MAGIC - Gillan
Ein Abgesang mit Höhepunkten
Im Grunde war die Band schon kaputt. Glaubt man Gillan gab es im verlaufe der Jahre zunehmend Streitgespräche um das liebe Geld. Tiefe Gräben liefen quer durch die Band.

Trotz dieser Differenzen traf man sich in Gillan‘s Kingsway Studios. Vom Juli bis August ˋ82 entstand somit das neue Album. MAGIC erschien im Oktober.
Es war die zweite Scheibe mit Janick Gers an der Gitarre. Trotz des Zoffs ringsherum gelang der Band ein gutes Album. Es startet mit "What's the Matter". Ein wirklich toll gelungener Einsteiger mit richtig Power. Allein das tolle kurze Gitarren-Solo macht Appetit auf mehr.
Mit "Bluesy Blue Sea" rockt es kräftig weiter. Schwer schleppend schleicht der Song durchs Geflecht des Gehörganges. Gillan ist einfach wieder toll zu hören. Der Typ zeigte hier wo der Hammer hing. Ich war erstaunt wie gut sich das Stück auch bei mehrmaligen Anhören anfühlt. Die Beine wippen und schwer ist das Gemüt.
"Caught in a Trap" hingegen wirkt anders. Es unterscheidet sich deutlich von den beiden Stücken davor. Es drückt energisch nach vorn. Trotzdem zündet die ganze Dynamik nicht so recht. Nicht dass der Herr Towns schlecht die Tasten drückte.
"Long Gone" wirkt danach schon fast eine Spur zu weich. Aber die Melodie prägt sich ein. Und das zählt am Ende. Leider bringt man die Band nicht mit Mainstream in Verbindung. Ein schönes flüssiges und auch harmloses Stück Musik.
Mit einer Bass-Line geht es dann zu "Driving Me Wild". Hier hört man wieder die gewohnte Band. Nach gut drei Minuten endet die erste Seite.
Mit "Demon Driver" beginnt die Rückseite. Im Intro wird eine Drohkulisse aus dem Boden gestampft. Danach startet der Song durch. Über sieben Minuten harte Klänge. Tempowechsel und hektische Passagen geben dem Großhirn Zunder. Der längste Song ist hier eindeutig der Spitzenreiter.
Weiter geht es mit "Living a Lie". Die schöne Melodie ist ein irrer Kontrast zum Song davor. Leider wirken beide Songs wie von zwei verschiedenen Bands.
"You're So Right" wiederum ist schon wieder ein Ausrutscher ins Mainstream. Der Song wirkt halbherzig. Da hilft auch Ian‘s Stimme nicht. Wohlgefällig verstreicht die Zeit.
1973 ersann Stevie Wonder "Living for the City". Gillan lässt das Teil neu erstehen. Und das gelingt ihm voll. Die Band hört sich hier druckvoll an und spielt das Teil einfach fantastisch hart. Mit diesem Stück schließt sich der Kreis und man hat wieder das Gefühl der alten Zeiten. Das Cover der Wonder-Single inspirierte auch Gillan zum Cover seines Albums.
Nach dem kurzen "Demon Driver (reprise)" ist dann Schluss. Was das sollte wussten wohl nur die Beteiligten.
Betrachtet man die LP so vermisst man schon die kompromisslose Spielweise der Besetzung davor. Man konnte wahrscheinlich auch nichts anderes von dieser Truppe mehr erwarten. Am 17.12.1982 gab die Band ihr letztes Konzert in der Wembley Arena in London. Dann war alles aus. Ian sorgte sich um seine Stimme und ließ sich in Deutschland operieren. Später mischte er mit Black Sabbath sein Portfolio tüchtig auf.
Der Rest der Band allerdings war sauer. Sie gingen auseinander im Zwist. Janick trudelte einige Zeit durch verschiedene Bands bis er dann bei Iron Maiden landete. Colin befasste sich danach mit Film-Musik. John und Mick gingen nach dem Splitim Musik-Geschäft ein wenig unter. Gerade Mick Underwood vertrieb dann noch Studio-Mitschnitte der GILLAN-Zeit. Er verfügte über die Rechte und hat wohl den Gewinn gerecht durch alle Beteiligten geteilt.
Das Album wurde noch zweimal neu veröffentlicht. Es gab wie üblich jede Menge Zusatzmaterial. Ob man die Ansammlung von Songs benötigt muss jeder selbst entscheiden.


