Feierabend.
Doch weit gefehlt. Dem Künstler gefällt der Ruf nach Mehr und das Publikum drängt auf einen Neubeginn des Auftritts. Natürlich ist das gewollt und jeder ernstzunehmender Musiker sehnt sich danach. Der Mitschnitt vom 14.04. fällt hier jedoch klanglich hinter jenem vom 12.04. zurück. Mit einigen Griffen kann man das Unterfangen noch retten. Die anderen Mitschnitte schaffen es - wie schon kurz angesprochen - nicht dem Auftritt in Nagoya das Wasser zu reichen.
Mit einer alten BB King-Nummer geht es also weiter. "Rock Me Baby" ist schon länger Bestandteil des Live-Programmes. Einfach die Augen schließen und den starken Leistungen der Beteiligten lauschen. Hier ist es erneut geradezu tragisch, dass man das Publikum nicht entsprechend mitsingen hört. Beide Gitarristen und der Tastenmann werden erneut namentlich bekannt gegeben. Erneut gibt es kurze Solos. Sie führen zum Ende des Stückes.
Fast nahtlos geht es dann in "Breakdown/Whitesnake Boogie“ über. Nun befinden wir uns endgültig im letzten Abschnitt des Auftrittes. Gute fünf Minuten dürfen wir den Darbietungen auf der Bühne lauschen. Die Verabschiedung ist kurz, dann ist alles vorbei.
Hört man die Alben durch bekommt man die volle Breitseite Whitesnake. Keine Wünsche bleiben offen. Der Klang am 12.04. ist für eine inoffizielle Veröffentlichung echt toll. Ich vermute die Konserven aus Nagoya und in Tokyo (14.04.) sind ganz sicher Mitschnitte vom Soundboard. Wie schon oftmals benannt enttäuscht jedoch die schwache Einbettung der Publikumsbeteiligung.
Auch fällt auf, dass die Band während der Tour keinen Song von Ready an' Willing spielt. Erst mit Beginn der Europa-Tour am 01.06. ändert sich diese Strategie. Denkbar wäre, dass das neue Album in Japan noch nicht erschienen war. Sicher wollte man der Plattenfirma nicht vorgreifen. Auf den Plakaten in Japan erkannte man jedenfalls keinen Vermerk auf das aktuell zu bewerbende Werk.
Trotz dieser kleineren unklaren Gegebenheiten hören wir bei jedem Mittschnitt eine vorzüglich ausgerichteten Band. Ganz sicher eine hervorzuhebende Tatsache, da leider zu viele zusammen geschnittene Aufzeichnungen dieser Periode verfügbar sind.


