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PICTURED WITHIN - Jon Lord

Traurig und zeitlos schön

Allmählich jedoch reifte erneut der Gedanke etwas ruhigere Töne anzuschlagen. Er wollte sich erneut selbst beweisen. Im August 1995 verstarb seine Mutter. Seine tiefe Trauer drückte er in seinem neuen Solo-Album aus. Es war das erste seit 16 Jahren.

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Jon war beschäftigt mit der Arbeit seiner Stamm-Band Deep Purple. Der Abgang von Ritchie, die kurze Aushilfe durch Joe und der belebende Neustart mit Steve waren sicher auch ein guter Grund nicht über eigene Wege nachzudenken.

Zusammen mit ihm standen sehr viele Musiker in den Maarweg Studios in Köln 1997. Neben vielen klassischen Instrumentalisten lud er auch Colin Hodginson, Pete York, Miller Anderson und Sam Brown ein. 

 

Das Album unterteilt sich in vier Abschnitte mit je drei einzelnen Songs auf. Es beginnt mit "Part One: The Valley". "Sunrise" ist die fast instrumentale Einleitung zum eigentlichen Titelsong. Behutsam eröffnen Geigen und das Piano schließlich "Pictured Within". Es ist eine Hommage an intimste Bilder der Familie den Gefühlen und an Erinnerungen an alle die Menschen, welche Jon durchs Leben führten. Immer wieder greift die dramatisch schöne Geige in die Pausen ein. Sie wird unterstützt durch ein wunderschön leichtes Orchester. Bis sich schließlich Miller wieder meldet. Anmut und die Schönheit des ganzen berühren tief. Die Vocaleros untermalen das alles. Mit einem instrumentalen Epos endet der erste Teil des Albums. "From The Windmill" ist anfangs orchestral breit aufgestellt. Es öffnet sich jedoch bald und jazzt locker und leicht daher. Alles verbindet sich auf wundervolle Weise. Bewegt, leicht und optimistisch verlässt man den ersten Teil des Albums. 

 

"Part Two: Blue Sky Dreams" beginnt nun mit "Circles Of Stone". Wieder rein instrumentale steigt man in ein Soundgewölbe ein. Es breitet sich über den Hörer aus und hüllt ihn ein. Es umschmiegt ihn und gleitet mit seinen Streichern schwer durch den Konsumenten. Schließlich öffnet sich "Menorca Blue". Es sorgt mit seinem Rhythmus für eine deutliche Auflockerung der Stimmung. Im Grunde führen beide Stücke jedoch nur einleitend zum dritten Titel dieses Abschnitts. Wir dürfen nun dem Cello zuhören (Solist Vytas Sondeckis). Mit diesem wird "Evening Song" eingeleitet. Danach erhebt sich Sam Brown wundervoll in den Mittelpunkt des Stückes. Sie erzeugt eine zerbrechliche und schaurige Stimmung. Sie zieht mit uns ihr Ré­su­mé. Am Abend meines Lebens bin ich mit der Welt in Einklang. Alles eingefasst von der Violine (Solist Stefan Pintev). 

Mit "Part Three: Of Heroes And Heroines" betrachten wir den nächsten Teil. Mit "Music For Miriam" begeben wir uns auf die Heldensuche. Allein die Violine beginnt diesen Abschnitt. Später wird sie durch ein Cello unterstützt. Zur Mitte hin fängt sie ein breiteres Instrumentarium auf. Das Finale ist groß angelegt und variiert das Motto vom Start zart untergehend. Schließlich erhebt sich das Piano. "Arc-En-Ciel" hat begonnen. Jon spielt zusammen mit der Oboe (Ina Stock). Leicht beschwingt reist man weiter hin zum Höhepunkt. Hier schmettert Sam Brown ihr tolles "Wait A While" in die Gehörgänge der Zuhörer. Kann man inbrünstiger singen? Es ist schwer geliebte Person loszulassen. Hoffende Schönheit paart sich mit Anmut in ihrer tollsten Ausprägung. Was für ein Genuss für Ohren und Seele. 

 

Der letzte Teil ist dann jedoch mehr als der schnöde Ausklang. Mit "Part Four: Beneath A Higher Heaven" führt sinfonische Spielweise den Zuhörer behutsam zurück in Wirklichkeit. "Crystal Spa" ist das längste Stück des Albums. Über 14 Minuten spannt sich der Bogen der behutsamen Ohrmuschelverwöhnung fast schon sakral. Kirchliche Chöre eröffnen diesen Langläufer. Wie sich daraus diese fantastische Musik erhebt ist famos. Wieder nimmt der Lord den Hörer mit, erhebt ihn zart und lässt seine Seele ein Stück weit fliegen. Es braucht ein wenig Zeit sich zu öffnen und die pure Schönheit zu erkennen. Gelingt es einem ergreift sie den Zuhörer. "The Mountain-Sunset" führt uns davon weg. Durch die Bläser erhebt es sich mächtig und rückt das Stück zuvor noch ein wenig deutlicher in der Mächtigkeit des Themas nach oben. Alles endet mit "A Different Sky". Einem Verweis auf den nun schöneren und neuen Himmel. Der Trost und die Gewissheit dass es ein Fortbestand in der Ewigkeit gibt bildet somit das Finale im Leben und in der Musik. 

 

Das Album selbst ist ein kleines Meisterwerk. Jon Lord versteht es das Thema des Todes, der Trauer und der Hoffnung auf eine bessere Lebensebene nach dem Tod in Noten zu fassen. 1999 ergreift er mit Deep Purple die Chance und setzte seinem CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA eine Erinnerung und eine erneute Aufführung. Auch bei der CONCERTO-Tour ein Jahr später spielten Songs dieses Albums hier eine bedeutende Rolle. "Pictured Within" und "Wait A While" führten immer wieder zu wirklich tollen Momenten zu Beginn einer jeder Show.

 

Jon Lord war immer mehr als ein schlichter Musiker. Er verstand es Gefühle in Noten zu Hüllen. Sie anschließend über den Hörer in dieser Form auszugießen spricht für sein Talent und seine höchst persönliche Art des künstlerischen Ausdrucks. 

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