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CHILD IN TIME - Ian Gillan Band

Gutes Werk trotz später Reife

Ende 1975 entschloss sich Ian wieder aktiv als Musiker in Erscheinung zu treten. Seit dem Rauswurf bei Deep Purple versuchte er es mit diversen anderen Sachen. Er wollte ins Management einer Firma einsteigen, ein Hotel betreiben und startete ein Tonstudio [Kingsway Recorders Studio]. Das Tonstudio blieb bestehen, jedoch die anderen Sachen scheiterten.

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Ursprünglich als Shand Grenade geplant hörte Gillan jedoch glücklicher Weise auf sein Management. Die Ian Gillan Band war geboren. Als Musiker holte er sich den Gitarristen Ray Fenwick, den Bassisten John Gustafson. Die Keyboards bediente Mike Moran und der ehemalige Elf-Schlagzeuger Mark Nauseef war auch mit an Bord. Produziert wurde es von Roger Glover. Er spielte auch auf dem Album an einigen Stücken mit. Zwischen Dezember 1975 und Januar 1976 traf man sich in München in den Musicland Studios.

Was über den Verstärker aus den Boxen kam war kein Hardrock. Es war Jazz-Rock der milderen Art. Hier und da mit einigen schönen Gitarrenlinien versehen, war es doch für den einen oder anderen extrem gewöhnungsbedürftig. Ian hatte ja schon seit seinem Rauswurf durch den Man in Black verkündet mit dem harten Sachen Schluss zu machen.

 

Beginnen wir gleich mit der eigentlichen Überraschung. “Child In Time“ in quasi anti-Purple-Art aufgeführt als fast schon Musicalsong; ja das war schon ein Schock für mich. Vom Start bis zum Ende hat man das Gefühl etwas selbstverständliches komplett anders (vielleicht auch zerstört) zu hören. Hilfe muss der Böse auf seine alten Jungs gewesen sein! Erst beim zweiten und auch dritten Hören entfaltet sich die pulsierende Schönheit und die einfach coole Gelassenheit der Aufnahme. Löst man sich von alten Vorurteilen gefällt das durchaus. Mit den Purplern einfach undenkbar und so sicher auch nicht der Welt-Hit, welcher er mal war und immer noch ist.

 

Gelassenheit ist sowieso das Stichwort dieser Platte. Ian lässt es fast schon grooven. “Lay Me Down“ startet fast schon funkig frech. Mit einer tollen Orgeleinlage jedoch rockt es dann doch los. Man merkt hier den Spaß der Beteiligten deutlich.

 

Mit “You Make Me Feel So Good“ hört man einen typischen Gillan-Song dieser Zeit. Schwer und behäbig rockt er dahin. Einzig seine Schreie setzten hier Höhepunkte. Auch “Shame“ wird wohl ewig das sein was er ist; ein Füller ohne Höhen.

 

“My Baby Loves Me“ hingegen behauptet sich später immer mal wieder. Der Song tauch bei verschiedensten Gelegenheiten aus dem Hintergrund hervor. Es jazzt an jeder Ecke und der Song lebt von seiner Stimme und der wirklich gut klingenden instrumentalen Begleitung. Ein einfach cooles Teil halt. Mit dem langsamen Song “Down the Road“ geht die erste Seite zu Ende. Der Gesang ist gut, das Stück leider durchschnittlich. 

 

Die zweite Seite startet mit dem schon angesprochenen “Child In Time“. Ist der Gitarrenpart vom ehemaligen Purple-Meilenstein in den Mischern verschwunden gleitet man 11 Minuten lang aus dem Album heraus. “Let It Slide“ ist hier Programm. Entspannt vom Anfang bis zum Ende gibt es hier fast Orchestrales fürs Ohr. Es beginnt wie eine Sinfonie im Intro und arbeitet sich dann zum Rocktitel hoch. Breite Backround-Chöre überfallen einen um danach wieder fast einzuschlafen. Behutsam aber nicht langweilig geht es vorwärts in der Klangwelt. Gitarre und Orgel geben sich Raum und entdecken die Langsamkeit. Letztendlich wacht die Band auf und es geht jazzig weiter. Das Ende lässt zwar auf sich warten aber man folgt entspannt den Tönen. 

 

Ein Album, welches nicht jeder verstand. Auch ich hatte Anfangs damit ein Problem. Mir fehlte der Zugang zur Musik und manche Passagen waren mir einfach zu anders. Mit dem Alter jedoch und ohne eine Festlegung auf bestimmte Musikarten gefällt mir das Album immer besser. Entspannt genieße ich die Klänge und lasse sie wirken. 

 

Ian war mit dieser Art der Musik deutlich der Zeit voraus. Die große Überraschung ist bei mir gelungen. Ich brauchte als Purple-Jünger Jahre bis ich die Schönheit des Gehörten in mich aufnehmen konnte. Schade, dass dieses Album nicht die Bühne erhielt, welche es verdient hätte. Der späten Reife wegen bekommt diese LP auch vier statt nur drei Sterne.

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