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EUROPA 1994 TEIL II - Deep Purple

Das Ende des Gastspieles

Die kurze Tour durch Europa im Jahre 1994 war ein notwendiger Schritt zur Gesundung der noch verbliebenen Bandmitglieder. Zusammen mit Joe Satriani konnten sie erproben wie sich Konzerte ohne Blackmore außerhalb der japanischen Inseln gestalteten. So bekamen alle Alt-Mitglieder die Gelegenheit ihren Spass an der Musik wieder zu entdecken. Sie spielten sich frei von den auferlegten Zwängen des einstigen Querulanten an der Gitarre.

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Joe erlaubte es der Band dieses Experiment auch über einen Zeitrahmen von gut einem Monat zu führen. Er war sozusagen der Baustein für eine neue und glückliche Zukunft. Neben dem Konzert in Saarbrücken (16.06.1994) gab es noch andere gute Aufzeichnungen. Einige davon in ganz vernünftigem Klang. So gibt es ein Bootleg vom Auftritt im Pallazzo della Sport in Genua (Italien) am 22.Juni. Vier Tage später schnitt der Sender DRS 3 den Abend in St. Gallen (Sittertobel) mit.

Leider hatte auch diese Tour ein Ende. Joe war nie angetreten um ewig zu bleiben. In der Wagner-Stadt stand er das letzte Mal am 06. Juli mit den Herren Gillan, Lord, Glover und Paice auf der Bühne. Das Konzert wurde aufgenommen und ist als inoffizielle Aufnahme verfügbar. Der Sound schwankt an manchen Stellen. Hier spielen Schwankungen der Abspielgeschwindigkeit eine größere Rolle. Fast vollständig können wir Joe's Abschied nochmals nachvollziehen. 

 

Wie immer ging es an jenem Abend in der Oberfrankenhalle in Bayreuth mit dem alten Gassenhauer "Highway Star" los. Gleichwohl wird es am letzten Abend der Tour mit viel Power ans Publikum weitergereicht. Leider hört man nur gute vier Minuten. Die Regler werden einfach mitten im Song aufgezogen. Vollständig hörbar ist der Titel leider nur in Genua. Bei der Aufzeichnung aus St. Gallen fehlt das Stück. Vermutlich war keine Zeit mehr im Übertragungsfenster des Senders.

 

"Ramshackle Man" ist ein guter zweiter Song. Joe spielt hier beschwingt und locker. Er gleitet mit der Band durch den Song. Alles passt. Den besten Sound findet man beim Auftritt in St. Gallen. In allen Versionen hört man eine wirklich leicht spielende Band. 

 

Auch "Maybe I'm A Leo" geht in allen Versionen locker und leicht über die Bühne. Am letzen Abend mit Joe hingegen hört man die längste Variante. Ist der Sound auch hier im Grund nicht besonders gut, so spürt man die Lust am Musizieren. 

 

Mit "Fireball" findet während dieser Tour ein weiterer Klassiker seinen Weg auf die Bühne zurück. Jon gibt hier gewaltig Gas und lässt seine Orgel tüchtig krachen. 

 

"Perfect Strangers" wird professionell über die Bühne geschleudert. Der bessere Klang aus St. Gallen macht hier deutlich wie gut Joe das Teil hier drauf hat. Auch am letzen Abend kommt es dynamisch beim Publikum an. Allerdings stören hier die Tempo-Schwankungen heftig. 

 

Jon Lords Solo an "Pictures Of Home" anzuhängen wirkt äußerst cool. Es passt hervorragend an das rasant vorgetragene Stück Purple-Historie. Joe spielt hier wirklich in jeder Version einfach toll mit der Melodie. Sein flüssiger Stil passt gut zum Original. Es wirkt äußerst lebendig bis zur Übergabe an den Tastenmann. Dieser findet - wie sollte es auch anders sein - im rechten Moment die richtigen Tasten. Schick und in keiner Minute langweilig lauscht man den Tönen. Wieder gibt es auf der Aufnahme von Bayreuth Probleme mit dem Tempo. 

 

Diese leiten dann in "Knocking At Your Back Door" über. Der wohl stärkste Song aus dem Jahre 1984. Die längste Version hört man auf der Aufnahme von Genua. Den besten Sound hört man in St. Gallen. Wieder stört eine Tempo-Veränderung das Hörvergnügen vom Bayreuth. 

 

Jede Version von "Anyone's Daughter" wird an jedem Abend gut wiedergegeben. Wieder fällt hier die Aufnahme des letzten Abends schlechter aus. Wir hören hier auch die kürzeste Version der drei Mitschnitte. 

 

"Child In Time" ist selten geworden auf der Tour. Nicht immer wird der Song live dargeboten. Am letzen Abend mit dem Gast-Gitarristen hingegen darf das Teil nicht fehlen. Joe's Spiel im mittleren Abschnitt unterscheidet sich. Es kommt anders daher als mit dem altgewohnten Gitarren-Protagonisten. Sieht man von den Tonschwankungen ab hört man hier ein echt schöne Version. Satriani und Gillan legen sich tüchtig ins Zeug. Joe wirkt hier flüssiger als noch in Japan. 

 

Auch "Anya" gelingt beim letzten Auftritt von Joe sehr gut. Ewige Kritiker des Bandgefüges nach Blackmore stecken das anders klingende Endergebnis in die negative Ecke. Jedoch muss man Joe eingestehen, dass er das Teil mit viel Herzblut spielt. 

 

Wie ich es oftmals schon erwähnte ist "The Battle Rage On" nicht nur der Titelsong des aktuell zu promotenden Albums. Nein er ist mehr als das. An ihm sieht man wie gut sich die Band mittlerweile versteht. Joe und die Band zeigen das noch ein letztes Mal. 

 

Ian Gillan hat einen Narren gefressen an "When A Blind Man Cries". Behutsam leitet Joe das Teil ein. Wunderschön gleitet es dahin. Gefühlvoll begibt man sich auf die emotionale Reise. Ein wirklich starkes Stück Musik. 

 

Ein kleines Intro leitet dann "Lazy" ein. Joe spielt echt schön. Auch klanglich gewinnt die Aufnahme des letzen Abends mit jedem Song ein wenig. In Bayreuth  schwingt auch ein wenig Wehgefühl mit. Joe spielt einfach zusammen mit der Band bis das Stück an den anderen Ian überstellt wird. Das Drum-Solo des Herrn Paice ist immer eine Erwähnung wert. Hier schlägt er auch wieder meisterlich auf die Felle seines Instrumentes. Er behält den Grundrhythmus ganz gut. 

 

Sind die letzten Anschläge verklungen darf Joe in eigenem Namen Werbung für sich machen. "Satch Boogie" ertönt und wird behutsam begleitet vom Rest der Band. Danach werden die Namen der beiden Haupt-Protagonisten ein letztes mal durch den Herrn Gillan in die Halle gefeuert. 

 

Schon sind wir im letzten Abschnitt des Auftrittes. Das übliche Medley startet. Mit "Space Truckin'" rollt es an, wird über "Women From Tokyo" geleitet und abschließend durch Paint It Black beendet. Ein beachtenswertes Programm endet. 

 

Es wartet noch die Zugabe auf das Auditorium. Das ab und zu angestimmte "Hush" ist schon länger aus diesem Abschnitt gefallen. Mit "Speed King" geht es somit weiter. Wieder liefern sich Joe und Jon ein schönes Duell. 

 

Zum letzen Mal brettert Joe das Riff von "Smoke On The Water" auf den Boden der Halle. Ian Gillan bedankt sich lieb bei den Anwesenden und spielt ein wenig mit den Massen. Noch vor dem Finale jedoch bedankt er sich sehr herzlich bei der Gitarrenaushilfe. Konkret bezeichnet er den Herrn Satriani als wundervollen Gitarrenspieler. Und genau das ist er.

 

Joe zieht von nun an wieder unter seinen eigenen Nahmen durch die Welt. Im Oktober 1995 bringt er ein Album unter seinem Namen auf den Markt. Im November desselben Jahres tourt er zum Album TIME MACHINE.

 

Deep Purple geben jedoch nicht auf. Bald sind sie wieder mit einem anderen Gitarristen am Start. Die THE BATTLE RAGE ON TOUR läuft am 23. November 94 erneut an. Bis zum Jahresende zieht nun Steve Morse an den Saiten der Gitarre. Er wird bald das neue beständige Mitglied der Band. 

 

In der Wagner-Stadt jedoch endet die Verpflichtung von Joe Satriani. Er hinterlässt eine wieder erstarkte Band, welche wieder an sich glaubt. Sein Verdienst ist es Deep Purple wieder aufgeholfen zu haben. Diese drei Bootlegs sind ein Zeichen dafür. Ist die Qualität gerade vom letzten Abend auch schwankend, so offenbart sich auch hier eine tief empfundene Dankbarkeit der Band gegenüber Joe. Das ist die alles bestimmende Botschaft nicht nur des letzten Konzertes. 

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