THE FIRST OF THE BIG BANDS - Tony Ashton & Jon Lord
Ein Album für die Ewigkeit
Tony Ashton und Jon Lord waren seit längeren bekannt. Sie arbeiteten schon an so allerlei verschiedenen Projekten gemeinsam. Eine Zusammenarbeit bei der Musik zum Film The Last Rebel brachte die beiden noch näher.

Tony Ashton war stets der unterschätzte Musiker, welcher aber immer wieder mit seinen Projekten für Aufsehen sorgte. Der große Durchbruch, auch mit der Supergroup Ashton, Gardner & Dyke, blieb immer irgendwie versagt.
Zusammen entschloss man sich etwas musikalisch zu unternehmen. Es sollte etwas werden, dass einmalig und neu war. Der Gedanke eine Art Bigband aus dem Staub der Rockgeschichte zu heben nahm Gestalt an. Neben Jon Lord fanden sich auch viele andere Musiker im Studio ein. Carmine Appice, Ian Paice, Terry Cox, Cozy Powell, Peter Fampton und noch viele andere mehr. Allesamt gestandene Größen des Gewerbes.
Die Aufnahmen entstanden von November 1971 bis März 1973 in unterschiedlichen Studios. Bei den Sessions waren immer zwei Schlagzeuger anwesend. Als Ergebnis kam eine druckvolle Musikkonserve heraus, welche im April 1974 in den Geschäften zum Kauf feilgeboten wurde.
Mit einem Drum-Solo steigt der Hörer in das Werk ein. "We're Gonna Make It" ist quasi als Einsteiger ins Album genial. Die Freude und der Spaß stehen bei dieser Nummer klar im Vordergrund. Tony‘s Stimme wird getragen von einen allgegenwärtigen Chor. Dazwischen hängen sich die Bläser und eine immer wieder durchblitzende Gitarre.
Es groovt gewaltig bei "Down Side Upside Down". Unwahrscheinlich rhythmisch geht es zu. Ashton passt zur Musik einfach klasse. Die Orgel von Jon prägt das Stück. Nicht eine Minute langweilt man sich - Unterhaltung pur. Leider geht das Teil viel zu früh in den Reglern unter.
Mit einem mächtigen Satz springt "Band Of The Salvation Army Band" in die Hörmuschel. Gleich darauf ist man überrascht. Es geht entspannt weiter. Klug wird mit den Blasinstrumenten gespielt bis einem das Outro aus dem Song führt.
Hier hört man kurz die Hymne "Bringing In the Sheaves" anklingen. Das passt schon zur Heilsarmee.
"Silly Boy" schließt geschickt die erste Seite des Albums. Eine hübsche Ballade welche am Anfang schwerfällig ausfällt. Wunderschöne Piano-Untermalung trifft einen eindrucksvollen Gesang und einen starken Bass. Der Chor verleiht dem Stück eine Priese Schmalz.
Dreht man den schwarzen Sonderling empfängt den Hörer das pulsierende "Surrender Me". Die Takt-Brüche im Stück sind phänomenal. Sie bringen gehörig Dynamik in den ansonsten nicht sonderlich schnellen Song.
"Celebration" zieht sich wie Kaugummi. Langsam führt uns das Stück über viereinhalb Minuten. Leider schwindet die Erinnerung an das Teil fast genauso schnell wie eine mit viel Alkohol durchzechte Feier.
Das krasse Gegenteil ist "I Been Lonely". Es lebt und gibt der Langsamkeit ein starke Dynamik. Einfach hinhören und die vielen Fassetten des Titels lauschen. Hier hören wir tolle und einfallsreiche Musik.
Als nächstes Stück startet "Shut Up" mit tollen Drums. So wie es beginnt entwickelt sich ein cooles Musikstück. Immer wieder untermalt von Bläsern und dem Chor wird das Ding nicht schnulzig. Nein frech und mit so machen tollen Pausen gestaltet sich ein starkes Geflecht aus der Mühe bemerkt zu werden und der Ignoranz.
Mit "Ballad Of Mr. Giver" gelang der Formation jedoch ein wirklich starker Brecher. Der Song verkörpert pure Kraft und breitet nochmals das Potential der Band aus. Der Sprechgesang im Titel wirkt einfach ehrlich, zumal Tony Ashton nicht unbedingt der größte Sänger war. Von Beginn bis zum Ende des Teils lauscht man gespannt und erfreut sich an der unglaublichen Vielfalt, welche durch das Innenohr rauscht. Ein famoses Ende der Scheibe. Der Song bleibt auch noch im Gedächtnis, wenn die Nadel längst in der Auffangrille klickt.
Die Musik ist weit entfernt von dem was man von Lord und Paice gewohnt war. Es swingt, es rockt und über allem schwebt ein fette Bläsergruppe. Kein Stoff für den Durchschnitt sondern feingestrickte Ware intelligent arrangiert und komponiert.
Auch nach Jahren ist man überrascht von der Fülle und der Dynamik. Entspannt und im Grunde entschleunigt bleibt man zurück. Ein wenig schwebt auch eine große Wehmut mit. Für alles gibt es eine Zeit. Anfang der Siebziger sah die Welt noch anders aus.
Zwei Keyboards, mindestens zwei Schlagwerke, mehrere Gitarristen und dazu noch Bläser - wo gab es das sonst. Über allem thront die rauchige Stimme vom Tony Ashton. Ein außergewöhnliches Stück Tonware aus einer Zeit in welcher Musik noch Ausdrucksmöglichkeiten barg und nicht die Grundlage für Geldsummen im Überfluss darstellen wollte.
2010 veröffentlichte Purple Records das Werk nochmals und legten zwei Bonus-Titel dazu. Nur "Sloeback" ist ein wirklich neues Stück. Ob man die alternative Ausgaben von "Downside Upside Down" nun wirklich braucht muss jeder selbst entscheiden. Wenn man das Album ohnehin schon hat, braucht man sich die Neuveröffentlichungen gewiss nicht zulegen.
Was am Ende bleibt ist ein Denkmal für nun leider schon verstorbene hervorragende Musiker. Zwei der besten Tastenkünstler ihrer Zeit spielen nun nicht mehr auf Erden. Hier taten sie es mit viel Hingabe. Ein Live Auftritt wurde noch mitgeschnitten. War dann auch schon Schluss, so gab man der Welt einen kleinen Vorgeschmack auf die logische Folge 1977; die Band PAL.


