FROM THE SETTING SUN … - Deep Purple
Eine gut aufgelegte Band mit jede Menge Elan und Druck
Deep Purple waren immer eine progressiv spielende Band mit einer variablen Bandbreite ihrer Musik. Sie allein dem Hardrock zuzuordnen, das wäre so nicht gerecht. Gerade die Alben vor Now What?! waren eher Mainstream als purer Hardrock. Die Entscheidung sich nun wieder total der härteren Spielart zuzuwenden steht ihr ganz sicher gut.

Hört man sich die hier vorliegende Aufnahme an, so erkennt man schnell wie hart sie auch heute noch spielen können. Sicher lag es daran, dass sie auf einem der größten Heavy-Metal-Festival Deutschlands auftraten. Eine Musikrichtung deren Grundzüge sie einst (zusammen mit Bands wie Led Zeppelin, Black Sabbath, Dio und anderen) erst schufen. Im Grunde entwickelte sich der Heavy Metal mit Bands wie Iron Maiden, Judas Priest, Metallica usw. entscheidend weiter - weg von dem was Purple eigentlich vollzogen. Diese Stielrichtung wurde härter, schneller und splittete sich nochmals auf in mehrere andere Stilrichtungen (Speed Metal, Black Metal und, und, und ……).
Nach dem kurzen Intro startet "Highway Star". Zu Beginn des Stückes scheint es einen kleinen Einsatzfehler zu geben. Dann zündet es jedoch durch. Bretthart beginnt der Abend.
Ohne große Pause geht es mit "Into The Fire" weiter. Ian singt mit jede Menge Druck. Hier glänzt gleich wieder Steve mit einem schönen Solo. Die Power-Orgel von Don passt wie die Faust aufs Auge.
Roger gibt den Einstieg zu "Hard Lovin‘ Man". Ein richtig toller Song, leider in den vielen Jahren seit 1970 viel zu wenig live aufgeführt. Don lässt seine Orgel ordentlich dröhnen. Hier hat er definitiv die klangliche Breite vom guten Jon. Auch Steve lässt sich nicht lumpen.
Mit der Hommage an dem großen Horror-Paps geht es weiter. "Vincent Price" kommt mit Druck. Was für ein Hammer Song. "Strange Kind Of Woman" passt echt gut dahinter. Erstaunlich wie gut sich beide Songs miteinander verbinden.
Ein wirklich starker Block im Programm geht zu Ende. Ian ist gut drauf und der Song endet wie gewohnt. Die Kehlkopf-Gitarre gibt es schon länger nicht mehr.
Mit "Contact Lost" darf der Herr Morse sich beweisen. Sein Solo dahinter passt sehr gut und ergänzt das Instrumental zur Gänze. Stark gemacht, vor allem weil das Solo hier nicht zeitlich überzogen dargestellt wird. "The Well-Dressed Guitar" ist eher ein Band-Instrumental mit besonders hervorgehoben Gitarren-Spiel.
"Hell To Pay" braucht Vergleiche mit Songs aus der Hochzeit der Band nicht scheuen. Ein absoluter Höhepunkt des Abends. Der Titel zündet durch und besitzt vom Anfang bis zum Ende Purple-DNA.
Über den nächsten Song zu schreiben fällt nicht schwer. Es gibt nicht viele Auftritte der Band an welchen dieser Song nicht gespielt wurde. "Lazy" ist zu jeder Zeit immer wieder ein Grund zum Hinhören. Einst schob Jon das Riff voran, nun greift Don in die Tasten. Dann drückt sich der Blues spektakulär voran.
Jon Lord ist "Above And Beyond" gewidmet. Lyrisch und respektvoll erinnert sich die Band an jenen leider zu früh verstorbenen Musiker. Danach zündet "No One Came". Kann man das Teil härter spielen? Trocken wie ein Martini kommt es daher. Wunderschön wird das Stück durch Steve und Don getragen.
Das Solo vom Tastenmann folgt als nächstes. Sehr technisch mit klassischen und elektronischen Klängen spielt der Herr Airey. Schließlich mündet es dann ins Intro von "Perfect Strangers". Ein Klassiker an sich, aus einer anderen Zeit. Auch hier wieder gibt es jede Menge Drive. "Space Truckin‘" klingt nur kurz an. Keine ausufernden Passagen. Ian Peace trommelt echt stark. Steve spielt hier wieder eine Nuance härter als sonst. Auch Don‘s Orgel wirkt potent.
Mit "Smoke On The Water" geht es in die letzte Runde. Hier wird die Band durch Uli Jon Roth ergänzt. Hier weicht die Videosequenz von der Tonspur der CD ab. Auf dem Audio-Mitschnitt fehlt die Improvisation am Anfang des Stückes mit Uli Jon Roth und Steve Morse. Ich hatte die Aufzeichnung aus dem TV von damals noch im Kopf und wusste definitiv; hier fehlte was. Wer sich diese paar Minuten antun will, der findet diese auf der DVD des Auftritts. Hierauf sieht man dann diesen kurzen Part. Wie ich finde blamiert sich hier der Herr Roth entscheidend und versagte neben der Gitarrenikone Morse kläglich. Aus diesem Grunde finde ich die Abmischung auf der CD gar nicht so schlecht, da man dieses Fiasko einen an sich doch geschätzten Kollegen erspart.
Mit "Green Onions/Hush" starten die Zugabe fulminant. Die alte Joe South-Nummer ist cool gemacht und überhaupt nicht altbacken. Hier lebt die Band. Alles pulsiert, kommt trocken und hart rüber. Was will der Fan mehr. Als Rausschmeißer dient dann routiniert "Black Night".
Mutig war ein Auftritt dort am 01.08.2013 ganz sicher. Schließlich stand hier ein wesentlich härteres Publikum vor der Bühne. Die Ansprüche an die Band waren somit härter denn je. Die Mitglieder der Band waren sich der Herausforderung sicher bewusst. Nur so lässt sich die sehr harte Spielweise erklären. Ein Spielweise, welche dem Namen Deep Purple gerecht wurde. Wenn man sich die frühen Jahre der Band in Erinnerung ruft, so waren sie an diesem Abend so nah wie schon lange nicht mehr an genau dieser Phase dran. Sie waren hart und spektakulär, sie waren wieder Deep Purple alter Prägung, versehen mit einer gehörigen Priese Altersweisheit.
Die Orgel von Don Airey war so aggressiv wie schon lange nicht mehr. Steve Morse seine Gitarre klang härter denn je und die Akkorde flossen nur so aus seinen Fingern. Roger Glover zupfte härten denn je einen Mörderbass. Ian Paice trommelte druckvoll und angemessen. Leider gab es von Ihm kein Solo. Die anderen hingegen solierten freimütig und gaben sich auch gegenseitig Einstiege für schöne Duelle.
Auch der in Ehren ergraute Vokalartist, Ian Gillan, gab am Mikro sein Bestes. Viele Verehrer bemängeln seine nicht mehr so gut vorhandenen stimmlichen Qualitäten. Das stimmt sicher, doch ich denke für einen 68 jährigen ist diese in einem beachtenswert guten Zustand. Es gibt andere Sänger, welche im selben Alter ihre Stimmbänder schon mehr zerstört haben und durchaus schlechter klingen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der sechs Jahre jüngere David Coverdale.
Unter dem Strich bleibt am Ende eine Dokumentation über eine richtig gut aufgelegte Band mit jede Menge Elan und Druck. Sie haben sich nicht im Geringsten blamiert und blieben sich bis zur letzten Note treu. Eine Band - wenn man so will - die sich wieder auf das konzentriert, was sie einst ausmachte (aber und das ist das Wichtigste, auch mit dem Respekt des Alters entsprechendem Niveau).
Deep Purple waren nie wirklich schlecht, sie waren immer richtig gut. Sie spielten immer das was sie fühlten und sie verbogen sich nie. Sie alterten, aber sie begnügten sich nie nur ihre Hits von Früher abzuleiern. Sie schufen neue Stücke und integrierten diese dann erfolgreich in ihre Live-Auftritte. Auch das ist hier zu hören.
Es bleibt eine positive Bewertung am Ende mit einer Frage. Warum packte man nicht noch einen Bonus mehr auf die DVD? Hier gab es zum Beispiel ein schönes Interview der Band im TV zu sehen. Ich hätte mich gefreut dieses ungeschnitten in voller Länge dort bei den Extras vorzufinden. Nur das Video zu “Vincent Price“, das ist einfach nicht angemessen.


