HANDS OF JACK THE RIPPER - Lord Sutch And Heavy Friends
Gute Live-Musik mit tollem Klang
Der Umstand, dass die Heavy Friends nicht wirkliche Freunde mehr waren, verbot dem Lord nicht auf Konzerte zu gehen. Also verfuhr er so wie immer. Das Publikum kam wohl zahlreich. Sie erwarteten die Musiker auf dem Cover der LP von 1970. Er jedoch versammelte andere (teilweise namenlose) Beteiligte oder forderte Gefallen ein.

Ritchie Blackmore diente auch mal bei den Savages. Also rief David bei ihm an und fragte ihn ob er mal einen Abend mit dem Lord auf der Bühne stehen wolle. Mit Ritchie kam wohl auch Mathew Fisher an der Orgel/Piano. Am 12.04.1970 war es soweit die Session startete im Country Club, Hamstead, London. Ritchie wird später zitiert, dass er ein Rekorder während des Auftritts sah. Da ahnte er schon Böses. Ritchie soll wohl 500 britische Pfund für den Abend bekommen haben.
Wie auch immer; man hört auf diesem Album eine fantastische Band. Das Album klingt kraftvoll und dynamisch. Vor allem liegt das an der munteren Gitarre von Ritchie Blackmore. Gemeinsam mit ihm soll auch Nick Simper auf der Bühne gestanden haben. Irgendwie eine seltsame Mischung, wurde der gute Nick ohne Begründung durch Ritchie erst im Sommer 1969 aus Deep Purple gefeuert. Neben dem Herrn Simper bediente wohl auch Noel Redding eine Bassgitarre. Ebenso werden Carlo Little und Keith Moon an den Drums angegeben. Saxophone spielte Sid Phillips. In die Posaune blies Brian Keith (wohl auch Gesang). Den Gröle-Gesang vom Lord Sutch unterstützten wohl Annette und Victor Brox.
Nach einer grandiosen Ansage startet die Aufnahme mit "Gotta Keep A-Rocking“. Eine schleppende Rock’n’Roll-Nummer. Sie schleicht so vor sich hin und geht als Einstand auch total in Ordnung. Schon hier fällt Ritchie’s coole Gitarre voll ins Gewicht.
Mit "Roll Over Beethoven“ geht es in die zweite Runde. Wieder geht es in schnellem Tempo weiter. Diese Nummer geriet ganz gut. Hier kommt die Gitarre gut mit dem Keyboards des Herrn Fisher in Einklang. Nicht übel im Grunde jedoch viel zu kurz.
Bei "Country Club“ wird das Niveau ein wenig flach, jedoch hört man hier wiederum eine gute Gitarrenarbeit unterstütz durch die wirklich tolle Bläsertruppe und ein schönes Piano.
Mit "Hands Of Jack The Ripper“ wird dann der große Single-Hit des Herrn Sutch zum Besten gegeben. Hört man hinter die ganzen Sound-Effekte spielt auch hier wieder eine tolle Band auf. Gitarre und Orgel geben sich tolle kurze Passagen. Drollig ist auch der Gesang an sich. So etwas bekommt man zu dieser Zeit nur vom Lord Sutch. Total abgefahren und immer wieder toll zu hören.
Am Anfang der zweiten Seite nun kehrt der Rock’n’Roll zurück. "Good Golly Miss Molly" wird routiniert dargeboten. Es passiert sehr viel im Klangbild und die Band geht voll ab. Wieder und wieder hört man Ritchie hervorragend aufspielen. Verbunden mit dem wirklich tollen Bläsereinsatz stellt sich keine lange Weile ein.
"Great Balls Of Fire" wird durch die geradezu dramatische Gitarrenarbeit vom Herrn Blackmore erneut zu einem Höhepunkt. Das Stück hat jede Menge Power und kommt dynamisch über die Länge.
Mit "Bye Bye Johnny / Johnny Be Good“ sind wieder zwei gute alte Stücke zu hören. Sie gehen ein wenig in der Bühnenpräsenz unter, sind aber nicht minder druckvoll abgespielt.
Die Aufnahme klingt dann mit dem "Tutti Frutti Medley“ letztendlich aus. Fünf Rock’n’Roll-Klassiker werden hier nacheinander heruntergespielt. Screaming Lord Sutch war schließlich auch als härtester Rock’n’Roller bekannt. Genau das hört man nochmals deutlich.
Was man am Ende des Albums attestieren muss ist eine doch sehr gute Live-Aufnahme. Sicher nicht eine Minute langweilig. Hier gibt es die volle Dröhnung. Harter Rock verbunden mit einer gehörigen Prise Grusel. Wirklich toll aufgemacht und hervorragend abgemischt.
Wie man das ganze Bewerten soll ist allerdings nicht so einfach. Keiner der beteiligten Musiker wußte beim Auftritt so recht von der Absicht diese Musik aufzunehmen. Lediglich Ritchie hatte eine Vorahnung. Nur der gute Lord hatte listig dafür gesorgt, dass die Bänder mitliefen.
Auch weiß keiner mehr so genau ob nicht wieder Passagen der Aufzeichnung überspielt bzw. nachträglich verbessert wurden. Standen an dem Abend wirklich zwei Bassisten und zwei Drummer auf der Bühne? Oder war ein Teil der Musiker nur bei der Verbesserung der Songs im Studio anwesend?
Wie immer beim Lord bleiben Zweifel und Fragen. Das macht ihn vielleicht auch aus. Was mit Sicherheit zu hören ist, das ist eine tolle Live-Mucke mit richtig gutem Klang.


