SCREAMING LORD SUTCH AND HEAVY FRIENDS - Schreaming Lord Sutch
Ein in Vergessenheit geratenes Album
Was für ein Durcheinander! Jimmy Page regte sich über ein Album auf, welches er mit produzierte. Auf dem Cover prangten fett aufgedruckten Namen bekannter Musiker (natürlich als seine Freunde tituliert) und niemand wusste etwas davon - außer Screaming Lord Sutch.

Der vervollständigte sogar noch Stücke mit anderen Musikern, ließ schon existierende neu einspielen, natürlich im Stile der Großen. Namenlose werkelten an Stücken herum, welche eigentlich so nicht hätten erscheinen sollen. Zu guter letzt wird das Album durch die BBC zum schlechtesten Album aller Zeiten degradiert.
Alles begann mit einem sich in den USA aufhaltenden Britten. Lord Sutch bekam die Chance ein Album aufnehmen zu können. Seit Anfang der Sechziger werkelte David Edward Sutch als Horror-Sänger (und Rock’n’Roll-Sänger) in Großbritannien herum und veröffentlichte auch auch diverse Singles. Noch vor Alice Cooper sprang er auf Bühnen aus Särgen, schwang Messer und half beim Gruseln. Dabei wurde er von den Savages unterstützt. Einer Tingel-Truppe mit ständig wechselnden Personal. Durch diese Organisation kannte er viele später bekannte und auch gute Musiker. Unter ihnen war ein gewisser Ritchie Blackmore. Auch Jimmy Page wuselte dort von Zeit zu Zeit mal mit.
Im Zeitrahmen vom 24.04.1969 bis zum 05.05.1969 nun enterte ein kleine Scharr von Musikern die Mystic Studios in Hollywood. Sutch forderte Schulden von Jimmy Page ein, der schleppte seinen Drummer John Bonham mit. Deniel Edwards steuerte der Lord bei. Nicky Hopkins kam später noch hinzu. Jeff Beck kam auch und Noel Redding ließ sich nicht lumpen. Irgendwie taucht auch Carlo Little noch auf. Noch viele andere Musiker verzapften dieses einzigartige Zeitdokument.
Was dann Anfang 1970 erschien war mindesten so verrückt wie der gute Lord selbst. Wer sich die Scheibe tatsächlich zulegte, angespornt von den vielen berühmten Namen, war ganz sichert erschrocken.
Das Album beginnt mit "Wailing Sounds". Nicht wirklich gut und irgendwie zu breit abgemischt. Man hat den Eindruck der Verantwortliche hat die Regler ein wenig zu weit aufgerissen. Es wirkt fast übersteuert.
Mit "'Cause I Love You" geht es genauso weiter. John Bonham‘s schwere Drums scheinen gut zu passen. Aber auch wieder wirkt das Stück gekürzt und unvollständig.
"Flashing Lights" hingegen könnte auch gut auf einem Led Zeppelin - Album vorhanden sein. Jimmy und John hört man deutlich heraus. Das Stück würde ich noch zu den besten auf dem Album zählen.
Danach wird es wieder flacher. "Gutty Guitar" ist im Grunde ein Rock’n’Roll - Stück. Im Großen und Ganzen eher unbedeutend. Alles verbunden mit ein wenig Piano vom Herrn Hopkins. Es verschwindet schließlich in den Reglern.
Dann wird es peinlich. "Would You Believe" klingt nun wirklich misslungen. Hier muss der Hörer echt leiden. Man fragt sich was das sollte. Genauso verwerflich ist der Abschluss der ersten Seite. "Smoke and Fire" ist ebenso flach wie der Titel zuvor. Auch Klangexperimente können das Unterfangen nicht retten.
Wer bis zum Abfangen der Nadel nicht die Kopfhörer weggeworfen hat bleibt aus Neugier bei der Stange. Was folgt wohl auf der zweiten Seite?
Zumindest eröffnet ein kraftvoller Blues die B-Seite. Halbwegs hart marschiert "Thumping Beat" nach vorn. Man hört gute Rockmusik mit durchaus überraschenden Tempowechseln.
Kurios wird es dann wieder bei "Union Jack Car". War bei der Aufnahme ein Tontechniker dabei? Die Geräusche sind streckenweise derart falsch ausgesteuert, dass das fast schmerzt.
Mit "One for You, Baby" kehrt die halbwegs gute Abstimmung zurück. Leider wieder etwas flach das Teil und wenig einprägsam. Das Gitarrenspiel ist halbwegs glaubhaft.
"L-O-N-D-O-N" ist abermals ein Griff ins viel besprochene Klo. Alles hört sich seltsam an. Ständig fragt man sich ob sich was am Medium geändert hat. Flach und unfertig.
Nicht schlecht eingeleitet entgleitet "Brightest Light" schnell ins Bodenlose. Der mittlerweile bedauernswerte Neu-Käufer fragt sich langsam warum er seine schwer verdiente Kohle dafür aus dem Portemonnaie entnommen hat. Hätte er den gezahlten Betrag nicht lieber in Bier umgesetzt?
Auch der letzte Song beseitigt die Zweifel nicht. "Baby, Come Back" ist zumindest gut auf der Gitarre unterstützt. Ansonsten endet das Unterfangen mit tausend Fragezeichen und Kopfweh.
Ein guter Sänger war der Lord eh nie. Wer sich das Album anhört weiß das. Vielmehr die schwankende Arbeit hinter dem Mischpult erzürnt obendrein. Einfallslos wird der Hörer um allerlei Geschrei herumgeführt. Feingefühl sucht der Zuhörer vergeblich.
Der gute Screaming Lord Sutch war dazu eh nicht fähig. Die Aufnahme in Hollywood sollte im Grunde nur für Demos stattfinden. Keiner der Musiker dachte auch nicht im Entferntesten über ein Studio-Album nach. Nur der Mann mit dem Zylinder auf dem Kopf und den auffällig großen Manschetten dachte da anders.
Als das Album letztlich in den Läden lag eskalierte alles. Allen voran Jimmy Page machte gehörig Ärger. Die LP verkaufte sich nicht gut. Zum einen war dies dem Widerstand einzelner Beteiligter geschuldet, zum anderen war das Material einfach nicht gut genug.
Heute jedoch, nach all den vergangen Jahren steht dieses in Vinyl festgehaltene Unglück unter einem anderen Licht. Es dokumentiert anschaulich, was geschehen kann, wenn jemand seine Interessen rücksichtslos über die aller anderen setzt. Dem guten Lord interessierte es nicht was am Ende die Beteiligten sagten. Er verbesserte, stückelte das schon da gewesene und stampfte neues Material hinzu.
Historisch festgehalten bleibt, dass wohl kaum noch jemand genau weiß welchen Musiker man am Instrument hört und ob das am Anfang so gewünscht war. Sicher gab es von der Session in den USA ein Master-Tape. Es wäre echt interessant dort mal reinzuhören. Sicher wurde es jedoch schon überspielt. Das war damals so üblich. Oder es ging schlicht weg verloren. Ein Schicksal, welches auch diesem Album hier bevor stand.
Ab und zu erinnert sich jemand dann wieder an diesen schrägen Gesellen. Und genau dann sucht er dieses Album heraus und hört sich die Musik an. Alles im Grunde besser als der letztendlich bescheinigte Totalverlust. Man kann es sich anhören. Wird man mitgerissen? Leider nicht.


