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GEMINI SUITE - Jon Lord

Die Aufarbeitung der Uraufführung

Hauptsächlich im März des Jahres 1971 fanden die Aufnahmen zum ersten echten Solo-Werk von Jon Lord statt. Die erste offizielle Aufführung der GEMINI SUITE war gut ein halbes Jahr her. Jon wollte das Stück in einer Studio-Version für die Öffentlichkeit konservieren.

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Seine Stammband befasste sich zu dieser Zeit mit der Einspielung von FIREBALL. Ritchie Blackmore und Ian Gillan gaben schon im September des Jahres davor ihren Unmut zu Protokoll. Eine Mitarbeit dieser Personen war also nicht zu erwarten. Ian Paice und Roger Glover hielten zu Jon. Für die Arbeit an der Gitarre konnte er Albert Lee gewinnen. Den Gesangspart übernahmen Tony Ashton und die damals eher unbekannte Yvonne Elliman.

Aufgenommen wurde alles mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Malcolm Arnold. Vornehmlich wurden zu diesem Zwecke die altehrwürdigen Abbey Road Studios in London gebucht. Auch in den De Lane Lea Studios wurden Aufnahmen getätigt.

Jon hatte das Werk in der vergangen Zeit tüchtig überarbeit. Waren im September 1970 noch reichlich aggressive Parts zu hören, so schaffte er es nun die ganze Komposition zu straffen. Aus den ursprünglich drei Abschnitten wurden nun sechs. Er widmete jedes einem Instrument. Den groß als Abschluss titulierten Endpart gab es so nicht mehr. Stattdessen präsentierte er das Piano gesondert.

Doch beginnen wir beim Anfang. "Guitar" startet mit Albert Lee. Deutlich entspannter als einst Ritchie zieht dieser an seinem Sechsaiter. Sein Spiel wirkt leicht und für diese Zeit angemessen. Er fügt sich toll ins Instrumentarium ein. Albert überzieht nicht, sondern lässt es laufen. Alles passt wesentlich besser als damals bei der ersten Live-Variante. Im Solo bedient er die Lauscher mit bluesigem und wirkt bisweilen auch ein wenig jazzig.

Mit "Piano" geht es erfrischend weiter. Wieder umfängt den Hörer eine kleine Prise Jazz. Doch dann wird es schon bald ernst. Das Piano schleppt sich mit dem Orchester durch die Zeit. Keine Spur langweilig treibt man durch das Teil. Jon spielt einfach toll und wird durch die anderen klassischen Musiker toll begleitet. Mal dringt er malerisch verspielt ins Ohr und an anderen Stellen drückt er die Tasten scheinbar mit Gewalt ins orchestrale Gesamtbild.

Ian Paice leitet seinen Beitrag ein. Die Bezeichnung "Drums" steht hier nicht nur für den Ausnahmetrommler allein. Sicher ist auch sein Solo beachtlich. Man merkt jedoch auch dass ein Drum-Set ganz gut zum großen Orchester hinzugesellt werden kann. Sein Teil wird auch hier wieder von den anderen zahlreichen Musikern eingefangen. Die Schlaginstrumente des Orchesters passen ordentlich zu den Rock-Drums.

"Vocals" ist deutlich gewachsen. Hat sich der Herr Gillan vor gut einem halben Jahr noch eher stiefmütterlich um seinen Beitrag bemüht, so wurde in dieser Variante hier geklotzt. Nach einer kurzen Streicher-Einleitung erhebt sich die Stimme von Yvonne. Mit Hingabe eröffnet sie den Reigen. Tony passt wirklich toll zu ihr. Ein absoluter Höhepunkt des Werkes. Der Kontrast beider Stimmen schafft eine schöne Stimmung. Verbunden mit dem finalen Duett eine wirklich starke Darbietung.

Roger Glover zupft im Anschluss an seinem Bass. "Bass Guitar" ist der vorletzte Akt. Die Dramatik der Melodie drückt er mit dem Bass-Spiel tüchtig durch. Das Solo ist schick gestaltet. Der Grund-Rhythmus bleibt dabei gut erhalten. Die Abwechslung mit dem Orchester ist toll. Beide ergänzen sich gut. Die ruhigen Sequenzen dramatisieren die starken Einschübe des großen Klangkörpers.

Der letzte Akt wird schlicht mit "Organ" betitelt. Jon’s Instrument spielt natürlich eine große Rolle in seinem Leben (ob Rock, Blues oder halt Klassik). Bei weitem nicht so hart bedient er die Tasten der Hammond. Das Instrument passt klanglich gut ins Instrumentarium. Begleitet durch Rock-Drums und andere der elektrisch verstärkten Klanggeräte entwickelt sich hier ein Finale, welches im Zusammenwirken mit ihm wirklich schöne und leichte Abschnitte vorweisen kann.

Das Album erschien 1971 als erstes Solo-Projekt von Jon Lord. Es ist fast schon ein Wunder, dass dieser außergewöhnliche Musiker neben den vielen Live- Auftritten mit Deep Purple und der Arbeit am neuen Band-Album noch die Zeit fand das alles so zu arrangieren. Alle Beteiligten spielten sich hier für gute 45 Minuten in die Herzen der Hörer. Bedauerlicherweise erlangte diese Komposition nie den Ruf des CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA. Dieses Werk jedoch wurde schließlich ja auch zweimal komponiert und arrangiert.

Die Live-Aufführung der GEMINI SUITE jedenfalls war bei der Veröffentlichung dieser Scheibe schon lange her. In der Royal Festival Hall in London hörten die Anwesenden am 17.09.1970 fast schon ein anderes - alternatives - Werk. Die BBC-Übertragung wurde zwar gesendet, jedoch geriet diese wohl doch eher schnell wieder in Vergessenheit. Die Zeit verstrich auch damals schon sehr schnell. Fast 50 Versionen gab und gibt es von dieser Scheibe. Sie erschien weltweit mit drei Cover-Versionen auf allen möglichen Tonträgern. Die Suite wurde mehrfach digital bearbeitet. Der Klang des Werkes ist um Welten besser als der erstmals 1993 erschiene Live-Mitschnitt. Glasklar kann der Hörer das Geschehen verfolgen. Er verpasst keine Nuance des Stückes. Hautnah ist er dabei.

Jon gab hier einen ersten Einblick in seine musikalische Welt. Er startete eine tolle Solo-Karriere, welche noch viele schöne Alben für immer tief in die Herzen von Musikliebhabern verankerte. 1974 nimmt er die Willigen bei WINDOWS mit in eine neue Sinfonie. Doch bis dahin passiert echt viel bei ihm und seiner Stammband.

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