BORN AGAIN - Black Sabbath
Deep Sabbath
Ian Gillan hat ja im Laufe seiner Kariere schon ziemlich alles gesungen was man sich vorstellen kann. Über Episode Six (fast Pop) zu Deep Purple (Hard Rock), dann zu Jesus Christ Superstar (Musical) bis zur bläserlastigen Jazzfusion (beim Start der Ian-Gillan-Band). Dann entschloss er sich wieder seine härteren Qualitäten in den Vordergrund zu schieben. Neben der spät zu anerkannten Ehren kommenden Band Gillan und der Wiederbelebung von Deep Purple gab es da aber noch ein anderes Kapitel Gillan'scher Betätigung.

Von Fans förmlich zerrissen und vom Fachpublikum bis heute argwöhnisch beäugt, gehört die Beteiligung zur Band Black Sabbath wohl zu den Sonderlingen des Genres. Eigentlich sollte ja Deep Purple schon 1982 starten, was jedoch aus verschieden Gründen dann doch nicht so war. Ritchie Blackmore reformierte mit Roger Glover Rainbow nochmals und Jon Lord machte schlicht noch mal Pause bei der weißen Schlange. Ian Paice trommelte bei Gary Moore. Nur der liebe Ian hatte keine Lust mehr auf seine Gillan-Band. Zu viel Neid und böses Zeug hatte sich unter den Bandmitgliedern angestaut. Also kam ein Angebot vom Mister Iommy gerade recht. Die beiden kannten sich schon seit geraumer Zeit und der gute Ur-Sabbath suchte einen Vokalisten für seine Stammband. Ian hatte ja Zeit; also was soll's. So ging es im Mai 1983 nach Shipton on Cherwell ins Studio.
Das Album startet bretthart. "Trashed" ist ein waschechter Sabbath-Titel. Es schlägt vom ersten Takt an die Nägel aus jedem Deckenbalken. Also die Anlage bis zu Anschlag aufgerissen und die schreienden Nachbarn sind Geschichte. Tony‘s Solo ist auch nicht von schlechten Eltern. Leider verschwindet das letzte Speed-Gitarren-Solo im Reglerpult.
"Stonehenge" schleicht sich langsam die Ohrmuschel entlang. Es zaubert einen mystischen Zauber, welcher leider zu schnell verfliegt. Dann wird der gute Ian von allen Fesseln befreit. "Disturbing The Priest" ist Programm. Der Hörer bekommt die volle Breitseite. Einfach schick wie er sich durch das Teil durcharbeitet. Nie wird es langweilig. Wir hören eine tolle Bass-Spur und extra schwere Drums. Wieder ein starkes Stück.
Mit "The Dark" beginnt auch wieder ein kleines Intro. Dann arbeitet sich das schwere Riff nach vorn. "Zero The Hero" beginnt. Die Salven schieben den Druck vor den Boxen nach vorn. Unweigerlich hört man hymnisches Bandmaterial. Hier wird hingelangt. Schwer schleppend nimmt es den Hörer mit einem weiteren starken Solo des Gitarristen gefangen. Leider wird auch dem längsten Song des Albums kein ordentliches Ende zu gestanden. Schließlich wird es am Rillenende einfach immer leiser.
Hat man das runde Ding gedreht fliegen dem Geneigten gleich wieder die Trommelfelle ins Innere. Bei "Digital Bitch" fliegt wieder die Kuh. Das Teil reist einem aus dem Gedanken an die Seite zuvor. Es donnert und der Herr Gillan passt ins Bild wie kein zweiter. Viel zu kurz das Teil. Man wünscht sich gut die doppelte Länge. Es wächst erneut die Wut, weil auch diesem Stück kein richtiges Ende gegönnt wird.
Der Titelsong des Albums folgt. "Born Again" ist eine Ballade nach dem Format des Sängers. Bei solchen Sachen glänzt der gute Ian. Auch bei seiner Stamm-Band singt er so etwas immer wieder gern. Er hört sich spitze an. Der Rest ist mir einfach zu lang. Diese gebremste Langsamkeit ist gewiss schick. Wie schon beim letzten Song der ersten Seite hätte man zu Gunsten anderer Songs die Zeit auf dem Album für dieses Teil auch kürzen können. Warum geht der Song erneut in den Reglern unter?
Das großartige "Hot Line" ist da im Grunde viel zu kurz. Wie der Start-Song protzt er mit Power. Ein wahres Aushängeschild der Band. Hart, brutal mit einem darüber schwebenden Sänger. Daran denkt der Fan. Irre gut und endlich ein tolles Ende.
"Keep It Warm" begleitet den Hörer schließlich zum Ende. Nicht die beste Ballade und nicht wirklich einprägsam. Standard für die beteiligten Profis. Allerdings gefällt das Teil mehr als der Titelsong.
Was nun als Black Sabbath Album erschien war irgendwie weder Fleisch noch Fisch. Die Fans verbanden Ozzy Osbourne bzw. Ronnie James Dio mit der Band. Plötzlich purpelte es am Mikrofon. Viele verstanden das dann auch nicht.
Betrachtet man die Musik, so muss man im Nachhinein sagen, dass die Stimme von Ian Gillan ganz gut zum Stiel dieser Musik passt. Allerdings ist es für einen Purple-Fan schwer zu ertragen den guten Ian ohne schwere Hammondorgel zu hören. Im Übrigen erinnerte sich der Herr Gillan einige Jahre später - nach seinem Rauswurf bei den Purpletten - wieder an die Zeit mit Sabbath. Das 1991 erschienene Album TOOLBOX lehnt sehr an dieses Album hier an.
Was am Ende in den Rillen gefangen war zeigte sich als nicht so schlecht, wie es am Ende verschrien wurde. Waren es auch nicht unbedingt die Black Sabbath von früher, so wurde doch gewohnt qualitativ hochwertig abgeliefert.
Der Herr Gillan greift tief in die unterschiedlichen Fassetten seiner Stimmbänder. Toni Iommy spielt die Riff's souverän wie immer. Dasselbe gilt auch für die Rythmussektion (Geezer Butler, Bill Ward und Geoff Nicholls). Es gibt Tempowechsel, langsame und schnelle Titel. Immer im Hintergrund ein stampfender Bass und ein knochiges Schlagzeug. Alles sehr, sehr, dezent untermalt von Keyboards. Gute Zutaten, bei welchem dem geneigten Sabbath-Fan die Tränen in die Augen schießen könnten. So schwer wie sich die Songs des Albums zieh'n, sollte es eben keinen Zweifel geben - hier waren Sabbath am Werk.
Was nervt sind die uninspirierten Enden vom Großteil der Songs. Einfach alles in den Reglern verschwinden zu lassen, das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein.
Über die langjährigen Deep Purple Fans aus deren Pool Begeisterung zu ziehen; diese Überlegung kann man dem Herrn Iommy und seinem Management nicht verdenken. Ganz unbegründet war es ja nicht, da man ja in England 1983 immerhin auf Platz 4 der Chart kletterte. In den USA kam man unter die Top 40.
Die Unternehmung hingegen ging schief. Ian Gillan trennte sich nach einer desaströsen Tour von der Band. Eine wirklich gute Aufzeichnung eines Konzertes zu dieser Reise wurde auf der zweiten CD der Deluxe Edition veröffentlicht.
Hier am 27.08.1983 beim Live At Reading Festival im Königreich wurden die „Deep Sabbath“ mitgeschnitten. Zumindest ist es ein Dokument seiner Zeit und der Band. "Hot Line", "The Dark/Zero The Hero" und "Digital Bitch" sind dann auch zu hören. Sie werden lebendig in den Raum vor der Bühne geschleudert. Die Originale hingegen wirken mit Ian befremdlich. Die wohl schlechteste Version von "Smoke On The Water" reicht dann letztendlich zum Gruseln.
Nach dem Weggang vom Ian stand der gute Toni wieder ohne Frontmann (sprich Sänger) da. Ozzy folgte für ein Konzert 1985 und später ein anderer Purple-Jünger; Glenn Hughes.
Ein Album mit den besten Absichten und dennoch nichts bezweckt? Nein es war weitaus mehr. Es waren wie so oft andere Sabbath am Werk, deren Schaffen nicht ohne Reiz gewesen ist. Ein durchaus gutes Album, mit manchen Längen wohl, aber nicht untypisch. Einzig die Live-Tour war gezeichnet vom Abstand der Fans zur Band und dem Unverständnis darüber, dass sie eine echte Superband auf der Bühne erleben durften. Ob das noch Black Sabbath waren, darüber streiten sich die Fans noch heute. Für drei Sterne reicht es mir.


