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DOUBLE TROUBLE - Gillan

Konzeptlos mit Live-Bonus für die Fans

Das Vorgängeralbum future shock war erst seit März `81 in den Läden. Musikalisch änderte sich auch etwas. Bernie Tormé gab seine Mitgliedschaft in der Band auf. Er war über die finanziell schwierige Lage der Band entsetzt. Trotz vieler gut verkaufter Alben sah er keine Zukunft für sich. Während der Deutschlandtour ab Mitte Juni gab er auf. Ihn ersetzte der von White Spirit kommende Gitarrist Janick Gers.

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So fand man sich also im August wieder im Studio ein. Die Kingsway Studios gehörten eh Ian und so war der Aufenthalt mit weniger Unkosten verbunden. Im Oktober 1981 stand das neue Album dann in den Plattenläden. Die Fans erwartete ein Doppelalbum. Auf dem ersten Teil waren acht neue Titel der Band. Auf dem zweiten Teil der Doppel-LP fand man Live-Mitschnitte der Formation.

Auf dem Studio-Album hört man einen völlig neuen Gitarrenstil. Dieser war deutlich melodiöser als auf dem Album davor. Gleich der erste Song startet mit einem kleinen Drum-Part. Mit "I'll Rip Your Spine Out" startet das neue Konstrukt. Der Song lebt vom lebendigen Bass-Spiel des Herrn McCoy im Verbund mit der druckvollen Orgel des Herrn Towns. 

 

Auch "Restless" ist hart und gewinnt durch die Orgelbegleitung deutlich. Ein Song, welcher gut zum Ruf der Band passte. Im Grunde jedoch zu farblos. Nach dem Ende bleibt nicht viel hängen. 

 

"Men Of War" hingegen ist ein richtig cooler Rocker. Ian schreit sich die Seele aus dem Leib. Der Song bietet durch seinen Rhythmus einen hohen Wiedererkennungseffekt. Vor allem jedoch lebt er durch den Gesang des Bandleaders. 

 

Das erste Mal hört man den neuen Gitarristen im letzten Song der ersten Seite. "Sunbeam" ist eigentlich eine melodiöse und langsame Rocknummer. Hier hört man die Unterschiede im doch schönen und flüssigen Spiel des Herrn Gers. 

 

Die zweite Seite des Albums beginnt dann mit "Nightmare". Dieser Song schein gefangen zu sein in jener zu dieser Zeit modernen Spielweise des Rocks. Ständig habe ich das Gefühl dieser Titel könnte auch von einer beliebigen Pop-Rock-Band aus den Vereinigten Staaten stammen.

Nach guten drei Minuten jedoch ist dieses Unterfangen beendet. Es beginnt die durchaus gelungene kleine Rock-Nummer "Hadely Bop Bop". Frech und tapfer stapft sie durch die Rillen und hinterlässt Frohmut. Leider zu früh zu ende, hört man hier ein cooles Stück Musik. 

 

Bei "Life Goes On" hingegen kehrt Schwermut ein. Ein müder Song, welcher sich über die Länge von gut fünf Minuten schleppt. Trotzdem wippen die Füße mit. Einzig der wirklich schön gespielte Gitarren-Part rückt das Teil ein wenig in die Sonne. 

 

Das Album endet "Born to Kill". Dieser Song beendet das Album auf progressive Weise. Langsam steigert sich der Titel dann und wird in der Mitte echt Episch mit einem richtig guten Riff. Ein toller Abschluss eines ansonsten leider nicht so guten Werkes. 

 

Irgendwie will der Funken bei mir nicht überspringen. Liegt es an der doch etwas flachen Abstimmung des Studio-Albums? Ich weiß nicht recht. Die Musik ist durchaus hart und für Gillan geeignet. Das Album ist jedoch stärker mit Orgelpassagen versehen wie jenes davor. Für meinen Geschmack wurde dem neuen Mann an der Gitarre nicht genug Raum gegeben. Auch sind die beiden Albumseiten doch ein wenig dürftig mit Musik versehen wurden. Betrachtet man die Laufzeiten der beider Seiten, so fällt die zeitliche Kürze besonders nachteilig auf. 

 

Der Bonus-Titel des 2007 erschienen Re-release verbessert diesen Eindruck nicht wirklich. Jannick Gers bekommt zwar hier genug Zeit und kann sich auch der spanischen Gitarre widmen, jedoch zündet auch "Spanish Guitar" bei mir nicht. 

 

Die zweite Scheibe der Kombi verweist auf die Live-Performance der Band. Und diese ist - man möge mir den Ausdruck verzeihen - um Welten flüssiger und schlüssiger als die Leistungen bei der Studioarbeit. Die sechs auf dem Original-Album veröffentlichten Stücke sind Vorzeigestücke der Band. Fünf davon wurden beim Reading and Leeds Festival am 29.08.1981 schon mit dem neuen Gitarristen aufgenommen. Hier spürt man schon den Einfluss vom Herrn Gers sehr deutlich. Er spielt seine Parts flüssiger als Tormè. Das gefällt mir. 

 

Einzig bei "If You Believe Me" hört man noch Bernie an den sechs Saiten. Dieser Titel wurde am 04.03 1981 im Rainbow Theatre in London mitgeschnitten. Der Herr Tormè hört sich hier richtig gut an.

 

Wieder wurde dem 2004 erschienen re-releastem Album weitere Songs hinzugefügt. Hier sind dann auch gleich fünf weitere Titel den schon vorhandenen Stücken angehängt. Von diesen neuen Songs stammten zwei vom schon bekannten Konzertmitschnitt beim Reading and Leeds Festival am 29.08.1981. Die letzten drei Titel jedoch wurden wiederum von einem anderen Event entnommen. Diese wurden genau ein Jahr zuvor beim hier schon erwähnten Konzertereignis aufgezeichnet. Wiederum hört man auf diesen Aufnahmen nicht die Gitarre des Herrn Gers. Zu jener Zeit (am 22.08.1980) bediente noch Bernie Tormè die Gillan-Gitarre. 

 

So hört der geneigte Fan hier ein buntes Sammelsurium von Live-Mitschnitten der Band selbst. Mir selbst war diese Praxis immer ein Graus. Wenn ich eine Band auf einem Live-Album hören will, dann von einem Konzert. Solche Best-Off-Montagen sind nichts für mich. 

 

Wie schon zuvor erwähnt ist die Abmischung des Originals ein wenig flach. Auch die Länge der jeweiligen Seiten des Live-Albums sind eindeutig zu kurz geraten. Erst später in der digital bearbeiteten Fassung korrigierte man das, mischte alles flotter auf und packte zusätzliche Tracks drauf.

 

Ein Album, welches mich nicht mehr überzeugte. Mir war das dargebotene einfach nicht gut genug. Es fehlte die kompromisslose Härte und Brutalität der Alben zuvor. Lag das am neuen Input des hinzugezogenen Gitarristen? Ich denke nicht. 

 

Vielleicht lag es an den vielen Veränderungen und der doch sehr kurzen Einarbeitungszeit des neuen Musikers. Oder war gar das musikalische Potenzial schlicht weg nicht mehr vorhanden? Ich weiß es nicht. 

 

Das Hinzufügen des zweiten Live-Albums erscheint mir doch eher halbherzig. Die sechs Songs beim Original bilden sicher eine breite Palette der Bandgeschichte ab. Sie wurden jedoch in der Anzahl nicht umfangreich dargeboten. Schön wäre auch ein kompletter Konzertmitschnitt vom Auftritt beim Reading and Leeds Festival am 29.08.1981 gewesen.

 

Auch später 2004 versemmelte man diese Chance erneut. Wieder zog man Titel des Gitarristen davor in die Veröffentlichung. Wieso wurde hier auf eine zusammenhängende Dokumentation verzichtet? Gab es diese Mitschnitte schon in anderer Form? 

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